Fussball: Christoph Daum als Kokser entlarvt - fristlos entlassen
publiziert: Samstag, 21. Okt 2000 / 15:25 Uhr / aktualisiert: Samstag, 21. Okt 2000 / 18:15 Uhr

Leverkusen - Also doch! Christoph Daum, designierter Bundestrainer der deutschen Fussball-Nationalmannschaft, hat Kokainerfahrung. Das zumindest ergab eine Haaranalyse. Bundesligist Bayer Leverkusen reagierte auf den positiven Befund und hat Daum am Samstag als Trainer entlassen.

Die Bombe platzte am Samstag um 15.00 Uhr: Der designierte Bundestrainer Christoph Daum erhielt von Bayer Leverkusen die fristlose Kündigung, nachdem die Haaranalyse des 46 Jahre alten Cheftrainers ein positives Ergebnis ergeben hatte.

Dies gaben die beiden Geschäftsführer der Bayer-Fussball-GmbH, Reiner Calmund und Wolfgang Holzhäuser, an einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in der BayArena von Leverkusen bekannt. Die Trennung vom seit 1. Juli 1996 in Leverkusen amtierenden Daum erfolgte noch vor dem Bundesliga-Heimspiel am Samstagabend gegen Borussia Dortmund.

Als Trainer bei Bayer mit dem Schweizer Nationalgoalie Pascal Zuberbühler fungiert «ab sofort und bis auf weiteres» Rudi Völler, teilte Calmund mit. Christoph Daum selbst habe am Freitag nachmittag von den Ergebnissen erfahren. Calmund: «Das war ein Keulenschlag für uns alle.» Daum dürfte damit auch als Nationaltrainer untragbar geworden sein und wird die deutsche Nationalmannschaft voraussichtlich nicht übernehmen. Ursprünglich hätte er ab 1. Juni 2001 sein Amt im DFB antreten sollen.

Die von Bayern Münchens Manager Uli Hoeness initiierten Drogen-Vorwürfe erwiesen sich letztendlich doch als richtig, trotz aller Beteuerungen von Daum (»da war nie etwas mit Drogen und wird auch nie etwas sein»). Die von ihm selbst vor knapp zwei Wochen in Auftrag gegebene Haaranalyse erwies sich für Daum als Bumerang.

Christoph Daum gab am Samstag folgende persönliche Erklärung ab: «Das Institut für Rechtsmedizin der Universität Köln hat mir am Freitagnachmittag die Ergebnisse meiner Haarprobenanalyse zukommen lassen. Auf Grund der mir übermittelten Daten, die ich anzweifle und mit einer zweiten Probe widerlegen werde, sehe ich mich nicht mehr in der Lage, meine Tätigkeit bei Bayer Leverkusen fortzusetzen. Ich habe die Geschäftsleitung um die sofortige Entbindung von meinen Aufgaben gebeten. Dieser Bitte ist entsprochen worden.»

Die Trainerkarriere des Christoph Daum, der 1992 den VfB Stuttgart zur deutschen Meisterschaft geführt hatte und auch mit Besiktas Istanbul türkischer Champion und Cupsieger war, dürfte damit abrupt zu Ende sein. Am 23. September 1986 hatte Daum seine erste Trainer-Chefstelle im deutschen Profifussball angetreten, als er beim 1. FC Köln die Nachfolge von Georg Kessler antrat. In Köln begründete er seinen Ruf als Motivationskünstler, auch wenn er 1990 während der WM in Italien im Nationalmannschaftsquartier in Erba unter spektakulären Umständen entlassen wurde. Danach wurde er Coach beim VfB Stuttgart, verliess die Schwaben allerdings nach seinem Wechselfehler im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Leeds United und ging in die Türkei.

Während seiner Zeit beim VfB baute Daum ein freundschaftliches Verhältnis zum Stuttgarter Vereinspräsidenten und jetzigen geschäftsführenden DFB-Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder auf. Der 67-Jährige hat sich vehement für Daum als Bundestrainer stark gemacht, diesen gegen alle Vorwürfe verteidigt und dessen Berufung mit der ihm eigenen Hartnäckigkeit durchgezogen. Auch Mayer-Vorfelder ist der grosse Verlierer der Affäre Daum, die am Samstag mit dem Super-GAU für den Coach zu Ende ging. Möglicherweise stolpert sogar Mayer-Vorfelder selbst über den Fall, indem er seine Ambitionen auf die DFB-Präsidentschaft als Nachfolger von Egidius Braun im April kommenden Jahres auf dem DFB-Bundestag abhaken muss.

