Fünf Jahre nach dem Estermann-Mord im Vatikan
publiziert: Freitag, 2. Mai 2003 / 11:20 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 6. Mai 2003 / 01:03 Uhr

Bern - Auch fünf Jahre nach dem Mord im Vatikan am Kommandanten der Schweizer Garde, Alois Estermann, und seiner Frau Gladys verstummen die Spekulationen nicht: War der Schweizer Gardist Cédric Tornay der Mörder oder das Opfer eines Komplotts?

Am 4. Mai 1998 geschah hinter den Mauern des Vatikans das Unfassbare: Nur wenige Stunden nach seiner Ernennung zum Kommandanten der Schweizer Garde wurde der 43-jährige Luzerner Alois Estermann in seiner Wohnung erschossen. Estermanns Ehefrau, die Venezolanerin Gladys Meza Romero, wurde ebenfalls getötet.

In der Wohnung lag noch eine dritte Leiche: Jene des 23-jährigen Schweizer Gardisten Cédric Tornay. Für den Vatikan war der Fall klar: Tornay habe die beiden in einer Wahnsinnstat ermordet und sich danach selbst gerichtet. Der Fall wurde nach neun Monaten zu den Akten gelegt.

Tornay habe sich rächen wollen, weil er von Estermann bei einer Auszeichnung übergangen worden war, kamen die Ermittler zum Schluss. Zwischen Tornay und Estermann habe die Chemie nicht gestimmt. Für diese Version spricht ein Abschiedsbrief, den Tornay kurz vor der Tat an seine Mutter geschickt hatte.

Fälschung?

Doch Tornays Mutter Muguette Baudat zweifelte und trat mit ihren Zweifeln an die Öffentlichkeit: Der Abschiedsbrief sei falsch, wie ein graphologisches Gutachten belege. Die Mutter glaubt, der Sohn sei nur zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen. Der Schlüssel zum Mord liege bei Estermann.

Immer wieder tauchten zweifelhafte Zeugen auf: So behauptete ein ehemaliger Agent des DDR-Staatssicherheitsdienstes, Estermann sei ein Spion der DDR gewesen und vom legendären Ex-Chef des Stasi-Auslanddienstes Markus Wolf persönlich rekrutiert worden.

Spekulationen

Auch Spekulationen um das Privatleben des ermordeten Ehepaars schossen ins Kraut: Estermann sei homosexuell gewesen, behaupteten die einen. Estermann, seine Frau und Tornay seien in eine fatale Liebesbeziehung verstrickt gewesen, wollten andere wissen.

Die Familien der Ermordeten Alois Estermann und seiner Ehefrau wehren sich gegen diese Behauptungen. Die Ehe der beiden sei glücklich gewesen. Estermann habe mit der DDR nichts am Hut gehabt.

Papst-Retter Estermann

Estermann hatte der Garde fast 30 Jahre gedient. Im Vatikan war er ein Held: 1981 beim Attentat des Türken Ali Agca auf Papst Johannes Paul II. warf Estermann sich als lebender Schutzschild vor den heiligen Vater.

Die Mutter Tornays aber glaubt, das Papst-Attentat sei der wahre Grund für die Bluttat im Mai 1998. Estermann habe sich gar nicht vor den Papst geworfen, behauptet sie. Er sei 100 Meter entfernt gewesen, als die Schüsse fielen. Dies würden TV-Aufnahmen belegen.

Deckel bleibt drauf

Dass ihr Sohn sich umgebracht hat, glaubt die Mutter nicht. Sie liess seine Leiche gerichtsmedizinisch untersuchen. Resultat: Tornays Dienstwaffe - eine 9,41 Millimeter-Pistole - könne nicht die Tatwaffe sein. Die Schusswunde in Tornays Kopf weise auf ein kleineres Kaliber hin.

Die Mutter ersuchte 2001 den Vatikan, das Dossier noch einmal zu öffnen. Doch dieser winkte ab: Tornay sei der Mörder und da er tot sei, bestehe kein Anlass für eine Wiederaufnahme. Laut den Ermittlern könnte die Ursache von Tornays Wahnsinn eine taubeneigrosse Geschwulst in seinem Gehirn gewesen sein.

(Daniela Karst/sda)

 
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