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Freifahrschein für Obama
publiziert: Donnerstag, 25. Jun 2009 / 11:27 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 25. Jun 2009 / 12:16 Uhr

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Allmählich ist es so gekommen, wie es Barack Obama schon lange angekündet hatte, aber noch nicht eingetroffen war: Die Amerikaner beginnen langsam, die Geduld zu verlieren. Auch wenn es den meisten klar ist, dass die Krise länger dauern wird, die Probleme gigantisch sind... irgendein kleines Wunder hat man sich erhofft. Und dann kam auch noch die Sache mit dem Iran. Zu zögerlich sei Obama, und obwohl viele Exil-Iraner seine vorsichtige Vorgehensweise unterstützten, wurde der Beschuss aus dem republikanischen Lager heftiger.

Es sah plötzlich so aus, als hätten die Konservativen wieder eine Stimme gefunden und könnten bereits in diesem Sommer wieder eine starke Oppositionsrolle besetzen.

Doch dann kam der erste Schlag. John Ensign, republikanischer Senator aus Nevada, dessen strahlendes Lächeln jeweils aus einem Solarium gebräunten Gesicht in die Kameras blitzte, hatte letztes Jahr den republikanischen Wahlkampf geleitet. Als evangelikaler Christ, der sich mit seiner Frau in einer Kirche engagierte, die sich ganz besonders für Familienwerte und starke Ehen einsetzte, galt er als aufrechter Kämpfer für die Werte der Republikaner, der als ein möglicher Präsidentschaftskandidat für 2012 gehandelt wurde.

Bis er letzte Woche gestehen musste, dass er mit einer ebenfalls verheirateten Stabsmitarbeiterin seines Senatsteams eine Affäre gehabt hat. Als Konsequenz musste er seinen Posten in der Parteihierarchie aufgeben und wird lediglich noch seinen Senatssitz behalten und probieren, in den verbleibenden 4 Jahren das Vertrauen seiner Wähler in Nevada zurück zu gewinnen.

Der Schlag in der republikanischen Magengrube sass, aber die Ereignisse im Iran verdrängten Ensign aus den News. Dann kam die Sache mit dem Appalachian Trail.

Der kurz A.T. genannte Wanderweg windet sich auf über 3000 km Länge durch den Osten der USA von Georgia bis zur kanadischen Grenze. Ein wilder, wunderschöner Pfad, ein Weg, auf dem man wandern geht, wenn man dem Alltag gründlich entfliehen will. Wie angeblich auch Mark Sanford, Gouverneur von South Carolina, der auch als hoffnungsvoller Kandidat für 2012 galt. Nachdem er am 18. Juni plötzlich von der Bildfläche verschwunden war, hiess es unter anderem, dass der vierfache Vater auf dem A.T. wandern gegangen sei.

Nun ist dieser Wanderweg ja ziemlich lang... aber man kann es drehen wie man will – durch Buenos Aires in Argentinien führt er nun wirklich nicht. Doch genau von dort kam das Flugzeug, dem Sanford am 24. Juni früh morgens entstieg und von einer Reporterin auf einen Tip hin abgepasst wurde.

Einige Stunden später gestand er auf einer tränenreichen Pressekonferenz, dass er eine Affäre mit einer Freundin in Argentinien habe. Die Bombe war geplatzt, die Republikaner hatten schon wieder einen Unfall in ihren Reihen. Umso ironischer, dass der fromme Sanford einer der eifrigsten Verfolger des Ex-Präsidenten Bill Clinton gewesen war, als der in der Lewinski-Bredouille gesteckt hatte.

Die beiden waren nicht die ersten «kommenden» Stars der Republikaner, die sich seit der Wahlniederlage von 2008 selbst versenkt haben. Sarah Palin machte sich praktisch unwählbar und der Gouverneur Bobby Jindal aus Lousiana versagte bei einer Ansprache im Februar so katastrophal, dass auch er aus der Kandidatenrunde ausschied.

Doch die jüngsten beiden Fälle sind für Obama besonders süss, denn es sind die konservativen, immer mit der Moral-Keule schwingenden Republikaner, die als Heuchler, welche ihre eigenen Werte nicht leben, bloss gestellt werden. Wenn sich deren christlich-konservative Wähler nun angewidert abwenden, wird der Kampf um diese die Republikaner viel Kraft kosten.

Gleichzeitig kauft diese Selbst-Demontage der Republikaner Barack Obama Zeit und Gelegenheit, sich und seine Politik wieder als positiv, auf die Zukunft ausgerichtet und viel versprechend zu etablieren. Er hat einen Freifahrschein bekommen, den er besser gut ausnützen sollte, denn dieser gilt nur für die nächsten zwei Haltestellen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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Freifahrschein für Obama, den er missbrauchen könnte …?
Gerade dies glaube ich nicht!

Obama hat sich als sehr ehrlicher, integrer Mensch gezeigt, mit auch einem Umfeld, das glaubwürdiger ist, als es viele seiner Vorgänger zur Seite hatten!

Einige Gedanken, Einwürfe … zum Text von Patrik Etschmayer:

- Geduldig waren die Amerikaner wohl nie. Da musste doch alles optimal - nach ihrem Kopf - laufen, ansonsten lässt man es liegen - oder will es "befrieden" ..., denke ich.

- Intelligente Geduld ist doch jetzt das Gebot der Stunde. Vielleicht sind wir noch einmal froh darüber. Obama, wir alle haben es mit mehreren Regimes zu tun, die mit dem Kopf durch die Wand gehen wollen, es zumindest androhen und so einen dritten Weltkonflikt geradezu herreden!

- Wasser predigen und Wein trinken, das ist halt verhängnisvoll – obschon wohl mehr Politiker diese Strategie verfolgen, als wir nur ahnen können …

- Ja, das mit der angeblichen Frömmigkeit! Gleichgültig wer das darstellen will ... Dies hat so einen kleinen Haken … GENAU DIESE Menschen sind es vielfach, die sich immer lautstark per frommen Sprüchen und Bibelzitaten in den Vordergrund drängen, welche es mit der immer wieder zitierten "Wahrheit" gar nicht so genau nehmen – darum stolpern sie dann auch darüber!

- Obama wird es freuen, dass die bürgerliche Front gar nicht so stark ist, sondern, wie bei uns übrigens auch (!), eher eine auf Schein und gar nicht so SEIN aufgebaute Machart ist!
Bei uns hier in der Schweiz scheint mir dieses Lügengebäude nach und nach auch in sich zusammen zu fallen …

Als erste Anzeichen werte ich die noch nahe Vergangenheit mit den Blocherschreiern …, die schon recht zahmer nun daher kommen und prompt an Interesse verlieren, weil sie wirklich NICHTS zu sagen haben, als wieder einfach überall NEIN zu rufen und mit Killerphrasen die Diskussionen zerstören!

- Ich denke, dass gerade Barack Obama diesen „Freifahrschein“ nicht missbrauchen wird. Er weiss bestimmt, dass er damit seine Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzen würde, resp. sehr schnell verlieren, was er mit seiner Art zu leben und zu sagen gewonnen hat - bei den Menschen!

Solche Menschen, Politiker, wie Obama einer ist, fehlen uns zurzeit in hohem Masse – leider! Es gibt sie vereinzelt, aber nicht viele!
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