Frankreichs Konzerne schwärmen aus
publiziert: Freitag, 12. Aug 2005 / 20:23 Uhr

Paris - Noch vor wenigen Wochen versetzte der angebliche Angriff des US-Konzerns PepsiCo auf den Lebensmittelriesen Danone Frankreich in Aufruhr. Politiker jeglicher Couleur warnten vor einem Ausverkauf der französischen Unternehmen.

Frankreich ist auf dem besten Wege eine Art Energie-Supermacht in Europa zu werden.
Frankreich ist auf dem besten Wege eine Art Energie-Supermacht in Europa zu werden.
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Premierminister Dominique de Villepin forderte gar einen neuen "Wirtschaftspatriotismus", um Frankreichs Wirtschaft beizustehen. Dass das kein Aufruf zum Einigeln war, zeigt sich in den letzten Tagen deutlich: Die Franzosen treten selbst als muntere Aufkäufer im Ausland auf.

Schlag auf Schlag werden milliardenschwere Übernahmen verkündet. Dabei stehen die Staatsunternehmen wie immer an vorderster Front. Überrascht hat Ende Juli die Rückkehr von France Télécom in die Riege der Einkäufer in Europa. Jahrelang galt das Unternehmen, an dem der Staat noch gut ein Drittel hält, wegen seiner Milliardenschulden als gelähmter Riese.

Nun legt der Konzern 6,4 Mrd. Euro auf den Tisch, um die Mehrheit am spanischen Mobilfunkanbieter Amena zu bekommen. Für Furore an der Börse sorgten am Mittwoch auch Gerüchte, Frankreichs grösstes Kreditinstitut BNP Paribas wolle sich die Commerzbank einverleiben.

Energiebranche in Bewegung

Doch vor allem im Energiebereich wird kräftig eingekauft. Den jüngsten Coup verkündete der Energie- und Wasserversorger Suez. Er will 11,2 Mrd. Euro zahlen, um den ehemaligen belgischen Strom- und Gasmonopolisten Electrabel vollständig zu übernehmen.

Kurz zuvor hatte sich der staatlich kontrollierte Gasversorger GDF mit einem Partner die Mehrheit am belgischen Stromanbieter SPE gesichert. Am Freitagabend erteilte die EU-Kommission ausserdem grünes Licht für die Übernahme der Mehrheit am zweitgrössten italienischen Stromanbieter Edison durch den staatlichen französischen Energieriesen EDF zusammen mit der Mailänder Gruppe AEM.

Die Zeitung "Le Monde" sieht die französischen Konzerne damit "in der Offensive" und Frankreich auf dem besten Wege eine Art Energie-Supermacht in Europa zu werden. Mit EDF, Suez, dem Mineralölkonzern Total und dem Atombetreiber Areva verfüge Frankreich gleich über vier Energiegruppen von internationalem Format. "Kein anderes europäisches Land kann das von sich behaupten."

Heimischer Markt abgeschottet

Möglich wurde das vor allem auch durch die viel kritisierte französische Industriepolitik. Ihr Credo: Den heimischen Markt abschotten und im Ausland auf die Werte einer liberalen Wirtschaftsordnung pochen.

In diesem Sinne lag Paris jahrelang mit der EU-Kommission im Clinch, um die Monopole von EDF und GDF zu verteidigen. Auch in Deutschland sorgte die feste Allianz von Wirtschaft und Politik immer wieder für Ärger.

Als der Siemens-Konzern vergangenes Jahr Teile der angeschlagenen Alstom übernehmen wollte, blockte die Regierung ab. Auch bei der in Berlin argwöhnisch beäugten Übernahme des französisch-deutschen Pharmakonzerns Aventis durch Sanofi-Synthélabo gab Paris aktiv Schützenhilfe.

Selbst von Vertretern der eigenen Wirtschaft wird ein solches Verhalten längst mit Kopfschütteln quittiert. So sagte jüngst Pérnod-Ricard-Chef Patrick Ricard, der jüngst den britischen Spirituosenkonzern Allied Domecq übernahm, der "Financial Times Deutschland": "Man kann sich nicht einerseits freuen, wenn Pérnod Ricard ein britisches Unternehmen kauft, aber andererseits sagen, dass Ausländer kein Recht haben, französische Gesellschaften zu übernehmen."

Ein Politikwechsel scheint aber auf absehbare Zeit nicht in Sicht. Die französische Regierung könne "nicht untätig bleiben", wenn ein Unternehmen von nationaler Bedeutung bedroht sei, erläuterte der zielstrebig auf die Präsidentschaftswahl 2007 zusteuernde Innenminister Nicolas Sarkozy während der Danone-Krise.

Gleichzeitig brauche Frankreich "eine europäische Strategie, um die Champions von morgen hervorzubringen und zu stärken". Neben dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sei die Übernahme von Aventis durch Sanofi dafür ein gutes Beispiel.

(Martin Trauth, AFP/sda)

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