Fettleibige Menschen sind gegen Leptin resistent
Forscher entschlüsseln Hungergefühl
publiziert: Dienstag, 9. Jul 2013 / 08:57 Uhr
Das Hormon Leptin stoppt das Hungergefühl.
Das Hormon Leptin stoppt das Hungergefühl.

Neapel - Wissenschaftler in Italien haben die Zusammenhänge zwischen Leptin, Endocannabinoid und Orexin beim Hungergefühl aufgedeckt.

6 Meldungen im Zusammenhang
Die neu gewonnen Erkenntnisse gehen zurück auf die Arbeit von Mitarbeitern des Istituto di Cibernetica «Edoardo Caianello» und des ebenfalls zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto di Chimica Biomolecolare. Die Forschungsergebnisse bieten neue Möglichkeiten zur Entwicklung von Schlankmachern.

Auslöser für Teufelskreis

«Fettleibigkeit ist von einer synaptischen Remodellierung des seitlichen Hypothalamus begleitet, durch die die Orexin-Neuronen selektiv beeinflusst werden», erklärt Projektleiterin Luigia Cristino. Es handle sich um eine direkte Einwirkung auf das Endocannabinoid-System, das die Nervenzellen kontrolliert, die das für die Regulierung von Hunger und Schlaf verantwortliche Orexin-Neuropeptid erzeugen. Fettsucht sei als chronische Krankheit einzustufen, nicht nur weil sie für die Entstehung von Pathologien wie Diabetes und hohem Blutdruck verantwortlich ist, sondern auch, weil das adipose Gewebe eine Reihe pro-inflammatorischer Stoffe freisetzt.

Eines davon ist ein als Leptin bekanntes Hormon, das das Hungergefühl stoppt, indem es mit dem Hypothalamus kommuniziert und diesem mitteilt, dass die aufgenomme Nahrungsmenge zur Stillung des Appetits ausreicht. «Bei den Fettsüchtigen hingegen entwickelt sich eine wahrhaftige Leptin-Resistenz, die eine Art Teufelskreis auslöst und den Betreffenden zur weiteren Nahrungsaufnahme veranlasst», so die italienische Forscherin weiter.

Tests mit Labormäusen

Bei einer Versuchsreihe unter Gegenüberstellung von normalgewichtigen mit stark überfütterten Labormäusen wurde festgestellt, dass der Cannabinoidrezeptor CB1 sich bei beiden Testgruppen hinsichtlich der erregungsübertragenden und der inhibitorischen Synapse-Afferenzen zwar morphologisch gleich verhielt. Funktional betrachtet hingegen war der CB1-Rezeptor bei fettsüchtigen Mäusen deutlich aktiver, da bei ihnen die von den Orexin-Neuronen freisetzten Mengen an Endocannabinoid 2-AG sehr viel höher ausfielen.

Bei Fettleibigen übliche Nebenerscheinungen wie hoher Blutdruck, Herzbeschwerden und Schlaflosigkeit, so die Schlussfolgerung der italienischen Wissenschaftler, können durch eine selektive Blockierung der Orexin-A-Rezeptoren mithilfe des antagonistisch wirkenden Moleküls SB334,867 bekämpft werden. Die multidisziplinäre Untersuchung war in enger Zusammenarbeit mit der Universität Verona durchgeführt worden. Einzelheiten können in der internationalen Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» nachgelesen werden.

(bg/pte)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Minneapolis - Wer kennt das nicht: ... mehr lesen
Hunger schaltet offenbar ein Verhaltensprogramm beim Menschen an, das mit einem allgemeinen «Habenwollen» zusammenhängt. (Symbolbild)
Helsinki - Forscher der Helsingfors ... mehr lesen
Es ist denkbar, dass das Fettgewebe mancher Übergewichtiger beim Zunehmen mehr Fettzellen produziert.(Symbolbild)
Die neuen Erkenntnisse könnte zu einem komplett anderen Therapieansatz für fettleibige Menschen führen.
Zürich - Die Suche nach einer Therapie gegen Fettleibigkeit ist einen Schritt weiter. Forschenden der ETH Zürich ist es gelungen, in einem lebenden Organismus zu zeigen, dass ... mehr lesen
Bern - Die Menschen in der Schweiz ernähren sich nicht so gesund, wie sie ... mehr lesen
Es würden immer mehr Mahlzeiten ausser Haus konsumiert, und dann oft Fast Food.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Biotechnologen forschten nach einer ganzheitlichen Therapie, da die verschiedenen Krankheitsbilder des metabolischen Syndroms untereinander verknüpft sind. (Symbolbild)
Zürich/Basel - Wer zu viel und falsch isst und sich nicht bewegt, weist früher oder später das metabolische Syndrom auf: Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Insulinresistenz als ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
-
Publinews Papiliorama  Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Tiere und Pflanzen: erleben Sie das bunte Ballett der exotischen Schmetterlinge, welche frei um Sie herumfliegen, die bizzaren Kreaturen der Nacht, die Regenbogentukane und einheimischen Schmetterlinge, die Gliederfüsser mit ihren aussergewöhnlichen Formen und die Wollschweine, welche sich als Landschaftsgärtner betätigen. Das Papiliorama in Kerzers nimmt Sie mit auf eine spannende Entdeckungsreise. mehr lesen  
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der ... mehr lesen
Das Berner Inselspital stellt die Proben für mehrere Forschungsprojekte und einem grösseren Forscherkreis zur Verfügung.
Zika wird hauptsächlich durch Mückenstiche verbreitet.
Wegen Zika - Acht Wochen nur geschützt  Genf - Touristen sollen nach ihrer Heimreise aus Zika-Gebieten mindestens acht Wochen ... mehr lesen  
Erhöhtes Osteoporose-Risiko  Trondheim - In den letzten Wochen der Schwangerschaft gehört die Weitergabe von Kalzium an den Fötus ... mehr lesen  
Die Knochendichte eines Frühchens ist geringer.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 14°C 29°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Basel 16°C 29°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft vereinzelte Gewitter
St. Gallen 17°C 27°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Bern 15°C 27°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Luzern 14°C 28°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Genf 17°C 28°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
Lugano 19°C 27°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten