Kroatien im Freudentaumel
Freude über Janica Kostelic' Familien-Medaille
publiziert: Freitag, 15. Feb 2002 / 10:17 Uhr / aktualisiert: Freitag, 15. Feb 2002 / 13:26 Uhr

Snowbasin - Nach Fussball und Tennis (Goran Ivanisevic) hat Kroatien einen neuen Sport entdeckt. Janica Kostelic, eben erst 20 geworden, stürzte das Land in einen Freudentaumel. Weder Kroatien noch früher Jugoslawien stellten jemals einen Olympiasieger im Winter.

Janica Kostelic holte die erste Winter-Olympiamedaille für Kroatien.
Janica Kostelic holte die erste Winter-Olympiamedaille für Kroatien.
Schon die Medaille von Jure Franko an den Olympischen Spielen 1984 in Sarajevo (in Bosnien-Herzegowina) bedeutete ein historisches Ereignis. Der Slowene holte im Riesenslalom hinter Max Julen Silber und damit die erste Auszeichnung für das damalige Jugoslawien überhaupt. Der achtsprachige Franko managt heute Skigebiete in Japan und Amerika. In Kroatien hätte er keine Arbeit. "Die höchste Hügel bei uns misst etwa 1000 m", erklärt Janica Kostelic.

Kann so der Skisport in Kroatien überhaupt populär werden? "Bisher kannte man ihn kaum", sagt Kostelic, "aber das wird sich jetzt ändern." Schon im letzten Jahr beim Gewinn des Gesamtweltcups konnte sie am Puls kollektiver Glückseligkeit fühlen. 3'000 empfingen sie in Zagreb mit 1'256 Rosen -- so viele Weltcuppunkte hatte sie errungen. Unter den Gratulanten befanden sich auch der Staatspräsident und der Premierminister. Seither fährt Janica Kostelic auch auf einer Briefmarke Slalom.

Versöhnung mit den Fans nach Rücktrittsdrohung

Einige Unentwegte begleiteten die Kroatin auch nach Snowbasin. Die meistens Fans trugen Fussball-Jerseys, auf den praktisch nur ein Name prangte -- Davor Suker. Für einmal drückten die Sheriffs beide Augen zu, als die Fans fahnenschwenkend in offenen Autos durch die Rockys kurvten. Mit ihnen hat sich Kostelic mittlerweile versöhnt. Nachdem sie im letzten Winter nach ihrem Out bei der WM in St. Anton angepöbelt worden war, drohte Vater Ante, ein ehemaliger Handball-Internationaler und -Legionär (in Cannes), mit dem Rücktritt seiner Tochter.

Er hatte Janica und Sohn Ivica als Selfmade-Trainer mit ungewöhnlichen Methoden auf Weltklasse-Niveau getrimmt. "Mit neun habe ich angefangen mit Ski fahren", erkärt Kostelic, "und seither gab es für mich nur eins: Ski - Ski - Ski." Die Übernachtungen der Familie im eigenen VW-Kombi sind mittlerweile Legende. Offenbar schweissten solche Erlebnisse die Kostelics noch enger zusammen. "Diese Goldmedaille", sagt Janica, "ist eine Familien-Medaille."

Nur der rechte Arm ist unversehrt

Als Zeichen ihres Familiensinns und ihrer Geschwisterliebe hatte sie die Fingernägel ihrer rechten Hand mit fünf Buchstaben bemalt: I-V-I-C-A. Der Bruder, der sie in Sachen Knieverletzungen (vier Kreuzbandrisse) noch übertrifft, zählt im Slalom zu den Favoriten. Sie selber, die im Dezember 1999 in St. Moritz schwer stürzte und sich dort dieselbe Verletzung zuzog, ist allein im letzten Jahr drei weitere Male operiert worden. Auf die Frage, was denn alles beschädigt war, meinte sie: "Es geht schneller, wenn ich sage, was noch ganz ist -- das da." Als Zeichen hob sie den rechten Arm.

Die ersten sechs Rennen der Saison musste Kostelic auslassen. Im Slalom war die einstige Seriensiegerin nicht über einen 9. Platz hinausgekommen. Aber in der Kombination, in der sie als knapp 17-Jährige einst in St. Anton ihren ersten Weltcupsieg (von mittlerweile 12) errang, kannte sie trotzdem keine Gegnerinnen. "Janica war unschlagbar", akzeptierte die zweifache Kombi-Saisonsiegerin Renate Götschl, "vor allem in der Abfahrt hat sie mich überrascht." In dieser Disziplin verlor sie lediglich 15 Hundertstel auf eine wie Michaela Dorfmeister. Und dass sie im Slalom allen eine und mehr Sekunden abnahm, stempelt sie auch in dieser Disziplin zur Favoritin. Kroatien hat noch nicht ausgefeiert.

(Richard Hegglin, Snowbasin /sda)

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