Frösche liefern neue Antibiotika
publiziert: Sonntag, 5. Sep 2010 / 23:33 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 5. Sep 2010 / 23:54 Uhr
In der Epidermis der Frösche werden unzählige Substanzen produziert.
In der Epidermis der Frösche werden unzählige Substanzen produziert.

Amphibienhaut produziert tausende chemische Substanzen

2 Meldungen im Zusammenhang
Washington DC/Wien - Die Haut von Fröschen könnte in Zukunft Ideen für den Einsatz bisher ungenützter neue Antibiotika liefern sorgen. Ein Forscherteam der United Arab Emirates University hat in der Haut von insgesamt 6.000 Fröschen mehr als 100 potenzielle Bakterienkiller identifiziert. Einige der Substanzen sind hochgiftig und werden nun von den Wissenschaftlern so umgebaut, dass sie sich zur medizinischen Anwendung eignen. Die Arbeit wurde beim Jahrestreffen der American Chemical Society präsentiert.

«Ganze Arsenale von Substanzen finden sich in der Froschhaut wieder», bestätigt der Amphibienexperte Heinz Grillitsch vom Naturhistorischen Museum Wien. «Dadurch, dass die Haut der Amphibien feucht ist, müssen sich diese Tiere ganz besonders davor schützen, nicht von Schimmelpilzen oder Krankheitserregern besiedelt zu werden. Im Laufe der Evolution haben sie eine Vielzahl solcher chemischen Stoffe zu ihrem eigenen Schutz entwickelt».

Probleme mit Antibiotika-Resistenzen

Krankheitserregende Bakterien, gegen die keine wirksamen Antibiotika (mehr) verfügbar sind, gehören zu den grössten Problemen der Menschen und der Wissenschaft. Das Forscherteam um Michael Conlon hat in einem seltenen amerikanischen Frosch nun eine neue Substanz entdeckt, die vielversprechend für die Entwicklung eines neuen Antibiotikums scheint. Bis es jedoch zum Einsatz eines neuen Medikaments kommen wird, dauert es noch.

«Selbst wenn man die chemische Zusammensetzung dieser Substanzen kennt, kann man sie nicht einfach anwenden», erklärt Grillitsch. Vielmehr müssen in langwierigen Untersuchungsverfahren geeignete Darreichungsformen entwickelt werden. Sie stellen sicher, dass die in ihrer ursprünglichen Form giftigen Stoffe menschliche Zellen nicht zerstören oder schädigen. «Man muss zudem dafür sorgen, dass die Wirkstoffe vor allem dort ihre Wirkung entfalten, wo sie die Pathogene zerstören sollen.»

Amphibien unbedingt schützen

Anders als Säugetiere, Vögel oder Reptilien haben sich die Frösche und Salamander in ihrer Entwicklung nie ganz vom aquatischen Lebensraum losgelöst und sind dadurch sowohl an ein Leben im Wasser als auch an Land angepasst. «Sie besitzen eine drüsenreiche feuchte Haut, die ganz spezielle Eigenschaften aufweisen muss, damit sie nicht von Pilzen oder pathogenen Mikroorganismen befallen wird, die das Tier töten», erklärt Grillitsch. «In der Epidermis der Frösche werden unzählige Substanzen produziert, die dafür sorgen, dass die empfindliche Haut trotz hoher Luftfeuchtigkeit gesund bleibt und keine Eintrittspforte für Krankheitserreger darstellt», so der Experte.

«Viele dieser Substanzen sind bekannt. Es handelt sich um biogene Amine, Peptide, Alkaloide und andere organische Verbindungen», erklärt Grillitsch. Den US-Forschern ist es gelungen, die Molekularstruktur der antibiotisch wirksamen Komponente des Froschhautsekrets so zu verändern, dass die Substanz die Zellen nicht zerstört, aber noch effektiver Bakterien abtötet.

«Amphibien haben ihren Hautschutz in gut 300 Mio. Jahren Evolution entwickelt und verfeinert», meint Grillitsch abschliessend. «Alleine diese Tatsache weist auf die Wichtigkeit hin, die Amphibienbestände, die in den vergangenen Jahrzehnten weltweit rapide zurückgingen, zu schützen». In Sachen chemische Abwehr von Pathogenen könnten sie dem Menschen noch einigen Nutzen bringen.

(bang/pte)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Freiburg - Freiwillige haben im ... mehr lesen
Frösche sind Gefahren ausgesetzt, wenn sie sich zu ihren Laichplätzen begeben.
In Europa gibt es bisher nur vereinzelt Berichte über Todesfälle. (Symbolbild)
Rio de Janeiro - In Brasilien ... mehr lesen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Nur ein Augenarzt kann eindeutig feststellen, ob es sich um eine allergische Bindehautentzündung handelt.
Nur ein Augenarzt kann eindeutig ...
Publinews Der Fachbegriff im Bereich der Medizin für eine Bindehautentzündung lautet Konjunktivitis. Diese entsteht selten durch eine Infektion. In den meisten Fällen ist sie eine allergische Reaktion auf unterschiedliche Substanzen. mehr lesen  
Publinews Tabata ist eine Trainingsform, die aus kurzen Trainingsintervallen besteht. Die ... mehr lesen  
Auch das Tabata-Training macht in einer kleinen Gruppe oder mindestens zu zweit gleich viel mehr Spass und spornt an.
Medizinische Forschung  Bern - Das Inselspital nimmt mit der «Liquid Biobank Bern» das derzeit modernste Tiefkühllager für Blut und andere flüssige Bioproben in der Schweiz in Betrieb. Die Biobank soll zur wichtigen Forschungsressource für massgeschneiderte Medizin werden. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 12°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
Basel 13°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 14°C 21°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Bern 12°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 14°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt recht sonnig
Genf 14°C 27°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 17°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter Wolkenfelder, kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten