Forderungen an die Junioren: Mehr Power, meine Herren!
publiziert: Mittwoch, 12. Nov 2003 / 20:08 Uhr

Bei den letzten beiden resultatmässig wenig erfolgreichen Vierländerturnieren der Junioren-Nationalmannschaften zeigte sich einmal mehr: Im Bereich der Physis und Kraft hinken wir den Topnationen, aber auch anderen gleichwertigen Nationalmannschaften hinterher. Verblasst das Ansehen der Schweizer Nachwuchsarbeit?

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Verlieren die Schweizer U20-Spieler den Anschluss an die Spitze?
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Letzte Woche haben die U20-Nationalmannschaft in Hamar/Norwegen und die U18 in Huttwil je ein Vierländerturnier absolviert: Die Resultate waren ernüchternd und speziell der Bereich Physis liess zu wünschen übrig.

Diese Beobachtungen decken sich mit Resultaten aus diversen Tests in den Sommercamps der Junioren-Nationalspieler, bei welchen neue Krafttests ausgeführt wurden. Denn diese waren nicht überragend.

Der letzte Platz am Viernationenturnier in Huttwil an der an den letzten Weltmeisterschaften abgestiegenen U18-Nationalmannschaft darf nicht als allzu alarmierend bezeichnet werden, musste man doch gegen hochkarätige A-Nationalmannschaften antreten. Dennoch, das Schweizer Hockeyherz ist sich im Juniorenbereich mehr Erfolg gewöhnt.

Etwas mehr Verärgerung brachten die Resultate der U20 in Hamar/Norwegen, denn diese verloren gegen den Erzrivalen Deutschland sowie gegen die Slowakei und belegten am Vierländerturnier hinter Deutschland (Absteiger aus der letzten U20-WM) und der Slowakei und mit nur einem Sieg gegen Norwegen nach zwei Pleiten in drei Spielen nur Rang 3.

Ist nun unser "Stolz", die Juniorenarbeit und die U-Nationalteams, in Gefahr zusammenzubrechen? Können wir uns bald nicht einmal mit diesem Themas als Weltklassenation rühmen? War der letztjährige Abstieg der U18-Nati ein erstes böses Omen? Was ist los mit unseren Junioren?

In den Analysen der letzten Jahre im Bereich Nationalmannschaften zeigte sich vor allen Dingen ein Manko bei den Schweizern: Die helvetischen Junioren hinken im Kraftbereich ihren Altersgenossen in Skandinavien und Nordamerika hinterher.

Der Anlass für den neuesten Kräftetest im Sommer waren Analysen der letzten Jahre im Bereich der Nationalmannschaften U16 bis A-Nati. Die Resultate sollten eine schonungslose Sensibilisierung der Spieler und Clubs für die tatsächlichen internationalen Anforderungen herbeiführen.

Die Resultate waren ernüchternd. Im Bereich der Rohkraft und Kondition sind auf allen Ebenen Mängel aufgetreten und Steigerungspotential vorhanden. Die Verantwortung für eine Steigerung der persönlichen Performance ist zwar der Spieler selbst; der Club muss jedoch gemäss allen Experten für den nötigen Support sorgen.

Auffällig war zudem, dass die Resultate zwischen den Jahrgängen 84/85 und denjenigen der Jahrgänge 86/87 sich nur unwesentlich unterschieden. Dies unterstützt die Theorie vieler Experten, dass in den wichtigen Alterskategorien zwischen 17 und 21 noch nicht genügend die Bereiche Kraft und Kondition gebüffelt werden.

Rumpfmuskulatur, Kondition, Oberkörper-Basiskraft

Das mitunter grösste Problem stellte man in den Sommercamps bei den Tests im Bereich der Rumpfmuskulatur fest. Die Rumpfmuskulatur ist für die Sportart Eishockey enorm wichtig, da alle Bewegungen, wie das Laufen, Passen und Schiessen aus der Hüftrotation geschieht.

Eine starke Rumpfmuskulatur hat zudem Präventivcharakter gegen Verletzungen (im Besonderen bei der Leiste und bei Rückenproblemen der Spieler). Auch im Bereich der Kondition stellten die Experten Steigerungspotential fest. Im traditionellen 12-Minuten-Lauf, der als Basis für Grundausdauer (Teil des Cooper-Test's) gilt, kamen nur sechs U20-Nationalspieler über die magische 3000 Meter-Marke.

Weitere Tests wurden im Bankdrücken als Basiskraft-Ermittlung für Oberkörper und Kniebeugen als Basiskoeffizient für Beinkraft vollzogen. Wobei hier in der Auswertung auch die Koordination und Stabilisation des ganzen Körpers in Betracht gezogen wird.

Das Fazit der Junioren-Nationaltrainer:

Punkt 1: Der Rumpfbereich
Im Rumpfbereich sind die Ergebnisse generell ungenügend, vor allen Dingen bei Bauch- und Rückenmuskulatur.

Punkt 2: Kondition
Die Ergebnisse im 12-Minuten-Lauf waren im Schnitt unter dem Limit. Da muss sich noch vieles tun.

Punkt 3: Rohkraft
Auch die Resultate im Kraftbereich waren durchzogen: Generell auch hier ein offensichtliches Manko.

Punkt 4: Koordination
Im physischen Bereich muss in nächster Zeit viel investiert werden. Dazu kamen grosse koordinative Mängel der Spieler zum Vorschein.

Auffällig: Die Resultate zwischen der U20 und U18 sind minim unterschiedlich!

Die Weltranglisten der Junioren-Nationalteams:

Aktuelle Weltrangliste, Junioren U20 (02/03)
1.Russland
2.Kanada
3.Finnland
4.USA
5.Slowakei
6.Tschechien
7.Schweiz
8.Schweden
9.Deutschland (Absteiger 2002)
10.Weissrussland (Absteiger 2002)
Aufsteiger 2003: Ukraine und Oesterreich

Weltrangliste Junioren U18 (02/03)
1.Kanada
2.Slowakei
3.Russland
4.USA
5.Schweden
6.Tschechien
7.Finnland
8.Weissrussland
9.Schweiz (Absteiger)
10.Kasachstan (Absteiger)
Aufsteiger 2003: Dänemark und Norwegen

(Von Joel Wüthrich, Working Press Basel/Montreal/news.ch)

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