Fritz Strobls Triumph - Bruno Kernen wird Fünfter
publiziert: Sonntag, 27. Nov 2005 / 01:13 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 27. Nov 2005 / 03:28 Uhr

Zu einem Rennen der Routiniers geriet die erste Weltcup-Abfahrt des Winters in Lake Louise, die auch ein durchaus ansprechendes Schweizer Ergebnis brachte.

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Bruno Kernen (5.) und Didier Défago (10.) reihten sich in den Top 10 ein, der Sieg ging an den Österreicher Fritz Strobl. Bruno Kernen staunte über sich selbst: «Dieses Resultat überrascht mich schon. Einen Rang in den Top 15 hatte ich mir als Ziel gesetzt. Wegen meiner Rückenbeschwerden schien mir kaum mehr möglich.»

Mit schmerzstillenden Mitteln war der an einem Hexenschuss leidende Berner Oberländer an den Start gegangen. Und zeigte eine Leistung, die er den gesamten letzten Winter nur einmal, als Vierter in Beaver Creek übertroffen hatte. 55 Hundertstel verlor er auf Sieger Fritz Strobl, genau vier Zehntel fehlten zu einem Podestplatz. Aber auch so durfte Kernen rundum zufrieden sein: «Unter diesen Voraussetzungen ist dieser 5. Platz ein ganz hervorragendes Ergebnis.»

Défago auf Platz 10

Neben Kernen schaffte aus dem Schweizer Team auch Didier Défago einen Rang in den ersten 10. «Im oberen Abschnitt wählte ich eine zu enge Linie. Das hat mich einiges gekostet. Aber der 10. Platz im ersten Rennen -- das ist für mich o.k.» Den Schweizern gelang ein leicht besserer Start in die Saison als letzten Winter. Damals hatten Didier Cuche (7.) und Ambrosi Hoffmann (9.) für die besten Resultate gesorgt. Diesen beiden erging es diesmal nicht ganz so gut. Hoffmann wurde immerhin 14., doch Cuche hätte man wohl schon mehr zugetraut als Rang 20.

Ihm wurde etwas zum Verhängnis, dass er sich mit seinem guten Abschlusstraining keine optimale Startnummer gesichert hatte. Bei seiner Fahrt fand er schon sehr viele Schläge vor. Die Aufgabe wurde zusätzlich erschwert durch die diffuse Sicht, worüber sich viele Akteure beklagten. Nach drei sonnigen Trainingstagen blieb der Himmel am Renntag wolkenverhangen.

Geschlagene Favoriten

Nach dem Training waren drei Fahrer als Favoriten gehandelt worden: Weltmeister Bode Miller (USA), der Franzose Antoine Dénériaz und Abfahrts-Weltcupsieger Michael Walchhofer (Ö). Doch von diesem Trio, das in dieser Reihenfolge letzten Winter in Lake Louise die ersten drei Ränge belegt hatte, erreichte letztlich keiner das Podium. Walchhofer wurde 7., Dénériaz 12. und Miller enttäuschte mit vielen Fehlern und einem 22. Schlussrang.

Überraschend triumphierte der Kärntner Fritz Strobl, der nach langer Durststrecke erstmals wieder gewann. 2002 an den Olympischen Spielen von Salt Lake City hatte sich Strobl die Goldmedaille geholt, doch seither lief es wie verhext. Im letzten Winter wurde er dreimal 3., die Saison davor dreimal 2., doch den Sieg sicherten sich immer andere.

In Lake Louise aber setzte er sich nun endlich wieder einmal durch -- zum ersten Mal seit seinem Olympiasieg. Insgesamt war es sein neunter Erfolg im Weltcup, der siebente in der Sparte Downhill. Seinen letzten Weltcupsieg in der Abfahrt hatte er im Dezember 2001 in Bormio feiern dürfen.

Fritz Strobl gewann 9 Hundertstel vor dem Norweger Kjetil André Aamodt, der vor drei Jahren letztmals das Podium einer Abfahrt erreicht hatte (und 1994 in Chamonix sein einziges Rennen in dieser Disziplin gewonnen hatte).

