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«Für Klimaschäden müssen die Verursacher zahlen»
publiziert: Montag, 14. Dez 2009 / 11:30 Uhr / aktualisiert: Montag, 14. Dez 2009 / 13:17 Uhr

Am Klimagipfel feilschen Politiker mit Hilfe von Physiker und Ökonomen um ein neues Klimaabkommen. Aber vielleicht könnte die Lösung aus einer ganz anderen Ecke kommen: Wie sieht eigentlich die Philosophie die Antwort auf den Klimawandel?

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Der Philosoph Lukas Meyer.
Der Philosoph Lukas Meyer.
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Ein erfolgreiches Abkommen am UNO-Klimagipfel in Kopenhagen gibt es aus Sicht des Philosophen Lukas Meyer nur, wenn die meisten Länder das Resultat als fair empfinden. Dafür müsste das Abkommen Prinzipien der Gerechtigkeit genügen, sagt Meyer, dessen Spezialgebiet Fragen der Gerechtigkeit sind, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SDA. Meyer ist Professor für Philosophie an der Universität Graz, bis vor kurzem lehrte der Deutsche noch an der Universität Bern.

Die Fragen, die sich die Philosophie zum Klimawandel stellt, ähneln jenen, welche die Staatengemeinschaft noch bis am 18. Dezember in Kopenhagen diskutiert: Wie viel CO2 dürfen die einzelnen Staaten künftig ausstossen? Und wer kommt für Klimaschäden auf?

In beiden Fällen sieht Meyer vor allem die Industriestaaten in der Pflicht. Seine Ansicht begründet er mit dem Gleichheits- und dem Verursacherprinzip. «Die Emissionsrechte sollten in gleichem Masse pro Kopf verteilt werden. Und für die Klimaschäden sollten jene aufkommen, die sie verursacht haben.»

Verursacher für Schäden aufkommen

Die Industrienationen hätten mit ihrem CO2-Ausstoss eine beachtliche Infrastruktur aufbauen können - im Gegensatz zu den armen Ländern. «Wer schon viel erhalten und verbraucht hat, kann nicht den gleichen Anspruch haben wie jene, die wenig erhalten und verbraucht haben.» Entwicklungsländer hätten daher höhere Emissionsquoten zu Gute.

Dass die Verursacher auch für Klimaschäden aufkommen müssten, ergebe sich aus der Gerechtigkeit der Kompensation. Das sei aber nicht unproblematisch, da früher lebende Menschen nicht gewusst hätten, dass zu viel CO2 gefährlich sein kann, sagt Meyer.

Er verweist daher auch auf einen Ansatz, der die historische Verantwortung ausklammert: Nur die Industrieländer hätten die Mittel, für Klimaschäden aufzukommen, die vornehmlich Menschen in den Entwicklungsländern treffen.

Verteilung nach Wohlstand

Das Kyoto-Protokoll, dessen Nachfolger nun verhandelt wird, habe sich kaum an Prinzipien orientiert, sagt Meyer. Einen Verteilschlüssel zu finden für die Gesamtkosten von Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel, sei schwierig und auch philosophisch interessant, stellt Meyer fest. Für Kopenhagen sei eine pragmatische Lösung denkbar: Etwa eine Verteilung der Gesamtkosten nach dem Wohlstand.

Ein wirkungsvolles Abkommen ohne Zugeständnisse der USA und anderer Industrienationen hält Meyer aber für unwahrscheinlich. «Wenn China und Indien nicht mitziehen, lässt sich das Problem nicht lösen.» Deshalb müssten sich die Industriestaaten auf diese Schwellenländer zu bewegen.

Ethik und Klimawandel

Weltweit gibt es laut Meyer 10 bis 20 Expertinnen und Experten, die sich philosophisch mit dem Thema Klimawandel und Gerechtigkeit befassen. Die Politik habe sich bisher kaum dafür interessiert, sagt Meyer. In der Schweiz liess das Bundesamt für Umwelt (BAFU) 2007 ein Gutachten von Meyer zum Thema erstellen.

Zudem nahm Meyer im Juni an einem Vorbereitungstreffen des Weltklimarats IPCC teil, der dort den nächsten Bericht diskutierte. Mit Erfolg: «Im nächsten IPCC-Bericht ist ein Kapitel vorgesehen, das sich mit Ethik und Klimawandel auseinandersetzt», sagt Meyer.

Bei diesem Treffen sei auch deutlich geworden, dass Wissenschaftler aus Entwicklungs- und Schwellenländern das Verursacherprinzip sehr ernst nähmen, sagt Meyer. Sollte in Kopenhagen kein rechtlich verbindliches Abkommen resultieren, dürfte sich der Nord-Süd-Konflikt um Entwicklungschancen trotz des Klimawandels nach Meyers Einschätzung noch verstärken.

(fkl/sda)

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