Fussball: Basel - Liverpool: Ein erzittertes Glanzstück
publiziert: Dienstag, 12. Nov 2002 / 22:59 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 13. Nov 2002 / 01:09 Uhr

(Si) Der an Dramatik nicht mehr zu überbietende Showdown zwischen Basel und Liverpool endete im vollbesetzten St.-Jakob-Park nach einer 3:0-Führung der Bebbi mit einem 3:3-Remis und der erstmaligen Zwischenrunden-Qualifikation Basels.

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Der Griff nach den Champions-League-Sternen verlief zuerst nach Plan: Julio Hernan Rossi (2.), Christian Gimenez (22.) und Thimothée Atouba (29.) hatten Basel einen Traumauftakt beschert. Gegen Ende hin allerdings zitterten die Hände aller 29 000 Zuschauer im ausverkauften Stadion. Der erste Vorstoss einer Schweizer Equipe zur edlen europäischen Elite-Liga musste erzittert, ja geradezu erdauert werden.

Vom Millionensegen abgesehen, gegen 9,5 Millionen werden die Kassen der Basler füllen, kommt dieser prestigeträchtige Erfolg einer Krönung des Schweizer Fussball-Herbsts gleich. Der Triumph ist mindestens zu hoch einzustufen wie Zürichs Vorpreschen in den Meistercup-Halbfinal vor 25 Jahren.

3:0 führten die Basler zwar, doch der grelle Glanz trügte. Ihnen war 22 Minuten lang alles gelungen, danach immer noch viel, den Kontrahenten so gut wie nichts. Das Szenario, dass sich der hochkarätige Gast irgenwann steigern würde und den Bebbi nach ihrem fantastischen Einstand die Kraft ausgehen könnte, war gewiss nicht abwegig -- und bewahrheitete sich leider mit Fortdauer.

Innerhalb von nur zwei Minuten verbesserten die Briten dank zumindest in der Entstehung höchst vermeidbaren Treffern von Danny Murphy und Vladimir Smicer (61./63.) ihre scheinbar aussichtslose Ausgangslage -- sie hätten in Basel einen Sieg benötigt -- schlagartig. Der Schweizer Titelhalter, erweckte den Anschein, ihm sie im Rausch des blendenden Zwischenstandes, die defensive Orientierung entglitten.

Als Michael Owen in der 85. Minute im Nachschuss den von Murat Yakin verschuldeten Handspenalty verwertete, drohte der einmalige Triumph den Einheimischen gar noch zu entschwinden. Am Schluss spielten die Reds quasi Powerplay; den möglichen Siegtreffer verpassten sie allerdings.

Lange alles nach Plan

Eine offensive Einstellung hatte Trainer Christian Gross 24 Stunden vor dem grosen Showdown verlangt. Das Team setzte die Vorgabe des Zürcher Himmelstürmers abermals um. 88 Sekunden waren im randvollen St.-Jakob-Stadion gespielt, als Julio Hernan Rossi eine Flachpassvorlage aus geringer Entfernung zum seinem bereits fünften Tor in der Champions League über die Linie schob. Der Wegweiser Richtung Zwischenrunde war aus Basler Sicht zum frühstmöglichen Zeitpunkt gesetzt.

Wer glaubte, die Liverpooler hätten eine rasche Antwort parat gehabt, sah sich bis ihrer Doublette durch Murphy und Smicer getäuscht. Wohl rissen die Engländer das Diktat optisch an sich, wohl bemühten sie sich, den so rasch verlorenen Faden wieder zu finden. Aber ein probates Mittel, den Schweizer Double-Gewinner zu beunruhigen fanden sie sehr lange nicht. Im Gegenteil: Hakan Yakin, der in der ersten Hälfte nie zu kontrollieren war, lancierte mit einer perfekten Steilvorlage Christian Gimenez, der zum 2:0 traf.

Diese Szene war ein Spiegel der Basler Qualitäten. Die Bebbi lassen sich selbst auf höchster europäischer Ebene kaum eine Möglichkeit entgehen. Gimenez beispielsweise hatte vor seinem entscheidenden Auftritt noch kein einziges Mal auf den Keeper der Reds geschossen, zum richtigen Zeitpunkt hingegen liess sich der NLA-Topskorer nur einmal bitten. Und das gegen einen Widersacher, der behaupten darf, statistisch neben Middlesbrough über die beste Defensive der Premier League zu führen.

Für den englischen Leader sollte die Leidenszeit am Rheinknie nach 22 Minuten indes nicht überstanden sein. Im Rausch des nicht für möglich gehaltenen Traumstartes und begünstigt vom Glück, als Pascal Zuberbühler einen Weitschuss Emile Heskeys an die Torumrandung lenkte, gaben sich die Gastgeber mit dem Vorteil nicht zufrieden. Und ihr Glück war, dass Liverpools Goalie Jerzy Dudek wie am letzten Samstag in Middlesbrough bei der ersten Meisterschaftsniederlage einen Fehler beging. Sein Abpraller nach einem Freistossball Hakan Yakins -- wieder er -- verwertete Verteider Timothée Atouba gekonnt.

Noch kein einziges Mal in dieser Saison, sogar nie seit Jahresbeginn hat der stolze Verein von der Merseyside drei Gegentreffer einstecken müssen. Nun widerfuhr ihnen dies im Basler St.-Jakob-Park, in dem der FCB nun schon das neunte Europacup-Spiel ungeschlagen überstanden hat.

(Sven Schoch/sda)

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