Büchel mit Bronze

Und Dritter wurde der Liechtensteiner Marco Büchel, der schon im Training überzeugt hatte. «Ich war ziemlich nervös, zumal ich im Training noch nie so gut gefahren war. Diese Ausgangslage war ungewohnt für mich. Auch als alter Mann macht man immer noch neue Erfahrungen», scherzte Büchel, der erst zum zweiten Mal nach dem 2. Platz von Val d´Isère im Vorwinter in der Abfahrt aufs Podium stürmte. 34 Jahre ist Büchel; und auch die beiden anderen Herren auf dem Podium stehen in einem für den Sport schon reifen Alter. Sieger Strobl ist 33, Aamodt ebenfalls 34.

Noch etwas war sehr aussergewöhnlich: Unter den ersten 3 war kein einziger Fahrer der Skifirma Atomic vertreten, was es seit langer Zeit nie mehr gab. Hermann Maier erreichte als bester Mann seiner Marke Platz 4. Salomon (Strobl), Dynastar (Aamodt) und Head (Büchel) belegten die Ränge 1 bis 3.

Resultate:
Lake Louise (Ka). Weltcup-Abfahrt Männer, Schlussklassement: 1. Fritz Strobl (Ö) 1:40,96. 2. Kjetil Andre Aamodt (No) 0,09 zurück. 3. Marco Büchel (Lie) 0,15. 4. Hermann Maier (Ö) 0,43. 5. Bruno Kernen (Sz) 0,55. 6. Aksel Lund Svindal (No) 0,64. 7. Michael Walchhofer (Ö) 0,69. 8. Klaus Kröll (Ö) 0,75. 9. Yannick Bertrand (Fr) 0,79. 10. Didier Défago (Sz) und Johann Grugger (Ö) 0,81. 12. Antoine Dénériaz (Fr) 0,91. 13. Andreas Schifferer (Ö) 0,98. 14. Ambrosi Hoffmann (Sz) und Steven Nyman (USA) 1,05. 16. Christoph Gruber (Ö) 1,10. 17. Erik Guay (Ka) 1,11. 18. Lasse Kjus (No) 1,15. 19. Finlay Mickel (Gb) 1,17. 20. Didier Cuche (Sz) 1,23. 21. Andreas Buder (Ö) 1,38. 22. Bode Miller (USA) 1,47. 23. Werner Heel (It) 1,57. 24. Scott Macartney (USA) 1,67. 25. John Kucera (Ka) 1,74. 26. Peter Fill (It) 1,80. 27. Kristian Ghedina (It) 1,85. 28. Walter Girardi (It) 1,90. 29. Jürg Grünenfelder (Sz) 1,92. 30. Alessandro Fattori (It) 1,94.

Ferner: 31. Tobias Grünenfelder 2,01. 32. Daron Rahlves (USA) 2,03. 33. Silvan Zurbriggen 2,09. 37. Konrad Hari 2,27. 57. Cornel Züger 4,15. 59. Claudio Sprecher (Lie) 5,36. -- 65 Fahrer gestartet, 61 klassiert; ausgeschieden u.a. Kurt Sulzenbacher (It), Benjamin Raich (Ö).

Weltcup-Rangliste:
Männer. Gesamtwertung: 1. Hermann Maier (Ö) 150. 2. Fritz Strobl (Ö) 100. 3. Bode Miller (USA) 89. 4. Kjetil Andre Aamodt (No) 80. 5. Aksel Lund Svindal (No) und Marco Büchel (Lie) je 60. 8. Benjamin Raich (Ö) 50. 9. Michael Walchhofer (Ö) 46. 10. Bruno Kernen (Sz) 45. Ferner 12. Didier Défago 41. 26. Didier Cuche 19. 27. Ambrosi Hoffmann 18.

Nationenwertung:
1. Österreich 724. 2. USA und Norwegen je 170. 4. Kanada 157. 6. Schweiz 151. 6. Schweden 148. 7. Slowenien 125. 8. Italien 123. 9. Kroatien 96. 10. Frankreich 89. 11. Liechtenstein 60. -- 16 Nationen klassiert.

(ht/sda)

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