Fragezeichen um die «Squadra Azzurra»
publiziert: Samstag, 3. Jun 2006 / 08:37 Uhr / aktualisiert: Samstag, 3. Jun 2006 / 09:07 Uhr

Italien gehört auch in diesem Jahr zu den Favoriten - trotz (oder gerade wegen?) des Manipulationsskandals, der den Calcio erschüttert.

Hat Pavel Nedved seinen Zenit überschritten?
Hat Pavel Nedved seinen Zenit überschritten?
In der starken Gruppe E stehen den Azzurri aber schon in der Vorrunde unangenehme Gegner im Weg: Ghana, die USA und Tschechien.

Italien: Offensive Ausrichtung

Aufgrund der erstklassigen Besetzung muss Italien auf dem Rasen niemanden fürchten. Aufgrund der genügsamen (Fussball-)Mentalität, die bei den letzten Turnieren einen Schnellstart verhinderte, rechnen die Tifosi mittlerweile aber auch mit dem Schlimmsten: einem frühen Out.

Die Fussball-Welt stellt sich derweil die Frage, ob der Manipulationsskandal um den früheren Juve-Manager Luciano Moggi die «Squadra Azzurra» hemmt oder eher zusammenrücken lässt und eine Trotzreaktion bewirkt.

Unter Lippi hat die Equipe in den letzten 24 Monaten angedeutet, dass sie mit der Tradition des Calcio-Fatalismus («Wir gehen die Sache langsam an und können das Ding dann irgendwie schon schaukeln») brechen will.

Sie spielt konsequent nach vorne und lässt sich nach Führungen kaum mehr zurückfallen. Schlüsselspieler in diesem offensiven Schema sind Francesco Totti, Andrea Pirlo, Mauro Camoranesi sowie die beiden Stürmer Luca Toni und Alberto Gilardino.

Tschechien: Ohne Favoritendruck

Vor zwei Jahren galt Tschechien vor der EURO in Portugal in nahezu identischer Besetzung wie heuer als Top-Favorit. Jetzt fehlen die Osteuropäer in der Liste der Titel-Anwärter. Weshalb?

Die treibenden Kräfte im Mittelfeld, Pavel Nedved (34) und Karel Poborsky (34), haben ihr Niveau in den letzten 24 Monaten nicht halten können. Topskorer Jan Koller (neun Tore in der Qualifikation) fiel bei Dortmund wegen einer Verletzung mehrere Monate aus und kam erst zum Saisonende wieder zum Einsatz.

Und auch Sturmpartner Milan Baros hatte eine schwierige Saison. Nach zwei Partien wurde er von Liverpool zu Aston Villa abgeschoben und spielte danach in der Premier League gegen den Abstieg. In der Qualifikation hat Tschechien gegen Holland zweimal verloren, sich dann aber in der Barrage gegen Norwegen problemlos durchgesetzt.

USA: Gut eingespielt

«Wir waren vor vier Jahren im Viertelfinal und sind seither stärker geworden», sagte Coach Bruce Arena. Der 54-Jährige hat die Mannschaft nach der WM 1998 übernommen und zuletzt sogar in die Top Ten des FIFA-Rankings geführt.

Die Punkte dafür holten die Amerikaner indes vorab gegen schwächer einzustufende Gegner aus Mittel- und Südamerika sowie aus der Karibik. Die Meinungen, ob das Potenzial reicht, um gegen die starke europäische Konkurrenz in der Vorrunde zu bestehen, gehen auseinander.

Zum Einen sind die USA sehr gut eingespielt, denn das Gros der Equipe trainiert seit rund drei Monaten gemeinsam. Zum Anderen gibt es wenige Spieler, die in europäischen Grossklubs viele Erfahrungen sammelten. Einzig Goalie Tim Howard (Manchester United) und Mittelfeldspieler DaMarcus Beasley (Einhoven) haben in der abgelaufenen Saison in der Champions League gespielt.

Die Mehrheit des restlichen Kaders ist in der heimischen Major League Soccer oder bei mittelmässigen Klubs in England engagiert - wie die Schlüsselspieler im Mittelfeld, Claudio Reyna (Manchester City) und Landon Donovan (Los Angeles Galaxy).

Ghana: WM-Premiere

Ghana nimmt erstmals an einer WM-Endrunde teil. Das überrascht, denn das Land in Westafrika hat auf Juniorenstufe schon beachtliche Erfolge gefeiert. 1993 und 2001 stand Ghana im Final der U20-WM, 1991 und 1995 wurde man mit der U17 sogar Weltmeister.

Zu dieser Generation, die im WM-Kader noch stark vertreten ist, gehört auch Alex Tachie-Mensah vom FC St. Gallen. Der Stürmer der Ostschweizer scheint aber im Angriff keinen Stammplatz zu haben und steht im Schatten von Dortmunds Matthew Amoah. Schlüsselspieler in der Equipe des serbischen Trainers Ratomir Dujkovic ist Michael Essien.

Der 22-Jährige ist im defensiven Mittelfeld die Schaltstation. Essien ist derzeit neben dem Ivorer Didier Drogba und dem Kameruner Samuel Eto´o der dritte Star des afrikanischen Fussballs. Essien ist sogar der teuerste Spieler Afrikas.

Fast 60 Millionen Franken überwies Chelsea vor einem Jahr dem französischen Champion Lyon. Auch dank Essiens Arbeit im Mittelfeld verfügt Ghana über eine überaus starke Defensive. In der Qualifikation kassierte es nur vier Gegentore.

Gruppe E:

Italien. Gegründet: 1898. -- FIFA-Beitritt: 1905. -- FIFA-Ranking: 13. -- WM-Teilnahmen (15): 1934, (Weltmeister), 1938 (Weltmeister), 1950, 1954, 1962, 1966, 1970 (Final), 1974, 1978, 1982 (Weltmeister), 1986 (Achtelfinal), 1990 (Dritter), 1994 (Final), 1998 (Viertelfinal), 2002 (Achtelfinal). -- Bilanz der Schweiz gegen Italien: 55 Spile/8 Siege/19 Remis/28 Niederlagen). -- Letztes Spiel: Schweiz - Italien 1:2 (in Genf, 30. April 2003, Schweizer Torschütze: Frei).

Ghana. Gegründet: 1957. -- FIFA-Beitritt: 1958. -- FIFA-Ranking: 50. -- WM-Teilnahmen: Erstmals für eine WM qualifiziert. -- noch kein Länderspiel.

USA. Gegründet: 1913. -- FIFA-Beitritt: 1914. -- FIFA-Ranking: 8. -- WM-Teilnahmen (7): 1930 (Halbfinal), 1934, 1950, 1990, 1994 (Achtelfinal), 1998, 2002 (Viertelfinal). -- Bilanz der Schweiz gegen die USA: 6 Spiele/3 Siege/3 Unentschieden/0 Niederlagen. -- Letztes Spiel: Schweiz - USA 1:1 (WM-Gruppenspiel in Detroit/USA, 18. Juni 1994/Tor für die Schweiz: Bregy).

Tschechien. Gegründet: 1901. -- FIFA-Beitritt: 1907/1994. -- FIFA-Ranking: 2. -- WM-Teilnahmen (8): 1934 (Final), 1938, 1954, 1958, 1962 (Final), 1970, 1982, 1990 (Viertelfinals). -- Bilanz der Schweiz gegen Tschechien (seit 1993): 3 Spiele/1 Sieg/2 Niederlagen). -- Letztes Spiel: Tschechien - Schweiz 3:0 (in Drnovice, 18. August 1999).

(rr/Si)

 
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