Wegen Artikel
Französische Journalistin muss China verlassen
publiziert: Freitag, 25. Dez 2015 / 17:52 Uhr
Die Journalistin möchte sich nicht für ihren Bericht entschuldigen.
Die Journalistin möchte sich nicht für ihren Bericht entschuldigen.

Peking - Die französische Journalistin Ursula Gauthier muss China verlassen. Das Aussenministerium in Peking teilte der Korrespondentin des «Nouvel Observateur» mit, sie werde keinen neuen Presseausweis erhalten, wenn sie sich nicht öffentlich für einen Bericht entschuldige.

«Ich werde nicht von meiner Berichterstattung abweichen», sagte Gauthier der Nachrichtenagentur dpa. Das französische Kulturministerium erinnerte in einer Stellungnahme an den Grundsatz der Pressefreiheit. Zugleich kündigte es an, mit Peking in den Dialog treten zu wollen, «um noch vor dem 31. Dezember eine Lösung zu finden».

Die Journalistin hatte im November in einem Artikel kritisiert, dass Chinas Bekundung der Solidarität mit Frankreich nicht «ohne Hintergedanken» sei. Peking wolle sich vielmehr Zustimmung für seine umstrittene Politik gegenüber den muslimischen Uiguren in der unruhigen Provinz Xinjiang sichern.

Der Artikel kritisiere Chinas Kampf gegen den Terror, hatte ein Sprecher des Aussenministeriums in Peking Anfang Dezember gesagt. Er «verunglimpft und verleumdet» die chinesische Politik.

Nach Angaben von Diplomaten kommt das Nichtverlängern des Presseausweises faktisch einer Ausweisung gleich. Gauthier hatte sich in den vergangenen Wochen mehrmals erfolglos um ein erneuertes Visum bemüht. Sie werde am 31. Dezember mit der letzten Maschine Peking verlassen und von Frankreich aus versuchen, einen neuen Presseausweis für China zu erhalten, sagte sie.

Von chinesischen Staatsmedien angegriffen

Die Journalistin war für ihren Bericht in Kommentaren von Staatsmedien scharf angegriffen worden. Sie verdrehe Fakten und hege Sympathien für den Terror, schrieb die «Global Times», worauf sich in sozialen Netzwerken ein Shitstorm gegen Gauthier formierte.

Journalistenverbände kritisierten die drohende Ausweisung scharf: In China würden sich die Arbeitsbedingungen ausländischer Journalisten stetig verschlechtern, sagte Bob Dietz vom Komitee zum Schutze von Journalisten (CPJ) gemäss einer Mitteilung vom Donnerstag.

Gauthiers Fall verdeutliche, dass die Regierung von Präsident Xi Jinping «versucht, die gleichen Beschränkungen auf ausländische Medien auszuweiten, mit denen schon die heimischen Medien erstickt werden». Das CPJ rief Peking dazu auf, allen Journalisten zu erlauben, frei und sicher in China zu arbeiten.

Der Club der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) hatte zuvor mitgeteilt, er sei «besorgt» über die Einschüchterungsversuche gegen die Journalistin. Reporter ohne Grenzen kritisierte Pekings Vorgehen als «Diffamierungskampagne».

Ausländische mehr und mehr unter Druck

Peking hat immer wieder ausländische Journalisten ausgewiesen oder ihnen damit gedroht, ihr Visum nicht zu verlängern. Ende 2013 verweigerte Peking zeitweilig gleich zwei Dutzend US-Journalisten auf einmal eine weitere Arbeitsgenehmigung.

Ende 2012 musste Chris Buckley, damals Korrespondent der «New York Times», China verlassen. Er berichtet seitdem aus Hongkong. Die Zeitung vermutete eine Vergeltungsaktion, nachdem sie über die grossen Reichtümer der Familien chinesischer Führer berichtet hatte.

Seit den Rufen nach «Jasmin»-Protesten in China nach dem Vorbild des Arabischen Frühlings und seinem Beginn in Tunesien wuchs der Druck auf Korrespondenten. Erstmals seit 14 Jahren war im Mai 2012 mit der Amerikanerin Melissa Chan vom arabischen Fernsehsender Al-Dschasira eine ausländische Journalistin des Landes verwiesen worden. Der Sender hatte über die in China verbotene Bewegung Falungong berichtet.

(sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Gezi Park Proteste in Istanbul in 2013. (Archivbild)
Gezi Park Proteste in Istanbul in 2013. ...
«Überall ist Taksim, überall ist Widerstand»  Istanbul - Zum dritten Jahrestag des Beginns der Gezi-Proteste haben in Istanbul Hunderte Menschen gegen die islamisch-konservative Staatsführung der Türkei demonstriert. mehr lesen 1
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen   1
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben Deutschland und Grossbritannien am Dienstag gemeinsam der tausenden Toten des grössten Seegefechts der Geschichte gedacht. mehr lesen  
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Gotthard 2016  Berlin - «Tunnel» - mit sechs Riesenbuchstaben feiert die Schweizer Botschaft in Berlin die Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels. Während zwei Monaten wird der ... mehr lesen   1
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 7°C 6°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Schnee
Basel 8°C 8°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Schnee
St. Gallen 6°C 5°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig starker Schneeregen bewölkt, etwas Schnee
Bern 6°C 6°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Schnee
Luzern 7°C 7°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen bewölkt, etwas Schnee
Genf 6°C 8°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen bewölkt, etwas Schnee
Lugano 3°C 6°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten
 
 
Der Remoteserver hat einen Fehler zurückgegeben: (500) Interner Serverfehler.
Source: http://www.news.ch/ajax/seminar.aspx?ID=20&lang=de