Furcht vor Chaos im Gazastreifen
publiziert: Donnerstag, 8. Sep 2005 / 09:27 Uhr

Tel Aviv/Gaza - Die Mörder des früheren palästinensischen Sicherheitschefs Mussa Arafat kamen im Morgengrauen in gut 20 Autos. Über 80 Männer, viele davon maskiert, drangen laut Augenzeugen in sein Haus in der Stadt Gaza ein.

Mussa Arafat wurde aus dem Bett gezerrt und auf der Strasse erschossen.
Mussa Arafat wurde aus dem Bett gezerrt und auf der Strasse erschossen.
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Dort lieferten sie sich ein heftiges Feuergefecht mit mehreren Leibwächtern und zerrten den Cousin des im letzten Jahr verstorbenen palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat im Schlafanzug aus seinem Bett auf die Strasse. Dort schossen sie ihm in den Hinterkopf und warfen seine Leiche neben einen Müllcontainer.

«Ich hörte Schüsse und laute Explosionen, es war wie im Krieg», erzählte ein palästinensischer Journalist, der in kurzer Entfernung vom Tatort wohnt. Den 29-jährigen Sohn Arafats, der ebenfalls für den Geheimdienst arbeitet, verschleppten die Mörder. Zu der Tat bekannte sich das palästinensische Volkswiderstandskomitee.

Die Splittergruppe gab als Motiv Arafats Korruptheit an. Politische Beobachter in Gaza werten den Mord an dem 1941 geborenen Ex-Militärchef als offene Herausforderung militanter Palästinenser an die palästinensische Autonomiebehörde. Arafat war im Frühjahr vom neuen palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas pensioniert worden.

Chaos befürchtet

Israel sieht die blutige Tat wenige Tage vor dem endgültigen Abzug aller Truppen aus dem Gazastreifen mit grosser Sorge. Warnungen vor einem Chaos nach der Übergabe der geräumten Gebiete an die palästinensische Polizei werden laut.

Besonders alarmiert reagierte die Armee auch auf den Versuch hunderter Palästinenser, die geräumte Siedlung Newe Dekalim zu stürmen. Bei dem Vorfall wurde am Dienstagabend ein Palästinenser erschossen; Extremisten feuerten daraufhin Kassam-Raketen auf israelisches Gebiet ab.

Früherer Abzug

Angesichts der chaotischen Zustände will die Armee jetzt früher aus dem Gazastreifen abziehen als geplant - schon Anfang kommender Woche. Israel glaubt, es könne nach einem vollständigen Abzug energischer und mit internationaler Billigung auf palästinensische Angriffe aus dem Gazastreifen reagieren.

Der israelische Aussenminister Silwan Schalom sagte am Mittwoch, Abbas müsse endlich entschlossen gegen die militanten Palästinensergruppen vorgehen. Es sei «nicht akzeptabel, dass im Gazastreifen das Chaos ausbricht». Abbas hat bislang stets auf den Dialog mit den Extremisten gesetzt und die offene Konfrontation vermieden.

Verhasster Arafat

Mussa Arafat, der bereits mehrere Mordversuche überlebt hatte, war äusserst unbeliebt und galt als brutal und korrupt. Im vergangenen Jahr war es im Gazastreifen zu Massenprotesten gegen die Ernennung Mussa Arafats zum Sicherheitschef gekommen; der Ausnahmezustand musste verhängt werden.

Ein palästinensischer Journalist meinte am Mittwoch, er sehe den Mord als «Warnung an alle korrupten Mitglieder der Autonomiebehörde». «Seid auf der Hut, so lautet die Botschaft, Ihr könntet die nächsten sein.»

(Sara Lemel/dpa)

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Mussa Arafat war ein Cousin von Jassir.
 
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