Bundesgericht hat entschieden
Freispruch für Rechtsüberholer
publiziert: Mittwoch, 16. Mrz 2016 / 13:10 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 16. Mrz 2016 / 13:49 Uhr
Der Fall zog bis vor das Bundesgericht.
Der Fall zog bis vor das Bundesgericht.

Bern - Das Bundesgericht hat einen Autofahrer freigesprochen, der auf der Autobahn A1 bei Bern von der Überhol- auf die Normalspur wechselte und am Verkehr vorbeifuhr. Das oberste Gericht kam zum Schluss, dass dies rechtens war.

1 Meldung im Zusammenhang
Der Mann war auf der A1 von Bern Richtung Zürich unterwegs und befand sich auf einem dreispurigen Teilstück in der Nähe der Raststätte Grauholz. Weil sich auf den beiden Überholspuren der Kolonnenverkehr verlangsamte, wechselte der Autofahrer zunächst auf die mittlere Spur, dann auf die Normalspur.

Dabei hielt der Autofahrer stets sein Tempo von rund 90 Stundenkilometern. Weil sich der Verkehr auf den Überholspuren verlangsamt hatte, zog der Autofahrer mit seinen 90 km/h auf der Normalspur vorbei.

Das bernische Obergericht hatte den Autofahrer vor einem Jahr wegen schwerer Verkehrsregelverletzung zu einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je 310 Franken und einer Busse von 1550 Franken verurteilt.

Der Autofahrer habe gegen das Verbot des Rechtsüberholens verstossen, war das Obergericht der Ansicht. Es habe keine Ausnahmesituation bestanden, wonach bei Kolonnenverkehr ein Rechtsvorbeifahren auf der Autobahn gestattet sei.

Kolonnenverkehr habe es nur auf den beiden Überholspuren gegeben, nicht aber auf der Normalfahrbahn, wo der Autolenker niemanden vor sich hatte und der Abstand zwischen den Fahrzeugen grösser war, befand das bernische Obergericht.

Handorgeleffekt auf den Überholspuren

Das Bundesgericht beurteilte den Fall nun aber anders. Gerade zu Stosszeiten herrsche auf linken Fahrspuren häufig dichterer Verkehr als auf der Normalspur. Auf den Überholspuren komme es zu einem sogenannten Handorgeleffekt, während der Verkehr auf der Normalspur flüssig und bei konstanter Geschwindigkeit schneller fliessen könne.

Paralleler Kolonnenverkehr sei also bereits dann anzunehmen, wenn es auf der linken und mittleren Überholspur zu einer Verkehrsverdichtung kommt, so dass Fahrzeuge auf der Überholspur faktisch nicht mehr schneller vorankommen als jene auf der Normalspur.

Das passive Rechtsvorbeifahren bei dichtem Verkehr sei mittlerweile eine alltäglich Situation, die sich kaum vermeiden lasse und nicht per se zu einer erhöhten Gefahrensituation führe, heisst es in dem am Mittwoch veröffentlichten Grundsatzentscheid des Bundesgerichts.

Im Gegensatz zum eigentlichen Rechtsüberholen tauche ein Fahrzeug beim Rechtsvorbeifahren nicht plötzlich und unvermittelt auf, sondern bewege sich mit konstanter Geschwindigkeit. Nach wie vor verboten bleibt das Rechtsüberholen. (Urteil 6B_3742015 vom 3. März 2016)

(pep/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Winterthur - Ein 39-jähriger italienischer Autolenker hat am Dienstagabend bei Winterthur-Töss eine Stichverletzung erlitten. Er war mit einem 44-jährigen Kosovaren in Streit geraten, nachdem sich die beiden Autofahrer auf der Autobahn A1 bedrängt hatten. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. 13
Francesco Schettino: Weil er das Schiff verliess, wurde er als  «Käptain Feigling» verspottet.
Francesco Schettino: Weil er das Schiff ...
Schiffsunglück  Florenz - Kapitän Francesco Schettino ist mehr als vier Jahre nach der Havarie der «Costa Concordia» auch in zweiter Instanz zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Das Berufungsgericht in Florenz bestätigte damit das Urteil aus erster Instanz. 
Berufungsprozess um «Costa Concordia»-Unglück hat begonnen Florenz - In Florenz hat am Donnerstag der Berufungsprozess ...
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, will ein überparteiliches Komitee aus den Reihen der SVP, CVP und EDU das Referendum ergreifen.   2
Nationalrat sagt Ja zur Stiefkindadoption für Homosexuelle Bern - Homosexuelle sollen künftig Kinder ihrer Partner oder Partnerinnen adoptieren dürfen. ...
Die Mehrheit der Kommission ist für die Änderungen.(Symbolbild)
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 14°C 20°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Basel 11°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 14°C 17°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Bern 11°C 20°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Luzern 14°C 19°C stark bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Genf 12°C 21°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Lugano 18°C 27°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten