Kontroverse um Kreuzungs-Theorie
Forscher bezweifeln Intimitäten zwischen Neandertalern und Menschen
publiziert: Mittwoch, 15. Aug 2012 / 11:36 Uhr
Die Frühmenschen, die sich in Europa und Asien zum Neandertaler entwickelten, könnten demnach aus einer Population im nördlichen Afrika ausgewandert sein.
Die Frühmenschen, die sich in Europa und Asien zum Neandertaler entwickelten, könnten demnach aus einer Population im nördlichen Afrika ausgewandert sein.

Cambridge - «Wir sind ein bisschen Neandertaler» - so titelten die Medien 2010. Doch zwei britischen Forschern zufolge sind die Ähnlichkeiten zwischen dem Erbgut des modernen Menschen und des Neandertalers eher auf gemeinsame Vorfahren zurückzuführen, als auf Mischungen der beiden Menschenformen.

4 Meldungen im Zusammenhang
2010 hatte die Rekonstruktion des Neandertaler-Genoms durch Forscher um Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig ergeben, dass die meisten modernen Menschen anscheinend 1 bis 4 Prozent Erbgut des archaischen Menschen tragen.

Es keimte die Idee, dass der aus Afrika auswandernde Mensch in Europa auf Neandertaler traf, mit ihm gemeinsame Nachkommen zeugte, die dann den Rest der Welt eroberten. Ein Problem mit der Theorie war indes, dass sich die vermeintlichen Neandertaler-Gene auch anders deuten liessen - als altes afrikanisches Erbe.

Dies scheinen die neuen Resultate von Anders Eriksson und Andrea Manica von der britischen University of Cambridge zu bestätigen. Mit Hilfe von Computermodellen vollzogen sie die Odyssee der Neandertaler-Gene nach.

Demnach rühren die genetischen Gemeinsamkeiten daher, dass beide Menschenformen aus einer geografisch definierten Population entstanden sind, wie die Forscher in der aktuellen Ausabe des Fachblatts «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) berichten.

Trennung vor etwa 350'000 Jahren

Die Frühmenschen, die sich in Europa und Asien zum Neandertaler entwickelten, könnten demnach aus einer Population im nördlichen Afrika ausgewandert sein. Vor etwa 350'000 bis 300'000 Jahren trennten sich die afrikanischen und europäischen Populationen - der europäische Teil entwickelte sich zum Neandertaler, der afrikanische zum Homo sapiens.

Im Norden Afrikas war diese neue Menschenform genetisch gesehen dem Neandertaler also ähnlicher als auf dem Rest des schwarzen Kontinents. Es waren auch diese modernen Menschen, die sich vor 60'000 bis 70'000 Jahren in den Rest der Welt aufmachten. Ihr gemeinsames Erbe mit den Neandertalern nahmen sie Eriksson und Manica zufolge also mit.

«Wir können zwar nicht beweisen, dass es niemals Hybridisierungen gegeben hat», sagt Andrea Manica in einer Mitteilung zur Studie. «Aber unsere Arbeit zeigt klar, dass die Strukturen im Neandertaler-Genom nicht aussergewöhnlich sind, sondern dem entsprechen, was man ohne Vermischung erwarten würde.»

Kontroverse um Techtelmechtel

Das Thema entwickelt sich nun offenbar zur Kontroverse: Die Urheber der Kreuzungs-Theorie überzeugt die aktuelle Studie nicht, wie der Onlinedienst wissenschaft.de schreibt. Svante Pääbo und David Reich von der Harvard University berichten im Wissenschaftsmagazin «New Scientist» von neuen Untersuchungen zu den Spuren im Erbgut. Diese deuten demnach erneut auf eine Kreuzung vor 47'000 bis 65'000 Jahren hin.

Die entsprechenden Studienergebnisse sollen schon bald veröffentlicht werden. Es wäre demnach voreilig, die Kreuzungs-Theorie bereits abzuschreiben.

