Terror in Paris
Frankreich vermutet die Drahtzieher der Anschläge in Belgien
publiziert: Montag, 16. Nov 2015 / 12:58 Uhr

Paris - In ganz Europa haben die Menschen um 12 Uhr für eine Schweigeminute für die Opfer der Anschläge in Paris innegehalten. Am Morgen hat Frankreich vor neuen, womöglich unmittelbar bevorstehenden Terrorakten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Europa gewarnt.

17 Meldungen im Zusammenhang
Die Terrormiliz bereitet nach den Worten von Premierminister Manuel Valls weitere Anschläge vor. Er könne Attentate in den kommenden Tagen oder Wochen nicht ausschliessen, sagte Valls dem Radiosender RTL. Die Attentate in Paris seien von Syrien aus organisiert und geplant worden. Der Drahtzieher soll nach Medienberichten der belgische Dschihadist Abdelhamid Abaaoud sein.

Der 27-jährige Belgier mit marokkanischen Wurzeln, der im als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek aufwuchs, soll in Syrien für den IS gekämpft haben. Abaaoud ist in mehreren Propaganda-Videos der Extremistenmiliz IS zu sehen. Im einem Video fährt er ein Auto, das vier verstümmelte Leichen hinter sich herzieht.

Hintermann einer Terrorzelle

Abaaoud soll auch Hintermann einer Terrorzelle gewesen sein, die in Belgien Anschläge gegen Polizisten plante. Bei einem Grosseinsatz gegen die Gruppe im ostbelgischen Vervier waren im Januar zwei mutmassliche Dschihadisten getötet worden.

Einer der Selbstmordattentäter aus dem Rockclub «Bataclan» stand schon einmal wegen Gründung einer terroristischen Vereinigung unter Verdacht. Gegen Samy Amimour wurde wegen einer versuchten Reise in den Jemen 2012 ermittelt, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft am Montag mit.

Der zuvor mit internationalem Haftbefehl gesuchte 28-Jährige habe sich vor etwa zwei Jahren nach einer Phase der Radikalisierung in Syrien aufgehalten, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Familienmitglieder.

Fünf Attentäter identifiziert

Insgesamt sind damit nun fünf der sieben bei den Pariser Anschlägen getöteten Terroristen identifiziert. Doch befürchtet wird, dass gleich mehrere Komplizen abgetaucht sein könnten.

Die französische Polizei sucht unter anderem nach einem Verdächtigem mit französischem Pass, der in Belgien geboren und an den Vorbereitungen der Anschläge beteiligt gewesen sein soll.

Bei der Fahndung gab es Justizkreisen zufolge aber eine Panne: Der 26-Jährige wurde am Samstag an der belgischen Grenze kontrolliert, durfte aber weiterfahren. Der als gefährlich geltende Mann wird mittlerweile mit einem internationalen Haftbefehl und Fahndungsplakaten gesucht.

23 Festnahmen bei landesweiten Razzien

In Frankreich wurden nach den Anschlägen von Paris bei landesweiten Razzien im islamistischen Milieu 23 Verdächtige festgenommen. In der Nacht zum Montag seien landesweit 168 Wohnungen durchsucht worden, wobei 31 Waffen beschlagnahmt worden seien, teilte Innenminister Bernard Cazeneuve in Paris mit. Zudem seien 104 Menschen unter Hausarrest gestellt worden.

Aus Ermittlerkreisen verlautete, es habe unter anderem in der Region von Paris, Lyon, Grenoble und Toulouse Durchsuchungen gegeben. Dabei wurden bei einem Verdächtigen in Lyon eine Panzerfaust, ein Sturmgewehr und Pistolen gefunden.

Auch in Belgien gibt es erneut Razzien: Im als Islamistenhochburg bekannten Brüsseler Stadtteil Molenbeek begann am Montag ein grosser Polizeieinsatz. Polizisten nahmen Hausdurchsuchungen vor. Die bewaffneten Spezialkräfte riefen die Bewohner per Lautsprecher auf, die Fenster zu öffnen und herauszukommen. Journalisten berichteten von Detonationen. Die Strasse wurde für den Verkehr gesperrt.

Kampf an allen Fronten

In Frankreich sollen nun Moscheen und radikale Vereinigungen geschlossen werden, in denen «gegen die Werte der Republik verstossen» wird. Valls sagte: «Wir handeln an allen Fronten mit der grössten Entschlossenheit.»

Dazu gehören auch Luftangriffe in Syrien. Am Sonntagabend hatte das französische Verteidigungsministerium zudem bekannt gegeben, dass zehn französische Kampfflugzeuge Ziele des Terrornetzwerks Islamischer Staat (IS) in Syrien angegriffen hätten.

