Frei: «Auf den positiven Weg zurückfinden»
publiziert: Mittwoch, 7. Feb 2007 / 00:13 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 7. Feb 2007 / 23:35 Uhr

Die Schweiz will sich im EM-Testspiel heute Abend in Düsseldorf (20.00 Uhr) gegen Deutschland für die zuletzt durchzogenen Auftritte rehabilitieren. Mit neuem Schwung soll gegen den ewigen Rivalen die WM-Euphorie wieder entfacht werden.

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Knapp eine Handvoll deutscher Fans wartete zusammen mit den zahlreichen Journalisten im Hotel Radisson SAS, nur einen Steinwurf vom Ufer des Rheins entfernt, gestern am frühen Nachmittag auf die Schweizer Spieler. Die routinierten Autogrammsammler standen mit ihrem Mappen bereit, ein anderer hatte das Panini-Sammelalbum der WM dabei.

Das Gesicht der Mannschaft hat sich nur unwesentlich verändert, wie der Fan feststellen konnte. «Wir müssen im Hinblick auf die EM nicht bei Null beginnen; das ist ein riesiger Vorteil», sagt Captain Johann Vogel -- den Vergleich mit der Ausgangslage Deutschlands zwei Jahre vor der WM ziehend.

Vogel möchte mit dem Nationalteam den «neuen Elan» nutzen, nachdem am Ende des letzten Jahres «die Batterien leer waren». Um sich weiter in Ruhe auf die Euro 2008 vorbereiten zu können, muss die Mannschaft positive Resultate erzielten, ist sich Vogel bewusst. Dafür ist gegen Deutschland eine Leistungssteigerung nötig - «auch von mir».

Ein Fehltritt heute in der hochmodernen LTU-Arena mit den vielen verschiedenfarbigen Sitzen wäre die dritte Niederlage in Folge; eine gleiche Serie hatte eine SFV-Auswahl zuletzt vor knapp elf Jahren. «Wir müssen die positiven Fakten herausstreichen», betont jedoch Vogel und fügt an, dass die Schweiz zuvor zweieinhalb Jahre nicht verloren habe.

Letzter Sieg vor 50 Jahren

Allerdings liegt der letzte Sieg gegen eine deutsche Auswahl schon über 50 Jahre zurück. «Damals war ich noch ein Bub», erinnert sich Kuhn an den 3:1-Erfolg 1956 in Frankfurt. In bislang 48 Duellen siegten die Deutschen 34 Mal - so auch zuletzt vor der Euro 2004 in Portugal, als Kevin Kuranyi in Basel beide Tore zum 2:0-Erfolg erzielte. Vor sechs Jahren trennten sich die beiden Nationen in Kaiserslautern 1:1; Hakan Yakin ist der Schütze des bisher letzten Tores der Schweiz gegen Deutschland.

Auch Vogel kennt die Statistik der Vergleiche zwischen der Schweiz und Deutschland. «Es spricht nicht viel für uns, aber wir haben in den letzten Jahren viele Fortschritte gemacht - auch mental», so der Genfer. Er rechnet vor, dass das Kader gewachsen sein. «Jeder muss sich bis zur EM beweisen.»

Von besonderer Bedeutung ist die Partie für jene Spieler in Kuhns Aufgebot, die in der Bundesliga spielen oder zumindest eine Vergangenheit in der medial ideal vermarkteten Liga haben. Immerhin zehn der 21 aufgebotenen Spieler waren oder sind in Deutschland engagiert. Im besonderen Ludovic Magnin, Marco Streller oder David Degen würden nur zu gerne im Schaufenster der Nationalmannschaft ihren Klubtrainern beweisen, dass sie zu unrecht oft nur Zuschauer sind. Auf der rechten Seite der Schweizer dürfte es voraussichtlich zum direkten Duell der Mönchengladbach-Teamkollegen David Degen und Marcell Jansen kommen; ein Fernduell liefern sich die Stuttgart-Stürmer Mario Gomez bei seinem Länderspieldebüt sowie Streller, der im Verein deutlich im Schatten des Newcomers steht.

Frei im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der deutschen Interesses steht fraglos Alex Frei, der in 53 Länderspielen 31 Treffer erzielt hat und nur noch drei Tore hinter Kubilay Türkyilmaz´ Bestmarke liegt. «Es ist schon sehr speziell, wenn man drei Tage zuvor sich gemeinsam auf dem Platz zerreisst und dann plötzlich Gegner ist», erklärte Frei. Für ihn steht heute jedoch weniger das Resultat im Vordergrund. «Wir müssen wieder auf den positiven Weg finden. Wir müssen uns anders präsentieren als zuletzt», fordert der Stürmer.

Die Euphorie, die während der WM ungeahnte Höhen erreicht hatte, litt unter den wenig begeisternden Auftritten in Österreich (1:2) und gegen Brasilien (1:2). Ein Hauch der WM-Ambiance dürfte heute Abend in der topmodernen Arena, in der das drittklassige Fortuna Düsseldorf seine Heimspiele austrägt, nochmals aufkommen: 50 000 Tickets wurden abgesetzt, das Stadion wird ausverkauft sein; aus der Schweizer werden rund 1700 Fans erwartet.

Deutsche als Vorbild

Die Deutschen dienen der Schweiz aber nicht nur als «Testspielgegner auf Weltklasseniveau» (Frei), sondern sind auch Vorbild für die SFV-Auswahl im Hinblick auf die Vorbereitung eines Heimturniers ohne Ernstkampf. «Weil wir keine Qualifikationsspiele haben, brauchen wir in den Testspielen starke Gegner», sagt Kuhn, der damit das Risiko von Niederlagen bewusst in Kauf nimmt. Er misst seine Arbeit nicht an den Resultaten, sondern verlangt von seiner Mannschaft eine «Fleissleistung, Einsatz und Engagement». Die Deutschen dienen der Schweiz nicht in der Organisation und der Vorbereitung des Grossanlasses als Orientierungspunkt, auch die Tugenden, die die DFB-Auswahl im Sommer auf den dritten Platz brachten, werden zum Vorbild.

Personelle Sorgen kennt Kuhn derzeit kaum. Einzig Patrick Müller ist von einer Angina geschwächt. Für den Genfer dürfte Stéphane Grichting in die Startformation rücken. Im Tor vertraut der Nationalcoach turnusgemäss auf Fabio Coltorti und Diego Benaglio; Pascal Zuberbühler wird seine fehlende Spielpraxis im Verein nicht im Nationalteam kompensieren dürfen. Im Sturm ist zwar Johan Vonlanthen in der Hierarchie vor Streller einzustufen, doch beginnt in Österreich der Meisterschaftsbetrieb erst am 24. Februar. Deshalb könnte gleichwohl Streller den Vorzug erhalten.

Mögliche Aufstellung der Schweiz:
Coltorti; Philipp Degen, Senderos, Grichting, Magnin; Vogel; David Degen, Hakan Yakin, Barnetta; Frei, Vonlanthen/Streller.

(Sascha Rhyner, Düsseldorf/Si)

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