Friedensnobelpreis für Südkoreas Präsident Kim Dae Jung
publiziert: Freitag, 13. Okt 2000 / 14:40 Uhr / aktualisiert: Freitag, 13. Okt 2000 / 15:58 Uhr

Oslo - Keine zehn Minuten nach Bekanntgabe des Friedensnobelpreises an Südkoreas Präsident Kim Dae Jung am Freitag musste der Osloer Komiteechef Gunnar Berge schon zum Thema Kriegsgefahr in Nahost Stellung nehmen.

«Das macht uns schon nachdenklich und illustriert, wie schwer es ist, Frieden zu schaffen,» meinte Berge. Er stand dabei unweit der Porträts von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat, sowie der israelischen Politiker Schimon Peres und Izchak Rabin, die hier 1994 zusammen für die Einleitung des nun vorerst gescheiterten Friedensprozesses ausgezeichnet worden waren.

«Man muss es wieder und immer wieder versuchen», meinte Berge ohne rechte Überzeugung in der Stimme. Der neue Mann an der Spitze des Komitees und ehemaliger norwegische Finanzminister sowie Vizechef der Sozialdemokraten wollte naturgemäss lieber Südkoreas Präsident Kim Dae Jung als diesjährigen Preisträger präsentieren. «Der Preis für diesen überall respektierten Mann wird auch im langfristigen historischen Rückblick halten», erklärte Berge.

Tatsächlich hatte der 74-Jährige seit 1978 jedes Jahr auf den offiziellen Kandidatenlisten im Nobelinstitut am Osloer Drammenweg gestanden, erst als politisch verfolgter Dissident im eigenen Land und ab 1997 als Präsident. Ausschlaggebend, so Berge, sei dann Kim Dae Jungs Initiative zur Aussöhnung mit Nordkorea nach 50 Jahren Feindseligkeit gewesen.

«Schön, dass der Mandela Asiens den Preis bekommen hat», freute sich ein norwegischer Regierungsvertreter mit einer griffigen Formel im Fernsehen. Die drei Frauen und zwei Männer des Komitees wollten dem Präsidenten helfen, für seine Versöhnungsanstrengungen zusätzliche politische Unterstützung im eigenen Land zu bekommen.

Genau nach diesem Prinzip hatten die Nobeljuroren in den neunziger Jahren immer wieder versucht, eingeleitete Friedensprozesse mit noch ungewissem Ausgang durch den Glanz des berühmtesten Preises der Welt zu stabilisieren.

So war es zuletzt 1998 mit den nordirischen Politikern John Hume und David Trimble gewesen. Anders aber als sonst hielten sich die Skandinavier in diesem Jahr nicht an das sonst eiserne Prinzip, immer Vertreter beider Seiten eines Friedens- und Versöhnungsprozesses auszuzeichnen.

Kim Dae Jung habe nun mal eindeutig die Initiative ergriffen, hiess es in Osloer Nobelkreisen. Aber auch für Aussenstehende war schon vorher klar, dass kein Vertreter des von aller Welt geächteten Regimes in Nordkoreas mit Nobelehren bedacht würde.

Obwohl all diese Überlegungen und damit der Preis an den Südkoreaner am Tag der Bekanntgabe in Oslo auf völlige Zustimmung stiessen, blieb die Stimmung gedämpft. Die Fernsehbilder aus Nahost mit erschossenen Kindern, Lynchjustiz und Luftangriffen zeigten wohl auch für die Juroren selbst die Grenzen des Friedensnobelpreises bei allem Medienglanz unübersehbar deutlich auf.

150 Vorschläge waren in Oslo eingegangen, mehr als je zuvor seit der ersten Vergabe an den Schweizer, Henri Dunant, Gründer des Internationalen Roten Kreuzes, und den Franzosen Frederic Passy, der die erste Friedensgesellschaft in seinem Land ins Leben gerufen hatte.

Trotz der hohen Zahl sei die Entscheidung für Kim Dae Jung «eigentlich sehr leicht» gewesen, meinte Gunnar Berge. Und im Gegensatz zu der Vergabe an Arafat, Peres und Rabin 1994 rechne er «überhaupt nicht mit Kontroversen».

(sda)

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