In der IS-Hochburg Al-Rakka sei eine IS-Kommandostelle samt Waffen- und Munitionslager sowie ein Ausbildungslager für Terroristen in Syrien zerstört worden, hiess es.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte sprach von mindestens 30 Luftangriffen in Al-Rakka und Umgebung. Informationen über Tote und Verletzte gab es zunächst nicht.

Frankreichs Luftwaffe fliegt bereits seit September 2014 als Teil einer US-geführten Koalition Angriffe gegen IS-Stellungen im Irak. Seit September dieses Jahres bombardierte Frankreich mehrfach auch Positionen in Syrien.

(sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
London - Nach einem Messerangriff ... mehr lesen 1
Brüssel - Die Familie von Mohamed ... mehr lesen
Belgien steht im Zentrum der Ermittlungen. (Archivbild)
Brüssel - Die belgische Regierung will mit zusätzlichen 400 Millionen Euro den Kampf gegen radikal-islamische Gewalttäter verstärken. Dazu gehören die Inhaftierung von Anhängern der ... mehr lesen
Brüssel - Um den Opfern der ... mehr lesen 1
Weitere Artikel im Zusammenhang
Paris - Im Norden von Paris ist es ... mehr lesen 1
Javier Pastore muss von zwei Freunden Abschied nehmen.
Der argentinische Internationale ... mehr lesen
Brüssel - Frankreich will nach den ... mehr lesen
Frankreich hofft auf die Hilfe der EU.
Belgiens Eden Hazard und seine Teamkollegen können heute Abend nicht spielen.
Nach den Attentaten von Paris erhöht ... mehr lesen
Belek - Trotz Differenzen über den ... mehr lesen
Die G20-Staaten möchten dem Terrorismus den Geldhahn zudrehen.
Paris/Brüssel - Mehr Luftschläge, mehr Verbündete, mehr Sicherheitskräfte, härtere Gesetze: In einer martialischen Rede vor den vereinten Parlamentskammern hat Frankreichs ... mehr lesen 1
Im Gegensatz zu den Geiern des Grauens nützlich und nötig: Aasgeier in Afrika.
Etschmayer Wenn ein Terrorakt die Welt erschüttert, sind die Geier des Grauens nie fern. Es sind jene Individuen in der Politik und ... mehr lesen
Jagdbomber warfen 20 Bomben auf IS-Stellungen ab.
Paris/Berlin - Frankreich hat weniger als 48 Stunden nach der Terrorserie von Paris zum Gegenschlag ausgeholt: Die Luftwaffe griff am Sonntagabend die Terrormiliz Islamischer ... mehr lesen
Paris/Brüssel - Zwei der getöteten ... mehr lesen 2
Dieser...
fiese Anschlag wird kein Einzelfall bleiben. Es muss sogar damit gerechnet werden, dass dies zur Regel werden könnte. Man sollte Menschen nicht von vornherein verurteilen, das ist richtig, aber weiss man denn genau, wer alles schon ins Land geströmt ist. Weiss man genau wie diese vielen Menschen ticken? Da wird in Europa die persönliche Freiheit weiter eingeschränkt, aber andersherum strömen unkontrolliert immer mehr Menschen aus Krisenländern herein. Nur der geistig bescheidenste kann glauben, dass die vielen Menschen in kürzester Zeit integriert werden können. Und noch schlimmer, man hat noch nicht einmal das eine Problem gelöst, da macht man sich schon für den Nachzug der Familien von diesen vielen Menschen heiss. Es dürfte sich bald zeigen, wohin dieser riskante Weg noch führt.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen 
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. Versuche von oppositionellen syrischen Kräften, die am Freitag begonnene ... mehr lesen 1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck nahm an der Gedenkfeier teil.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben ... mehr lesen  
NATO-Generalsekretär hält Rede in Warschau  Warschau - NATO-Generalsekretär Stoltenberg sieht das Bündnis wenige Wochen vor dem Warschauer Gipfel vor grossen Herausforderungen. Einen neuen ... mehr lesen   1
Die NATO sei weiterhin an einem Dialog mit Russland interessiert.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 2°C 3°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt Schneeregenschauer
Basel 1°C 3°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wechselnd bewölkt
St. Gallen 2°C 2°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, wenig Schnee
Bern 1°C 2°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer Schneeregenschauer
Luzern 3°C 4°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt Schneeregenschauer
Genf 0°C 4°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wolkig, aber kaum Regen
Lugano 6°C 7°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten