Freundschaft unter Palmen - Schröder und Bush wieder ganz nah
publiziert: Freitag, 11. Jun 2004 / 11:42 Uhr / aktualisiert: Freitag, 11. Jun 2004 / 12:13 Uhr

Sea Island - Ein lachender Bundeskanzler Gerhard Schröder auf den Titelseiten auch der US-Regionalblätter - das hat es angesichts der heftigen Verstimmungen zwischen Berlin und Washington lange nicht gegeben.

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Schon vor dem Auftakt des G8-Gipfels der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) auf Sea Island an der sonnigen US-Ostküste konnte der Kanzler punkten.

Mit einer Kicker-Einlage vor Kindern mit EM-Fussbällen bei der Ankunft zum G-8-Gipfel stahl Schröder den anderen Staatsgrössen die Show. Es folgte das "herzlichste Gespräch" mit US-Präsident George W. Bush seit 2003 und damit der endgültige Schlussstrich unter den deutsch-amerikanischen Dissonanzen wegen der Irak-Frage. Schliesslich konnte Schröder den Ölpreis auf die Tagesordnung des Gipfels setzen, dessen beherrschende Themen Irak und die Reforminitiative für den arabischen Raum waren.

Verständnisvoller US-Präsident

Das dreitägige Treffen auf der Palmen gesäumten Millionärsinsel kann der Kanzler als Erfolg verbuchen. Die Lobes- und Dankesrede Bushs hat selbst die deutsche Delegation überrascht. Beim Einzelgespräch, das Bush beim G-8-Gipfel im vergangenen Jahr im französischen Evian noch ausgeschlagen hatte, versicherte der US-Präsident, er verstehe die deutsche Position. Er habe Verständnis, sagte Bush, dass Deutschland keine Soldaten nach Irak entsenden will. Der US-Präsident würdigte auch den deutschen Friedensbeitrag in Afghanistan und auf dem Balkan.

Schröder wiederum zollte den Amerikanern Respekt, dass diese sich im Streit um die neue Irak-Resolution des UNO-Sicherheitsrates bewegt und damit "viel Spannung" aus dem G8-Treffen genommen hätten.

Und auch in der G-8-Initiative für Reformen im Mittleren und Nahen Osten haben sich die Amerikaner auf die Position eingelassen, dass der Region nichts von aussen aufgezwungen werden kann. Und wenn in der Nato der Wunsch geäussert werden sollte, dass die Allianz bei der Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte eine Rolle spielen soll, dann werde Deutschland dies nicht blockieren, stellte Schröder klar.

Ölpreis

Den Ölpreis machte der Kanzler, der sich während des gesamten Gipfels hemdsärmelig und locker gab, bei seinen Presseauftritten immer wieder zum Thema und unterschied sich darin von seinen G-8-Kollegen. Immer wieder betonte er, dass das Thema Teil der Debatte zur Weltwirtschaft gewesen sei und wies Vermutungen zurück, die anderen Staats- und Regierungschefs seien eher desinteressiert.

Schröders Bemühungen um mehr Transparenz bei der Preisgestaltung auf den Ölmärkten sind in der "Gruppe der Acht" aber offenbar auf fruchtbaren Boden gestossen. Der Kanzler geht jedenfalls davon aus, dass die G-8-Energie- und Wirtschaftsminister in einem halben Jahr Vorschläge zu mehr Markttransparenz vorlegen werden.

Auf Sea Island genoss es Schröder sichtlich, selbst am Steuer zu sitzen. Zu Treffen fuhr er mit eigens für den Gipfel entworfenen Elektroautos und steckte damit auch andere G-8-Chefs an. Den jordanischen König Abdullah II. drängte der Kanzler - wieder ganz Wirtschaftslobbyist - zu einem gemeinsamen Foto vor einem deutschen Luxus-Geländewagen.

(André Stahl/dpa)

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