Politologe prophezeit
«Für die BDP geht es nun ums Überleben»
publiziert: Donnerstag, 29. Okt 2015 / 12:20 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 29. Okt 2015 / 23:55 Uhr
Quo vadis, BDP?
Quo vadis, BDP?

Bern - Die BDP-Spitze sieht im Rücktritt von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf auch eine Chance für die Partei. Weniger optimistisch beurteilt Politologe Georg Lutz die neue Ausgangslage für die Partei: Für die BDP gehe es nun ums Überleben.

5 Meldungen im Zusammenhang

«Die BDP verliert mit Widmer-Schlumpf ihre wichtigste, bekannteste Identifikationsfigur», sagte Lutz am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Widmer-Schlumpf habe der Partei regelmässig zu Aufmerksamkeit verholfen. «Das wird jetzt sehr viel schwieriger.»

Kleine Parteien hätten es allgemein sehr schwer zu überleben, sagte Lutz. Der BDP fehle es auch an Alleinstellungsmerkmalen. Die Schwierigkeit für die BDP liege jedoch nicht darin, Themen zu setzen, «sondern wie sie diese unter die Leute bringen kann».

Für die BDP werde es zudem schwierig, politisches Personal zu rekrutieren. In den BDP-Hochburgen Bern und Graubünden dürfte dies gemäss Lutz noch klappen, in den anderen Kantonen könnte es aber schwierig werden. Denn wer politische Ambitionen habe, beispielsweise auf ein Exekutivamt, werde vielleicht eher zur FDP oder zur CVP gehen, weil er sich dort bessere Chancen erhofft. «Das Anziehungspotenzial der BDP sinkt.»

Schwache Partner werden zusammen nicht stark

Dass die BDP vergangenes Jahr eine Union mit der CVP abgelehnt hat, bezeichnet Lutz als «verpasste Chance». Sie habe damit die CVP vor den Kopf gestossen und sei nun in einer schlechteren Position - umso mehr, als sie bei den Wahlen zu den Verlierern gehörte. «Das ist die Tragik: Fusionen kommen erst zustande, wenn beide Partner schwach sind.» Daraus entstehe keine starke Union, sondern eine schwache.

Lutz sieht angesichts der zersplitterten Mitte und ihren Verlusten bei den Wahlen grossen Handlungsbedarf für eine engere Zusammenarbeit. Dennoch sei er nicht sicher, ob der Leidensdruck gross genug sei, sagte Lutz. Die CVP sei in ihren Stammlanden nach wie vor in einer guten Position. «Das hält die Illusion aufrecht, dass sie eine wichtige Partei ist, und sie sich nicht bewegen muss.»

«Gut für die BDP»

Widmer-Schlumpf selbst sieht die Zukunft jener Partei, die ohne sie gar nie entstanden wäre, durchaus positiv. Sie sei überzeugt, dass der Rücktritt «gut für die BDP ist», sagte sie an ihrer Medienkonferenz vom Mittwoch.

Auch BDP-Präsident Martin Landolt sieht das Ausscheiden von Widmer-Schlumpf als Chance. «Wir waren in der Vergangenheit oft bloss die Widmer-Schlumpf-Partei», sagte der Glarner Nationalrat am Mittwochabend der sda. Er hofft, dass sich die Partei in Zukunft wieder mehr über Themen und eigenständige Positionen Gehör verschafft.

(nir/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die BDP habe auch ohne Bundesrätin Zukunft.
Bern - Die BDP will aus dem Windschatten ihrer Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf heraustreten. Das hat Parteipräsident Martin Landolt am Samstag vor den Delegierten in Bern ... mehr lesen
In Graubünden büsste die BDP 6,0 Prozentpunkte ein. (Symbolbild)
Bern - Die SVP hat in den ... mehr lesen 50
Bern - Nach den Parlamentswahlen spekulieren die Schweizer Zeitungen über einen möglichen zweiten SVP-Bundesratskandidaten und die Zukunft von Eveline Widmer-Schlumpf. Mit den Mitte-Parteien, den «Wahlverlierern», gehen die Kommentatoren hart ins Gericht. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Die Schweizer Botschaft in Berlin mit Tunnel-Schriftzug.
Gotthard 2016  Berlin - «Tunnel» - mit sechs Riesenbuchstaben feiert die Schweizer Botschaft in Berlin die Eröffnung des neuen Gotthard-Basistunnels. Während zwei Monaten wird der Schriftzug das Dach der Vertretung zieren. mehr lesen 1
Reaktionär  Bern - Gegen die geplante Stiefkindadoption für Homosexuelle regt sich Widerstand. Sollte das Parlament das neue Adoptionsrecht in der vorliegenden Form verabschieden, will ein überparteiliches Komitee aus den Reihen der SVP, CVP und EDU das Referendum ergreifen. mehr lesen   3
Ständerat schwenkt auf Linie des Nationalrats  Bern - Grosswasserkraftwerke sollen Subventionen erhalten, wenn sie den Strom zu tiefen Preisen ... mehr lesen  
Finanzhilfen für bestehende Grosswasserkraftwerke waren im ersten Massnahmenpaket zur Energiestrategie ursprünglich nicht vorgesehen.
Johann Schneider-Ammann eröffnet den Gotthard-Basistunnel.
Beginn mit Segnung  Bern - Mit einem Treffen der Verkehrsminister der Alpenländer am Dienstagnachmittag werden ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 7°C 19°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Basel 11°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 12°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Bern 9°C 19°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 9°C 19°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Genf 8°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 6°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten