Wissenschaftliche Studie stellt Flibanserin sehr schlechtes Zeugnis aus
Frauen-Viagra: Kaum Nutzen, viele Nebenwirkungen
publiziert: Dienstag, 1. Mrz 2016 / 17:10 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 1. Mrz 2016 / 17:31 Uhr
Flibanserinsoll zur Behandlung der Hypoaktiven Sexualfunktionsstörung (HSDD) eingesetzt werden, von der zehn bis 40 Prozent der Frauen betroffen sind.
Flibanserinsoll zur Behandlung der Hypoaktiven Sexualfunktionsstörung (HSDD) eingesetzt werden, von der zehn bis 40 Prozent der Frauen betroffen sind.

Rotterdam - Flibanserin, das «Viagra für die Frau», das 2015 von der U.S. Food and Drug Administration (FDA) zugelasssen wurde, hat nur einen eingeschränkten Nutzen und sogar negativen Folgen.

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Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Erasmus MC. Die Pille soll zur Behandlung der Hypoaktiven Sexualfunktionsstörung (HSDD) eingesetzt werden, von der zehn bis 40 Prozent der Frauen betroffen sind.

Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit

Das Team um Loes Jaspers führte eine Meta-Analyse der Daten von klinischen Studien mit 5914 Frauen durch. Die Fachleute wollten die Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments untersuchen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Flibanserin zu einer monatlichen Erhöhung der Befriedigung bei einer Hälfte eines sexuellen Ereignisses führt. Das Medikament erhöht jedoch deutlich Schwindel, Schläfrigkeit, Übelkeit und Erschöpfung. Das Ergebnis der Befragung der Frauen: Das Mittel führte entweder zu einer geringen oder gar keiner Verbesserung.

Bei den Analysen handelte es sich um randomisierte klinische Studien. Die Qualität der Ergebnisse wurde von den Wissenschaftlern jedoch als sehr gering eingestuft. Verantwortlich dafür waren die Einschränkungen beim Design der Studien und die Indirektheit der Ergebnisse. Zusätzlich betonten die Verfasser der neuen Studie, dass die Ergebnisse vorteilhafter waren als die unveröffentlichten. Die Forscher kommen zum Ergebnis, dass der Nutzen des Medikaments vor allem unter Berücksichtigung der Nebenwirkungen gering ist.

Zulassung führte zu Diskussionen

Bereits die Zulassung führte zu Diskussionen. Es war nicht klar, ob die möglichen Vorteile das Risiko wert waren. Zusätzlich wurden Fragen nach dem Einfluss der Pharmalobby auf die FDA gestellt. Sprout Pharmaceuticals kaufte die Rechte am Wirkstoff, nachdem die Behörde es ursprünglich zurückgewiesen hatte. Eine Kampagne machte unter anderem Sexismus und nicht wissenschaftliche Beweise für die Ablehnung des Medikaments verantwortlich. Binnen 48 Stunden nach der Zulassung kaufte Valeant Pharmaceuticals die Rechte für eine Mrd. Dollar.

(fest/pte)

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