Freizeitgestaltung als wichiger Faktor
publiziert: Samstag, 3. Jun 2006 / 09:11 Uhr

Unter Köbi Kuhn fand im Nationalteam ein Verjüngungskurs statt, obwohl der Coach als konsverativ gilt.

Köbi Kuhn: «Wer sich qualifiziert, ist ein ernsthafter Gegner.»
Köbi Kuhn: «Wer sich qualifiziert, ist ein ernsthafter Gegner.»
Im Interview gibt er Auskunft zur Euphorie im Land, zur fehlenden Spielpraxis von Leistungsträgern und zu den Zielen für die WM in Deutschland.

Köbi Kuhn, die WM steht nun unmittelbar bevor. Wie gross ist eigentlich Ihre Vorfreude?

Köbi Kuhn: «Ich freue mich wie ein kleines Kind. Es ist natürlich eine hektische Zeit im Vorfeld - auch mit Euch Journalisten. Aber nicht nur (lacht). Die Vorbereitung war gut geplant, und bisher lief alles wie am Schnürchen. Gut vorbereitet zu sein garantiert noch nichts, aber es beruhigt.»

Im Land herrscht eine riesige Euphorie, der Andrang zu den Trainings war ebenfalls sehr gross. Wie nehmen Sie selber die Euphorie wahr?

«Das ist gewaltig. Das konnte ich mir in diesem Ausmass gar nicht vorstellen. Beindruckend ist die Breite des Publikums - vom kleinen Kind bis zu alten Menschen; alle wissen Bescheid. Auch Leute, die sich sonst nicht mit Fussball beschäftigen. Die freudige Erwartung ist manchmal allerdings fast zu euphorisch. Plötzlich reicht die Qualifikation für die Achtelfinals nicht mehr; und einige gehen sogar noch weiter. Aber ich glaube so ernst ist es den Leuten doch nicht.»

Die Erwartungen sind aber auch im Verband gestiegen. Der Präsident Ralph Zloczower erklärte jüngst, dass die Latte hochliege...

«Ich weiss nicht, was er mit hoch meint. Wenn wir uns in dieser Gruppe für die Achtelfinals qualifizieren, ist das ein riesiger Schritt. Wir sprechen alle immer von dieser Qualifikation; die Franzosen werden besser sein als vor einem Jahr. Thierry Henry war in den letzten beiden Partien gegen uns nicht dabei. Die Südkoreaner werden ein schwieriger Gegner sein. Zeitweise hatte man vor vier Jahren ja das Gefühl, da sei ein Ameisenhaufen auf dem Feld. Und Togo qualifizierte sich schliesslich auch für die WM und schaltete dabei Senegal aus. Wer sich qualifiziert, ist ein ernsthafter Gegner. Das ändert aber nichts an unserem Ziel, die Achtelfinals zu erreichen.»

Damit sprechen Sie auch einen der markantesten Unterschiede zwischen der Euro 2004 in Portugal und jetzt der WM in Deutschland an. Damals schienen die Spieler nach der EM-Qualifikation saturiert; nun können die Ziele nicht hoch genug sein...

«Ich hoffe es. Ich bin überzeugt, dass die aktuellen Nationalspieler hungrig sind und etwas auf die Beine stellen wollen. Unser Team hat aber ganz generell Fortschritte gemacht. Es ist ja eigentlich erstaunlich: Die Mannschaft scheint erfahrener zu sein, obwohl sie im Schnitt einige Jahre jünger ist. Die Jungen spielen Woche für Woche auf Augenhöhe mit den besten der Welt. Sie haben dadurch zwar nicht den Respekt verloren, wissen aber, dass nichts unmöglich ist.»

Die jungen Spieler hatten massgeblichen Anteil an der WM-Qualifikation und stiegen wie Philippe Senderos oder Tranquillo Barnetta zu Teamstützen auf. Und die nächsten stehen mit Blerim Dzemaili oder David Degen bereit.

«Das ist in der Tat so. Sie sind nicht weit davon entfernt, in der Nationalmannschaft regelmässig zu spielen. Wenn ich zwischen zwei gleichwertigen Spielern auswählen konnte, fiel meine Wahl sicher auf den Jüngeren. Ich hatte aber nicht den Ehrgeiz, mit der jüngsten Mannschaft an die WM zu fahren. Es spricht ja niemand davon, dass wir nur eine Mannschaft für 2008 aufbauen wollen.»

Trotzdem ist das Team offensichtlich dem Fahrplan, der auf die Heim-EM in zwei Jahren ausgerichtet ist, weit voraus?

