Für Wanderer ist die Kuh gefährlicher als der Bär
publiziert: Freitag, 27. Jul 2012 / 14:00 Uhr
Mensch und Kuh kommen sich immer häufiger ins Gehege.
Mensch und Kuh kommen sich immer häufiger ins Gehege.

Bern - Harmlos scheinende Kühe haben jüngst im Wallis und im Kanton Solothurn Wanderer angegriffen. Insbesondere Mutterkühe können aggressiv reagieren, wenn sie sich bedroht fühlen. Werden aber die wichtigsten Verhaltensregeln beachtet, lassen sich Angriffe praktisch ausschliessen.

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Weil einerseits immer mehr Mutterkühe gehalten und andererseits die Zahl der Wanderer und Biker stetig zunimmt, kommen sich Mensch und Kuh immer häufiger ins Gehege. Dass trotzdem kein markanter Anstieg bei den Angriffen zu verzeichnen ist, wertet Heinz Feldmann, Sicherheitsfachmann bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung und Landwirtschaft (BUL) als Zeichen dafür, dass die «Prävention greift».

Mit einer Checkliste für Rindviehhalter und Wanderwegverantwortliche sowie Warntafeln und Merkblättern für Wanderer versucht die Beratungsstelle die Gefährdung durch Rindvieh zu verringern.

Die wichtigsten Verhaltensregeln für die Wanderer lauten: Distanz halten, Kälber nicht berühren, Hunde an der Leine führen. Bei Befolgen dieser Regeln lässt sich gemäss Feldmann ein Angriff praktisch ausschliessen.

Mutterkuh-Attaken

Im Juli ist es auf einer Walliser Alp sowie im Kanton Solothurn zu zwei Mutterkuh-Attacken gekommen, bei denen sich jeweils eine Person erheblich Verletzungen zugezogen hat.

Dazu kommen drei Attacken mit Verletzungsfolge aus dem vergangenen Jahr. Die Zwischenfälle werden zusammen mit dem Verein Mutterkuh Schweiz, den Schweizer Wanderwegen sowie dem Bauernverband ausgewertet, so Feldmann.

Bären haben Angst vor Menschen

Wenig zu befürchten haben Wanderer entgegen der weitverbreiteten Meinung vor den gemeinhin als gefährlich geltenden Wildtieren, die in der Schweiz vorkommen - dem Braunbären, dem Wolf und dem Luchs. Sie alle fürchten sich vor dem Menschen, wie Philippe Steiner vom Westschweizer Sekretariat von Pro Natura auf Anfrage sagte.

Wie sich allerdings im Fall des Jungbären «JJ3» gezeigt hat, können die Tiere bei ihrer Nahrungssuche in bewohnte Gebiete vorstossen, ihre natürliche Scheu überwinden und zu «Problembären» werden. Das «Konzept Bär» des Bundes sieht in diesem Fall den Abschuss vor.

Bei der Begegnung mit einem Bären sollte der Wanderer ruhig an Ort und Stelle verweilen und nicht auf das Tier zugehen. Kommt es zu einem Angriff, sollte man sich regungslos auf den Bauch und den Kopf mit den Händen schützen.

Flucht kein Mittel

Philippe Steiner warnt im unwahrscheinlichen Fall einer Bärenattacke davor, das Heil in der Flucht zu suchen, da der Bär viel schneller läuft als der Mensch. Ein Baum ist ausserdem kein geeigneter Zufluchtsort - Bären sind vorzügliche Kletterer.

Zurzeit hält sich mit dem zweieinhalbjährigen Männchen M13 ein Braunbär in der Schweiz auf. Er war erstmals am Ostersamstag im Unterengadin aufgetaucht und wurde kürzlich im Schweizer Nationalpark beobachtet.

Keinerlei Gefahr für die Wanderer stellt der Wolf dar. Attacken auf Menschen seien nur in Rudeln möglich, sagte Steiner. Wolfsrudel wurden bisher in der Schweiz noch nicht beobachtet. Praktisch ausgeschlossen werden die Begegnung mit einem Luchs - zumindest bei Tageslicht.

(bg/sda)

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