Frankreich zittert nur vor Frei
publiziert: Freitag, 25. Mrz 2005 / 14:39 Uhr

Frankreich beschäftigte sich im Vorfeld der Partie gegen die Schweiz mehr mit sich selber als mit dem Gegner. Der ehemalige Welt- und Europameister ist mit seiner neuen Equipe auf der Suche nach altem Selbstvertrauen.

Alex Frei zeigt die Richtung an - vorwärts soll es gehen.
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Nach dem enttäuschenden Start in die WM-Qualifikation mit lediglich acht Punkten aus vier Spielen steht Frankreich in der Pflicht. Spieler und Trainer hüten sich aber gleichermassen davor, die Partie gegen die Schweiz als vorentscheidend zu bezeichnen. Verständlicherweise, denn der Druck auf das neu formierte Emsemble ist bereits so gross genug.

Seit dem letzten Sommer und den Rücktritten von Zinédine Zidane, Bixente Lizarazu und Lilian Thuram hat die "Equipe tricolore" nur zweimal gewonnen, gegen die Färöer und Zypern. Irland und Israel, die direkten Konkurrenten für ein WM-Ticket, erreichten in Paris jeweils ein torloses Unentschieden.

Domenech fordert Geduld

Domenech, der nach der EM das Zepter übernommen hat, wird nicht müde, Geduld zu fordern: "Eine Mannschaft kann man nicht erfinden, man muss sie aufbauen. Wir wollen weiter unseren Weg gehen wie bisher. Seit ich Trainer bin, sind wir von Spiel zu Spiel besser geworden. Der nächste Schritt ist ein Sieg gegen die Schweiz."

Dass dieser erreicht wird, bezweifelt im französischen Lager -- zumindest gegen aussen -- niemand ernsthaft. "Wir sind unser grösster Gegner", ist sich etwa Benoît Pedretti sicher, der mit Patrick Viera das defensive Mittelfeld abdecken wird. Ähnlich äusserten sich weitere Spieler im Verlauf der Vorbereitungswoche in Clairefontaine, nahe Paris.

Ist Frankreich verunsichert?

Dass die Franzosen die Schweiz unterschätzen, ist aber nicht anzunehmen. Dafür hat ihr Selbstvertrauen zuletzt zu sehr gelitten und Domenech vor der kompakten und eingespielten Mannschaft des SFV zu eindringlich gewarnt. Es scheint eher so, als möchten sie sich stark reden.

Unermüdlich strichen sie in den letzten Tagen die positiven Aspekte ihrer letzten Auftritte hervor, spielten die mangelnde Torausbeute (4 Tore in 4 Qualifkationsspielen) herunter, betonten die defensive Stabilität (noch kein Gegentor in der WM-Qualifikation) oder die gute Atmosphäre innerhalb der Mannschaft.

Alex Frei ist ein Begriff

Die Stärken und Schwächen der Schweiz wurden in Clairefontaine von den französischen Spielern nur am Rande thematisiert. Dabei fielen vor allem und beinahe ausschliesslich die Namen von Patrick Müller, dem Ex-Lyoner, und Alex Frei, dem Topskorer der Ligue 1. Müller geniesst aufgrund seiner vier Jahre beim Serienmeister noch viel Respekt, während Frei als einziger Schweizer regelrecht gefürchtet wird.

Innenverteidiger Jean-Alain Boumsong meinte zu Frei: "Ihn zu kontrollieren wird für die Verteidigung eine schwierige Aufgabe. Er kann beinahe aus jeder Position ein Tor schiessen." Für Grégory Coupet ist Frei ein Spieler, den man "immer im Auge haben muss". "Er bewegt sich sehr gut, fordert immer den Ball und nutzt gegnerische Fehler gnadenlos aus", so der Meistergoalie aus Lyon weiter.

Kein "Anti-Frei"-Plan

Auch Fabien Barthez sparte nicht mit Lob für den Basler: "Er ist ein ähnlicher Spielertyp wie Trezeguet: Eine Chance reicht ihm oft für ein Tor." Der Marseillais weiss, wovon er spricht. In der letzten Saison erzielte Frei mit Rennes gegen Marseille vier Tore in einem Spiel.

Von einem Plan "Anti-Frei" will Domenech aber nichts wissen. Vielmehr verlangt der streitbare Sélectionneur, dass seine Mannschaft das Spiel kontrolliert und sich viele Chancen erarbeitet. Dies sei im Stade de France, wo Frankreich seit dem letzten Juni (1:0 gegen die Ukraine) ohne Torerfolg ist, der Weg zum Sieg.

Und mit einem schelmischen Lächeln fügte er an, er freue sich auf das Spiel: "Um solche Partien zu erleben, sind wir ihm Fussballgeschäft." Frankreich - Schweiz vor voller Kulisse ist für ihn also doch so etwas wie ein vorentscheidendes Spiel.

(von Julien Oberholzer, Paris/Si)

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