Für den FCZ wird ein Mythos Realität
publiziert: Donnerstag, 18. Sep 2008 / 00:22 Uhr

Der FC Zürich steht vor dem Saison-Höhepunkt. Er fordert im Hinspiel der 1. UEFA-Cup-Runde die kriselnde AC Milan. Der Vergleich kündigt sich interessant an. Der FCZ wird sich gegen einen hochmotivierten Gegner wehren müssen. Milan muss dieses Spiel unter allen Umständen (klar) gewinnen.

Die Spieler des FCZ trainieren am Abend vor dem Spiel im San Siro Stadion.
Die Spieler des FCZ trainieren am Abend vor dem Spiel im San Siro Stadion.
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Rheinpark, Vaduz. Giuseppe Meazza, Milano. Sportplatz Aegeten, Widnau. Der FC Zürich pendelt in diesen Tagen zwischen den Fussballwelten.

Nach dem Pflichtsieg in der Axpo Super League in Liechtenstein und drei Tage vor dem Cupspiel in der Ostschweizer Provinz betritt der Stadtklub die mystifizierte Betonschüssel an der Mailänder Peripherie und trifft auf den erfolgreichsten Verein der Welt.

«Es ist der grösste Auftritt für den FCZ seit dem Meistercup-Halbfinal gegen Liverpool vor 31 Jahren», sagte Trainer Bernard Challandes. «Wir spüren ein bisschen den Duft der Champions League, wenn wir in dieses Stadion einlaufen und gegen diesen Verein antreten», bemerkte Präsident Ancillo Canepa.

Grosse Nachfrage nach Tickets

Der Name Milan hat den FCZ und seinen Anhang in eine Euphorie versetzt. Noch bevor die Ausgangslage für das Rückspiel bekannt ist, noch bevor gewiss ist, ob die Zürcher mit einem umjubelten Zwischenergebnis oder allenfalls mit einer 0:5-Ohrfeige aus Italien zurückkehren, wurden ausser wenigen Plätzen auf der Haupttribüne alle 24'794 Tickets für das Rückspiel vom 2. Oktober abgesetzt.

Auch für die heutige Partie in Mailand lief der Vorverkauf auf Zürcher Seite gut, es wurden knapp 2500 Karten verkauft. Die Leute standen teilweise bis zu einer Stunde an, um dabei zu sein. Der FCZ erwartet im Giuseppe Meazza die Unterstützung von rund 3500 Fans.

Nach der negativen Serie von Milan reist manch einer von ihnen in der Hoffnung auf ein positives Resultat in die lombardische Metropole. Bologna und Genoa. Dieser Kategorie müsste auch der FC Zürich angehören, denken sie.

Doch Challandes rümpft die Nase und blickt grimmig in die Herbstsonne. «Es gefällt mir nicht, was derzeit in Mailand geschieht.» Nach der Auslosung habe er gehofft, Milan könnte den FCZ unterschätzen. «Doch daraus wird nichts. Vielleicht nimmt Milan uns nicht ganz ernst. Aber sicher nehmen sie das Spiel gegen uns ernst. Die Situation in Mailand ist angespannt. Es werden viele Fans ins Stadion kommen. Der Präsident wird da sein. Der Trainer ist unter Druck. Die Mannschaft kann es sich nicht erlauben, gegen uns schlecht auszusehen.»

«Negativserie? Milan bleibt Milan.»

Schlecht sah Milan in letzter Zeit eigentlich immer aus. Das hat Challandes mitbekommen, als er das Starensemble gegen Bologna (1:2) und im Testspiel gegen Lugano (0:2) beobachtete. Assistent Erich Hänzi sah Milan zudem am vergangenen Sonntag beim miserablen Auftritt gegen Genoa (0:2). Challandes: «Das Team ist nicht in Form. Schewtschenko war schwach, Ronaldinho müde, und Kaka fehlte der Rhythmus.»

Von diesem Trio wird gegen Zürich nur Kaka von Anfang an spielen. Die anderen beiden werden vorerst mit Trainings für weitere Wettkämpfe fit getrimmt. Sie allenfalls zu kurzen Teileinsätzen gelangen. Fehlen werden die verletzten Andrea Pirlo und Filippo Inzaghi sowie Gianluca Zambrotta und Paolo Maldini, die geschont werden. Alternativen hat Milan trotzdem. Es kann auf Pato, Marco Borriello, Mathieu Flamini, Clarence Seedorf oder Emerson zurückgreifen. Es ist diese Auswahl, die Challandes beeindruckt. Er sagt deshalb: «Milan bleibt Milan. Das ist noch immer einer der besten vier, fünf Vereine der Welt.»

Von seiner Equipe, die ohne den verletzten linken Aussenverteidiger Alain Rochat auskommen muss, verlangt Challandes gegen dieses Schwergewicht deshalb, was Trainer von Aussenseitern immer verlangen. Kompakt stehen und die Räume eng machen. «Wir haben am letzten Sonntag in Vaduz gesehen, was geschieht, wenn man dies nicht über 90 Minuten umsetzt. Eine Halbzeit lang machte uns Vaduz das Leben schwer. Dann öffneten sie die Räume und verloren die Ordnung. So schossen wir nach der Pause noch sieben Tore.»

Die letzten beiden Treffer erzielte Almen Abdi. Der 21-jährige Mittelfeldspieler ist mit sieben Toren derzeit der Topskorer der Axpo Super League. Doch im Giuseppe Meazza kommen seine Widersacher nicht aus Vaduz, Bellinzona oder Neuenburg. Er wird (Grenz-)Erfahrungen mit Spielern wie Massimo Ambrosini, Mathieu Flamini oder Clarence Seedorf machen. Abdi: «Ein Traum geht in Erfüllung. Spieler wie Pirlo, Kaka oder Ronaldinho waren meine Vorbilder. Jetzt kann ich gegen sie im San Siro spielen.»

Der FCZ wie Luxemburg?

Abdi kennt sie alle, die Stars von Milan. In Mailand dagegen weiss (noch) niemand, wer der ASL-Topskorer ist. Auch Stahel, Stucki, Aegerter und Tico sind rund um den Dom kein Thema. Vielleicht sieht die Realität auf dem Rasen aber anders aus. «Ich denke, dass der Klasseunterschied auf dem Platz nicht so gross sein wird, wie man allgemein denkt. Viele Spieler werden von den Medien halt zu Stars gemacht», schrieb Almen Abdi vor einigen Tagen in seinem Internet-Blog.

Dass der Aussenseiter nicht prima vista chancenlos ist, weiss er spätestens seit dem Mittwoch letzter Woche. «Diesmal sind ich und der FCZ so etwas wie Luxemburg. Vielleicht gibts wieder eine Sensation. Wir träumen vom Sieg. Aber wir wissen, dass die Chancen minim sind. Unser Ziel ist es, in Mailand ein Tor zu schiessen und mit einem Resultat zurückzukehren, das uns für das Rückspiel Chancen offen lässt», sagte Abdi.

(von Stefan Wyss, Mailand/Si)

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