«Ich sagte dies vor drei Jahren. Ich kannte zwar die Mannschaftsaufstellung noch nicht, auch wenn ich wohl nicht weit daneben gelegen wäre. Aber ich hatte das Gefühl, die WM käme noch etwas früh. Dass Senderos oder Barnetta die Entwicklung so schnell gemacht haben, damit habe ich nicht gerechnet. Die jungen Spieler machten Fortschritte und sammelten Erfahrungen, so dass sie auch für mich überraschend den Schritt auf dieses hohe Niveau bereits vollziehen konnten.»

Viele Spieler stehen bei Topklubs unter Vertrag, kommen da jedoch nicht sehr häufig zum Einsatz. Dies betrifft insbesondere Schlüsselspieler wie Johann Vogel oder Patrick Müller.

«Zum Glück haben sie nicht 70 Spiele absolviert und sind müde. Johann Vogel spielte genug. Natürlich sieht man in den Champions-League-Highlights, dass er nur auf der Bank sitzt. Dass er aber in der Meisterschaft vorher und nachher jeweils 90 Minuten spielte, nimmt man weniger zur Kenntnis. Vogel ist laut Statistik ist der Neo-Ausländer bei Milan, der in den letzten fünf Jahren am zweitmeisten Spiele absolvierte. Nur Kaka kam in seinem ersten Jahr auf mehr Einsätze.»

Sie störten sich im Vorfeld am frühen Meldetermin der FIFA für die selektionierten Spieler. Wie sehr hat der Termin 15. Mai Ihre Vorbereitungen beeinflusst?

«Für mich wäre es sinnvoll gewesen, einen Zwei-Stufen-Terminplan zu haben. So hätte man zu Beginn 26 oder 28 Spieler melden können, und das 23-Mann-Kader erst anfang Juni fixieren müssen. Gerade für Spieler, die längere Zeit verletzt gewesen waren, machte dieser frühe Termin keinen Sinn. Aber gestört hat er letztlich nicht, weil er ja auch für alle gleich war. Einige Trainer waren villeicht sogar froh, dass sie niemanden während der Vorbereitung nach Hause schicken müssen.»

Die Schweiz absolviert vor der WM drei Testspiele und trifft wie in den Gruppenspielen auf einen afrikanischen, einen europäischen und einen asiatischen Gegner. Ist diese Wahl auch für die Psyche der Spieler wichtig, damit sie ungefähr wissen, was sie in Deutschland erwartet?

«Das ist bei dieser Strategie die Idee dahinter, diese Vorrunde zu simulieren. Ob es am Schluss aufgeht, ist es etwas anderes. Andere Nationen haben einen anderen Weg gewählt und spielen gegen drei Amateurvereine. Wir spielten ja vor der EM in Portugal auch gegen Lichtenstein (1:0-Sieg; die Red.), aber das brachte uns ja auch nicht eine Runde weiter. Wir haben einen relativ späten WM-Beginn, und unser letztes Vorbereitungsspiel ist zehn Tage vorher. Damit haben wir genügend Zeit, um die Batterien wieder aufzuladen.»

In Deutschland logiert die Mennschaft einem Luxushotel, aber vor allem in einem sehr kleinen Ort, wo nur wenig los ist. Besteht da nicht die Gefahr eines Lagerkollers?

«Ich weiss, das gefällt den Journalisten nicht, weil sie am Abend nicht ausgehen können; das ist wunderbar (lacht). 1994 waren die Mannschaft schon vier oder fünf Wochen vorher zusammen und bereitete sich in Kanada auf die WM vor. Ich schicke die Spieler nach dem Spiel gegen China und vor unserer Reise nach Deutschland nach Hause. Die Partnerinnen werden ausserdem Zutritt zum Camp haben. Die Freizeitgestaltung ist jedoch ein wichtiger Faktor. Die Spieler werden nicht kaserniert sein; fehlte noch, dass ich das Lichterlöschen kontrollieren würde.»

Wenn Sie zum Schluss einen Wunsch frei hätten; welchen Spieler hätten Sie gerne in Ihrer Mannschaft?

«Jeder Trainer wäre wohl überglücklich, einen Ronaldinho in der Mannschaft zu haben. Ich kenne ihn zwar persönlich nicht; aber der Umgang mit den Gegner und den Teamkollegen zeigt mir, dass er absolut respektiert ist. Das ist nicht nur ein ausgezeichneter Fussballer, sondern ein Star im besten Sinne des Worts.»

(von Sascha Rhyner/Si)

 
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