Oslo - Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr an die Internationale Atomenergie-Organisation IAEA und ihren Chef Mohammed El Baradei.
Mohamed ElBaradei
Biografie auf Wikipedia. (engl.)
en.wikipedia.org/wiki/Muhammad_al-Baradei
In einer Zeit, in der die Gefahr bestehe, dass Atomwaffen in die Hände weiterer Staaten und auch terroristischer Gruppen gelangten, sei die Arbeit der IAEA von unschätzbarem Wert, erklärte das norwegische Komitee.
Die IAEA wurde 1957 als unabhängige Organisation innerhalb der Vereinten Nationen gegründet. Sie soll die friedliche Nutzung der Kernenergie und die Einhaltung des Ende der 60er Jahre geschlossenen Atomwaffensperrvertrages überwachen.
«Hilfreicher Impuls»
Der Ägypter El Baradei leitet die Wiener Behörde seit 1997. Ende September wurde der 63-Jährige gegen den Widerstand der USA für eine dritte Amtszeit gewählt. Die USA hatten sich für seine Abwahl eingesetzt, weil er vor dem Irak-Krieg darauf beharrt hatte, das Land besitze gar keine Massenvernichtungswaffen.
El Baradei begrüsste die Ehrung am Freitag als «hilfreichen Impuls» für seine Arbeit und diejenige seiner 2000 Mitarbeiter. Er und die IAEA erhalten den mit 1,6 Millionen Franken dotieren Preis je zur Hälfte.
UNO-Generalsekretär Kofi Annan sagte am Rande seines Besuches in Bern, der Preis werde hoffentlich die internationale Gemeinschaft aufrütteln. Wie schon nach dem UNO-Gipfel Mitte September in New York bezeichnete es Annan als «Schande», dass sich die Staaten bisher nicht auf weitere Abrüstungsschritte einigen konnten.
Spitzenpolitiker wie der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, der britische Premier Tony Blair und der französische Präsident Jacques Chirac begrüssten die Entscheidung des Nobelkomitees. US-Aussenministerin Condoleezza Rice sagte, der Preis für die IAEA und El Baradei sei «wohl verdient».
Kritische Stimmen
Kritik kam von Umweltschützern. So erklärte Greenpeace, die IAEA habe eine dubiose Doppelrolle als Atomwaffenpolizei und als Verkäufer ziviler Atomkraft.
Die «Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges», die den Friedensnobelpreis 1985 erhalten hatten, warfen der UNO-Behörde vor, sie beschleunige den weltweiten Ausbau der Atomenergie.
Die japanische Anti-Atombewegung Nihon Hidankyo forderte die IAEA auf, sie müsse «härter arbeiten, um eine mögliche Wiederholung der Tragödien von Hiroschima und Nagasaki von 1945 zu verhindern».
Für den weltweit angesehensten politischen Preis hatte es dieses Jahr die Rekordzahl von 199 Kandidaten gegeben, darunter das Projekt «1000 Frauen für den Friedensnobelpreis».
(bert/sda)
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