(knob/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Leipzig - Ein deutsches Forscherteam hat das Erbgut eines Mannes entziffert, der vor 45'000 Jahren durch Westsibirien streifte. Es ... mehr lesen
Ein bisschen Neandertaler steckt in uns allen.
Neandertaler lebten vor rund 50'000 Jahren. (Symbolbild)
Leipzig - Die Neandertaler in Sibirien haben vor rund 50'000 Jahren Nachkommen auch mit engeren Verwandten gezeugt. Das ... mehr lesen
Brisbane/Wien - Würde der Neandertaler mit einem heutigen Mensch ins Rennen gehen, so wäre ihm der Sieg sicher. Zu ... mehr lesen
Den Absturz der Leistungsfähigkeit des Menschen führt der Experte auf die industrielle Revolution zurück.
Die Entdeckung mache es möglich, den Kommunikationsmechanismus des Gehirns nachzuvollziehen und zu reproduzieren.
Die Entdeckung mache es möglich, den ...
Frequenz und Zeittakt  Triest - Das menschliche Gehirn verfügt über ein mehrkanaliges Übertragungssystem der elektrischen Impulse, die sich je nach Art der Information durch Frequenz und Zeittakt unterscheiden. 
Jede der rund 8'000 Geschmacksknospen auf der Zunge kann alle Geschmacksrichtungen wahrnehmen.
Zunge und Gehirn sind verbunden New York - Das Gehirn verfügt über spezialisierte Neuronen für alle fünf Geschmacksrichtungen: salzig, bitter, sauer, süss und umami, wie ...
Green Investment Kerosin und Diesel herstellbar  Woods Hole/Bellingham - Forscher haben eine Algenart gefunden, die sich sowohl zu Kerosin als auch ...  
Aus der Alge kann sowohl Kerosin als auch Biodiesel hergestellt werden.
Willkommene Abkühlung an heissen Tagen.
Laut Studie  Paris - Grossstädte waren in den vergangenen vier Jahrzehnten zunehmend von Hitzewellen betroffen. Zwischen 1973 und 2012 gab es in rund ...  
Titel Forum Teaser
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2739
    Die... Asylbewerber können in jedem Land einen Asylantrag stellen, z.B. in ... Mi, 14.01.15 13:01
  • Kassandra aus Frauenfeld 1155
    Die Musen sterben! Es wäre ja eine schöne Sache, wenn alle Waren der Welt überall frei ... Sa, 22.11.14 20:28
  • LinusLuchs aus Basel 55
    Demokratie im Niedergang? Ihre Überlegungen finde ich absolut plausibel und sehr spannend, ... Sa, 22.11.14 11:32
  • Kassandra aus Frauenfeld 1155
    Kapitalismus im Niedergang? Ich möchte mich mal nur auf den Schluss ihres Beitrages konzentrieren, ... Fr, 21.11.14 18:36
  • LinusLuchs aus Basel 55
    Inquisition Reloaded Das Festhalten am Bekannten, Bewährten und damit am Sicheren, ... Fr, 21.11.14 13:45
  • jorian aus Dulliken 1552
    Die verdammten Fakten Warum heisst Grönland Grönland? Warum kann man in Schottland keinen ... Fr, 21.11.14 04:03
  • Kassandra aus Frauenfeld 1155
    Ideologische Scheuklappen? Sie haben wohl Recht, LinusLuchs, wenn Sie bezüglich der Aussage "„Dass ... Do, 20.11.14 18:34
  • Kassandra aus Frauenfeld 1155
    Das kann ich aus meinem Berufsleben unbedingt bestätigen. Mitarbeiter im Verkauf und den ... Do, 20.11.14 00:51
Gabi Hildesheimer ist Geschäftsführerin von Öbu, dem Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften.
ETH-Zukunftsblog Vertrauen stärken für den Klimaschutz Die Parteien haben bei den Klimaverhandlungen in Peru ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
SO MO DI MI DO FR
Zürich -5°C -4°C bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Basel -5°C -4°C bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
St.Gallen -4°C -2°C bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Bern -2°C 0°C bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Luzern -2°C 0°C bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Genf -1°C 2°C bedeckt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall bewölkt, wenig Schneefall
Lugano 1°C 6°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten