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Fragen Sie nächsten Monat nochmals!
publiziert: Freitag, 23. Sep 2005 / 09:29 Uhr

Was verraten Taxifahrer über eine Stadt? In Brüssel, dass die europäische Hauptstadt zwischen Wallonen und Flamen tief gespalten und ausserdem sehr bürokratisch ist.

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Jede Stadt ist so gut wie ihre Taxifahrer. In Zürich kann ich nicht einmal zur Rämistrasse fahren, ohne zu hören: «Das wo sein?». Im beschaulichen Luzern wäre ich vor einem halben Jahr fast von einem Taxifahrer geohrfeigt worden, nur weil ich mir die spitze Bemerkung nach dem kürzesten Weg mit: «Sorry, Sie sind hier der Taxifahrer, nicht ich» erlaubte.

In New York kriege ich als weisse, mittelmässig einkommensstark aussehende Frau immer ein Taxi während mein schwarzer Arztfreund immer noch Geschichten erzählt, die einer Sammelklage würdig wären.

Londoner Cabs erfreuen die Menschen mit Nostalgie und einer Einsteigelogik, die Menschen mit Rücken- und Hüftproblemen die Spitalnotaufnahme bescheren.

Berliner Taxiunternehmer disziplinieren per teutonisch üblichen Bellton zum Nichtrauchen, Gurtanschnallen und pünktlichen Bezahlen. In Paris bitte nur die Métro oder den TGV benützen.

Der Surrealistenpreis geht an Brüssel

Was nun Brüssel betrifft, so gewinnt das europäische Herz auch hier den Surrealistenpreis. Ohne Geheimwissen blättert man bei einer 10minütigen Taxifahrt glatt das ganze Wochenendtaschengeld hin.

Will man sich darüber beklagen, findet man das zuständige Amt nie. Ausgesprochenes Taxipech kann auch ein flämischer Chauffeur bedeuten.

Besonders wenn man ihn mit «Bonjour» begrüsst und somit in flämischen Augen der Frankophilie verdächtig scheint. Nicht nur ist dann die Fahrt lang, kompliziert, sauteuer, sondern auch unglaublich ungemütlich.

Wallonen gegen Flamen

Die politischen Ressentiments dieser konstruierten Monarchie wiegen schwer. Die Flamen können die Wallonen nicht ausstehen und umgekehrt, beide verachten sowohl die Franzosen, die Deutschen und vor allem die Holländer. Und dass die Engländer an jeder internationalen politischen Misere schuld sind, erklärt sich in Belgien von selbst.

Politik und Religion sind in Brüssel eigentlich tabu, aber doch allgegenwärtig. Tja, Nicht-Belgiern fällt es schwer, die Landsleute dieses Kleinstaates zu verstehen.

Der Freundschaft auch abträglich ist der belgische Volkssport, Höflichkeit und Dienstleistung hartnäckig zu verweigern. Charme ist definitiv keine belgische Erfindung. Wohl auch keine schweizerische, doch das wäre ein anderes Thema.

Bürokratie

Fast diebisch blitzen die Augen von Beamten, Versicherungsvertretern oder Sekretärinnen beim:

«Telefonanschluss?, den kriegen Sie frühestens in 6 Wochen».

«Druckerpatronen?, fragen Sie nächsten Monat nochmals!»

«Wohnortregistration?, stellen Sie sich für acht Stunden in die Warteschlange, vielleicht haben Sie dann Glück.»

«Neuen Internetanschluss? füllen Sie Formular eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs und sieben aus, telefonieren Sie Service technique, Service Modem et Service Facture und bezahlen ein Depot per Einzahlungssschein. Vielleicht reicht es Ihnen dann für einen funktionierenden Anschluss innerhalb von fünf Wochen.»

«Zufahrtsstrasse zur Schule Ihrer Kinder?, ohne Vorankündigung bis auf weiteres gesperrt.»

Ehemalige Nostalgie-DDR-Bürger müssten sich hier wie im Paradies vorkommen.

Doch bei allem Unbehagen: Essen tut man nirgends so gut wie in Brüssel! Wirklich nirgendwo auf der Welt! Falls einem nach der Taxifahrt noch ein paar Euros übrig bleiben. Was nur mit Geheimwissen möglich ist. Denn es gibt für Eingeweihte schliesslich «Autolux». Feste Strecken, feste Preise, garantierte Flughafenretourfahrten und pünktliches Erscheinen. Doch wagen Sie es nie, einen Belgier nach Autolux zu fragen. Denn dann kriegen Sie mit Bestimmtheit hämisch grinsend: «Autolux?» «Fährt nur am Montag von 09-15.00 Uhr.»

(Regula Stämpfli/news.ch)

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