Theodora Peter
Frauenwache vor dem Bundeshaus
publiziert: Donnerstag, 19. Feb 2004 / 12:54 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 19. Feb 2004 / 13:29 Uhr

Lausanne/Bern - Ab dem 8. März wollen Frauen beim Bundeshaus eine permanente "Frauenwache" einrichten und bis im Dezember ausharren - dem Jahrestag der Nichtwahl von Frauen in den Bundesrat. Die Idee einer Lausannerin stösst auf Echo.

Das Bundeshaus in Bern ist Schauplatz des Protestes.
Das Bundeshaus in Bern ist Schauplatz des Protestes.
Yvette Barbier musste den Schock des 10. Dezember 2003 mehrere Wochen verdauen, bis der 60-jährigen Lausanner Ärztin an einem frühen Morgen Ende Januar plötzlich die zündende Idee kam. "Wachen ist etwas, das wir gut können. Jede Nacht wachen Tausende Frauen in der Schweiz - über ihre Kinder oder über Kranke."

Mit ihrer Initiative will Barbier "einen Freiraum bieten, den Frauen individuell besetzen können." Einzige Bedingung: Wer sich jeweils zu zweit für eine 24-Stunden-Wache einschreibt, muss hinter den Forderungen des 8. März stehen - Ja zur Mutterschaftsversicherung, Nein zur 11. AHV-Revision, gegen Diskriminierung von Frauen weltweit.

Vom Familienprojekt zum Verein

Der Funke sprang vorerst im Familienkreis: Schwägerin Marie Perny stellte Organisationstalent und Infrastruktur zur Verfügung, Bruder Henry Barbier entwarf über Nacht ein Logo. Innert 10 Tagen stand eine dreisprachige Homepage im Netz, regionale Medien griffen das Projekt auf, erste Unterstützungsmails trafen ein.

Inzwischen hat sich das Familienunternehmen zum Verein gemausert. Am Dienstag gründeten in Lausanne rund 20 Frauen die Vereinigung "La veille des femmes" und bestimmten Yvette Barbier zu deren Präsidentin.

In den achtköpfigen Vorstand wählen liess sich auch die Bernerin Brigitte Kürsteiner. Die Geografin, die sich zudem im Vorstand des Berufsverbandes Fachfrauen Umwelt engagiert, hatte sich spontan für Barbiers Initiative begeistert. Die langfristig ausgerichtete Idee der Frauenwache sei "ein sehr symbolischer Akt mit viel Aussagekraft".

Standort sorgt für Kopfzerbrechen

Kürsteiner hat die knifflige Aufgabe übernommen, in Bern einen geeigneten Standort zu finden. Die "Wache" soll in einem Wohn- oder Bauwagen untergebracht werden - möglichst nahe beim Bundeshaus. Das ist aber gar nicht so einfach. Der Bundesplatz fällt wegen des derzeitigen Totalumbaus weg.

Grundsätzlich keine Bewilligung gibt es für Ost- und Westflügel des Bundeshauses - zum Schutz der "Würde der Institutionen" wie man Kürsteiner bei der Bundeskanzlei beschieden hat. Die Aktivistin hat inzwischen bei der Stadtpolizei ein Gesuch mit mehreren Varianten deponiert. In Frage kommt für Kürsteiner etwa der am Ende der Bundesgasse liegende Hirschengraben mit Blick auf das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) - "ebenfalls ein symbolischer Ort" - und zudem an guter Passantenlage. Noch ungelöst ist im weiteren die Dauer: Die Stadtpolizei stellt Bewilligungen für maximal drei Monate aus.

Dauer noch offen

Ob die Frauen tatsächlich bis Dezember wachen werden, ist noch offen. Für die rund 280 Tage und Nächte liegen erst wenige feste Zusagen vor. Fest gebucht ist der 8. März. Dann bezieht Yvette Barbier als erste die von ihr ersonnene Frauenwache.

Mitnehmen will sie die Schokolade, die ihr diese Woche eine ältere Patientin zuhanden der Wächterinnen in die Hand gedrückt hat: "pour les veilleuses, pour qu'elles deviennent des éveilleuses" - damit die Frauen nicht nur wachen, sondern auch wecken.

(fest/sda)

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