Gaddafi-Truppen greifen Benghasi an
Französische Jets über Libyen
publiziert: Samstag, 19. Mrz 2011 / 11:01 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 7. Apr 2011 / 15:48 Uhr
Militäraktionen des Westens könnten kurz bevorstehen.
Militäraktionen des Westens könnten kurz bevorstehen.

Benghasi/Kairo - Der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi hat die jüngste UNO-Resolution zur Einrichtung einer Flugverbotszone in seinem Land als ungültig bezeichnet.

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In einem Schreiben an US-Präsident Barack Obama habe Gaddafi seine Entscheidung gerechtfertigt, von Aufständische gehaltene Städte anzugreifen, sagte der libysche Regierungssprecher bei einer Medienkonferenz in Tripolis. «Wenn amerikanische Städte mit Waffengewalt übernommen würden, sagen Sie mir, was Sie tun würden», erklärte der Machthaber demnach.

Gaddafi habe in Schreiben an den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, den britischen Premierminister David Cameron und UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärt, die UNO-Resolution verstosse gegen die UNO-Charta.

Der Westen werde jegliche militärische Intervention bedauern. «Libyen steht nicht euch zu, Libyen steht den Libyern zu», erklärte er. Der UNO-Sicherheitsrat hatte am Donnerstagabend die Verhängung einer Flugverbotszone über Libyen beschlossen.

Angriffe auf Benghasi

Trotz einer am Vortag verkündeten Waffenruhe beschossen Truppen von Machthaber Gaddafi nach am Samstag Wohngebiete in Benghasi. Dabei setzten sie nach Angaben von Aufständischen Panzer und Artillerie ein.

Es gebe viele Opfer, in den Spitälern herrsche grosser Andrang, sagte der Vorsitzende der provisorischen Gegenregierung in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira.

Ein über Bengasi fliegendes Kampfflugzeug sei abgeschossen worden, berichteten Al-Dschasira- und BBC-Korrespondenten. Es war aber unklar, zu wem das Flugzeug gehörte, dessen Einsatz die vom UNO-Sicherheitsrat verhängte Flugverbotszone verletzte. Vor wenigen Tagen war ein den Rebellen zugeordnetes Flugzeug abgestürzt.

Arabischen Medien zufolge drangen Gaddafi-Truppen in die südlichen Vorstädte von Benghasi ein. Ein Reporter des US-Mediums «Christian Science Monitor» berichtete von Feuergefechten in der Stadt.

Unübersichtliche Lage

Offenbar sind leichter bewaffnete, unmotorisierte Kommandoeinheiten des Regimes über Nacht ins Stadtinnere vorgedrungen. Der Korrespondent von Al-Dschasira sprach von einer «unübersichtlichen Lage». Das Regime in Tripolis stritt ab, die Stadt angegriffen zu haben. Vielmehr seien die Truppen am Rande Bengasis attackiert worden.

Benghasi, die zweitgrösste Stadt des Landes, ist der Sitz der Gegenregierung und Hochburg der Aufständischen, die gegen das Gaddafi-Regime kämpfen.

In der Stadt seien Explosionen zu hören gewesen. In den Fernsehberichten war auch das Luftabwehrfeuer der Verteidiger zu hören.

Gaddafi spricht von «Selbstverteidigung»

Das Regime in Tripolis stritt indes ab, die Stadt angegriffen zu haben. Die Truppen am Rand von Benghasi hätten nach Attacken der Rebellen «in Selbstverteidigung» gehandelt, heisst es in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur Jana.

Gaddafis Streitkräfte waren am Freitagabend, wenige Stunden nach der Waffenstillstandserklärung des Regimes, aus mehr als 100 Kilometer Entfernung kommend auf Benghasi vorgerückt.

Französische Rafale-Jets überfliegen Libyen

Nach dem grünen Licht durch den UNO-Sicherheitsrat für ein Eingreifen in Libyen hat Frankreich erste Flüge über dem nordafrikanischen Land vorgenommen.

Rafale-Kampfjets seien am Samstag zu Aufklärungszwecken über das «gesamte libysche Territorium» geflogen, sagte ein französischer Armeevertreter der Nachrichtenagentur AFP am Samstag.

Treffen in Paris

Der UNO-Sicherheitsrat hatte in der Nacht zum Freitag ein Flugverbot über Libyen beschlossen und militärische Massnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung erlaubt, die keine Bodentruppen vorsehen. Die internationale Gemeinschaft ist damit ermächtigt, gegen die Gaddafi-Truppen militärisch vorzugehen.

In Paris wollten sich am Samstag Spitzenpolitiker aus aller Welt treffen, um die weitere Vorgangsweise abzustimmen. Militäraktionen unter Beteiligung Frankreichs, Grossbritanniens, der USA und anderer Staaten könnten wenige Stunden darauf beginnen.

(ht/sda)

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