Fremdgehen ist genetisch erfolgreich
publiziert: Mittwoch, 26. Sep 2007 / 16:30 Uhr

Berlin - Ein Berliner Forscherteam hat entdeckt, dass das Fremdgehen von weiblichen Lemuren zur Optimierung der genetischen Ausstattung dient. Trotz der lebenslangen Partnerschaft mit einem Männchen «erschnuppern» die Weibchen sich jene Sex-Partner, die am gesündesten sind und die besten Gene haben.

1 Meldung im Zusammenhang
Das berichtet das Team um Nina Schwensow und Simone Sommer vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) mit ihren Kolleginnen Joanna Fietz und Kathrin Dausmann in der Fachzeitschrift Evolutionary Ecology.

Die Forscherinnen haben die Lemurenart Fettschwanzmaki (Cheirogaleus medius) in Madagaskar zehn Jahre lang studiert. Besonders interessiert haben sich die Wissenschaftlerinnen für spezielle Immungene aus dem «Major Histocompatibility Complex», dem so genannten MHC. Diese spielen eine grosse Rolle bei der Ausprägung des individuellen Körpergeruchs.

Die Fettschwanzmakis leben in einer lebenslangen Partnerschaft, denn für die erfolgreiche Aufzucht des Nachwuchses ist auch die Mithilfe des Männchens erforderlich. Allerdings sind die weiblichen Makis notorische «Fremdgängerinnen».

«Über 40 Prozent der Lemuren-Babys stammten nicht vom Sozialpartner», so Projektleiterin Sommer. Das sei ein ungewöhnlich hoher Anteil. Die Wahl des Partners geht bei den Makis ausschliesslich von den Weibchen aus. Die Männchen haben keine Möglichkeit, Partnerinnen gegen deren Willen zu begatten.

Verschiedene und «gute» Gene

Die Forscherinnen interessierten sich ganz besonders für die Kriterien zur Wahl des richtigen Sexualpartners. «Es gibt hauptsächlich zwei Hypothesen, denen wir nachgegangen sind», so Schwensow und Sommer. Eine der Hypothesen wäre etwa, dass die Weibchen versuchen, Partner zu finden, deren genetische Ausstattung möglichst verschieden von der eigenen ist. Dann wäre der Nachwuchs genetisch verschieden von beiden Eltern und eine hohe genetische Variabilität würde über Generationen weitervererbt werden.

Die andere Hypothese besagt, dass Weibchen nach Partnern suchen, deren genetische Ausstattung möglichst «heterozygot» und damit «gut» ist. Das heisst, die Männchen besitzen in ihrem Erbgut viele unterschiedliche Ausprägungen der MHC-Gene.

«Beides ist der Fall», berichtet Sommer. Die Maki-Weibchen wählen demnach als Lebenspartner bevorzugt Männchen mit möglichst unterschiedlicher genetischer Ausstattung und gleichzeitig mit einem hohen Grad an Heterozygotie. Bei den Seitensprüngen dagegen spielt die Verschiedenheit des Erbgutes des Männchens die tragende Rolle.

«Wir gehen davon aus, dass die Weibchen mit dieser Strategie gleichsam das Erbgut ihrer Nachkommen optimieren und eine zu hohe genetische Ähnlichkeit zwischen den Lebenspartnern korrigieren.» Offensichtlich wird dies in der Tatsache, dass Weibchen, die besonders ähnliche Partner haben, diese häufiger betrügen als Partnerinnen von unähnlichen Männchen.

Hohe Anpassungsfähigkeit

Da diese Variabilität der MHC-Gene eine zentrale Rolle im Immunsystem spielt, scheint das evolutionäre Ziel zu sein, eine möglichst hohe Parasitenresistenz der Nachkommen zu erreichen und die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Umweltbedingungen zu gewährleisten. «Genau das schaffen die Maki-Weibchen mit ihrer Partnerwahl - und den Seitensprüngen», berichten die Forscherinnen.

Unklar ist allerdings weiterhin, in wie weit auch beim Menschen die genetischen Merkmale bei der Partnerwahl mitspielen. Aus Versuchen mit unterschiedlichen Tierarten ist dies seit längerem bekannt. Auch beim Menschen spricht vieles dafür. Wissenschaftlich geklärt ist aber auf diesem Gebiet noch eher wenig.

(bert/pte)

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