Freispruch für ehemaligen Heimleiter von Mogelsberg SG
publiziert: Donnerstag, 8. Mai 2003 / 20:06 Uhr

St. Gallen - Das Kantonsgericht St. Gallen hat den 75-jährigen ehemaligen Leiter eines Kinderheims in Mogelsberg vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Nötigung eines Abhängigen freigesprochen. Es stützte damit das Urteil des Bezirksgerichts.

1998 wurde der ehemalige Heimleiter vom Kantonsgericht zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er drei Mädchen im Vorschulalter sexuell missbraucht hatte. Der Mann ging bis vors Bundesgericht - er blitzte ab und sass die Strafe ab. Jetzt hat er den Fall an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg geleitet.

Unmittelbar nach dem Schuldspruch zeigte ein junger Mann den Heimleiter an. Der ehemalige Heimleiter soll ihn 1994 und 1995 als 16-Jährigen mehrmals sexuell missbraucht haben. Dabei soll ihm der Heimleiter mit der Hand das Glied gerieben und einmal auch oral befriedigt haben.

Die Staatsanwaltschaft forderte ein Jahr Gefängnis als Zusatz zum Urteil von 1998 und die Zahlung einer Genugtuung von 10 000 Franken. Das Bezirksgericht Untertoggenburg sprach den Angeklagten im vergangenen Jahr frei. Der Kläger zog den Fall weiter ans Kantonsgericht.

Das Kantonsgericht sprach den ehemaligen Heimleiter vom Vorwurf der sexuellen Handlungen mit Kinder wegen Verjährung frei, und der Vorwurf der mehrfachen sexuellen Nötigung konnte dem Angeklagten nicht rechtsgenügend nachgewiesen werden. Die Forderung nach der Genugtuung für den Kläger wurde auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

Der Fall von Mogelsberg sorgte 1998 für Schlagzeilen. Eine Administrativuntersuchung des Departements für Inneres und Militär hatte gezeigt, dass die Aufsicht des Kinderheims vernachlässigt wurde. Den sexuell missbrauchten Mädchen und weiteren Zöglingen wurden vom Kanton St. Gallen daraufhin Wiedergutmachungen bezahlt.

(bert/sda)

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