Ein grosser Verlierer ist auch Bayer Leverkusen mit Manager Calmund an der Spitze. «Calli» hatte seinen Freund Daum immer wieder in Schutz genommen und sich selbst vehement mit Hoeness angelegt, der auf Grund von Zeitungsberichten seine Anschuldigungen gegen Daum erhoben hatte. Dieser hatte darauf gegen Hoeness Klage wegen Verleumdung und übler Nachrede erhoben. Eigentlich sollte in Kürze eine Aussprache der beiden Intimfeinde stattfinden, wobei Mayer-Vorfelder als Vermittler fungieren wollte. Die sensationelle Entwicklung am Samstag sorgte für die totale Wende in der Affäre, die in den vergangenen Wochen die Schlagzeilen in Deutschland beherrscht hatte. Was sagt die deutsche Fussball-Prominenz?

Franz Beckenbauer (DFB-Vizepräsident): «Was soll ich sagen? Das ist eine persönliche Tragödie. Jeder von uns muss erst mit dem Schock fertig werden, danach muss man sich zusammen setzen und über die Zukunft sprechen. Ich bin davon ausgegangen, wenn er sich freiwillig so einer Haar-Analyse unterzieht, dass nichts für ihn Negatives dabei herauskommt.»

Gerhard Mayer-Vorfelder (geschäftsführender Präsident des DFB): «Ich bin persönlich sehr getroffen. Das Ganze ist eine menschliche Tragödie. Ich habe Christoph Daum über all' die Jahre immer vertraut und auch seiner nachdrücklichen Versicherung geglaubt, dass an den aufgekommenen Gerüchten nichts Wahres dran sei.»

Karl-Heinz Rummenigge (Vizepräsident FC Bayern München): «Man muss offen und ehrlich sagen: Wir empfinden keine Schadenfreude. Ich hoffe, Rudi Völler macht jetzt als DFB-Teamchef weiter.»

Lothar Matthäus (Spieler der New York/New Jersey MetroStars): «Ich habe einen Anruf bekommen, dass in Leverkusen eine Bombe platzen wird. Dass es gleich so eine ist, ist natürlich ein Keulenschlag. Das muss auch von uns Fussballern erst einmal verdaut werden. Ich verstehe eigentlich nicht, wenn da etwas war, dass er sich überhaupt hat untersuchen lassen. Christoph Daum wird um seinen Ruf kämpfen. Erst einmal hat Leverkusen das Richtige gemacht, nämlich ihn entlassen.»

Dieter Hoeness (Manager Hertha BSC): «Ganz ehrlich. Ich bin sehr betroffen. Ich habe das nicht für möglich gehalten und kann nur hoffen, dass Daum wirklich gute Freunde hat, die ihn auffangen werden. Ich glaube nicht, dass der deutsche Fussball Schaden genommen hat. Wir müssen jetzt eine vernünftige Lösung finden, eine bietet sich ja an.»

(sda)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Private Radio- und Fernsehveranstalter werden mit 30 Millionen Franken aus der Radio- und Fernsehabgabe direkt unterstützt.
Private Radio- und Fernsehveranstalter werden mit 30 ...
57.5 Millionen Franken für entgangene Werbeeinnahmen  Bern - Die Coronavirus-Pandemie trifft die Medien hart. Ihre Werbeeinnahmen sind bereits drastisch gesunken. Aufgrund der besonderen Bedeutung der Medien für die Demokratie hat das Parlament in der ausserordentlichen Session breit abgestützte Motionen überwiesen, um finanzielle Soforthilfe im Umfang von 57.5 Millionen Franken zu leisten. Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 20. Mai 2020 zwei entsprechende Notverordnungen verabschiedet. mehr lesen 
Ab dem 11. Mai können Gastrobetriebe unter strengen Auflagen wieder öffnen. In einem ersten Lockerungsschritt sind an einem Tisch maximal vier Personen oder Eltern mit Kindern erlaubt.
Publinews Läden, Restaurants, Märkte, Museen und Bibliotheken dürfen wieder öffnen  Bern - Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 29. April 2020 entschieden, die Massnahmen zum Schutz vor dem ... mehr lesen  
Auch die Online Medien sollen profitieren  Bern - Die Medien sind für unsere direkte Demokratie von zentraler Bedeutung. Sie informieren die Bevölkerung und ermöglichen dadurch wichtige Debatten. Sinkende Erträge machen ihnen jedoch zu schaffen. Um die Rahmenbedingungen für die Medien zu verbessern und ein vielfältiges Angebot in den Regionen zu fördern, hat der Bundesrat beschlossen, die Medien mit einem Massnahmenpaket zu unterstützen. An seiner Sitzung vom 29. April 2020 hat er die Botschaft an das Parlament verabschiedet. Neben einem Ausbau der indirekten Presseförderung sieht der Bundesrat eine Unterstützung von Online-Medien sowie allgemeine Massnahmen zugunsten der elektronischen Medien vor. Die Unabhängigkeit der Medien bleibt gewahrt. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • melabela aus littau 1
    es geht nicht nur um homosexuelle ich bin eine frau und verheiratet mit einem mann. leider betrifft es ... So, 14.08.16 13:18
  • Pacino aus Brittnau 731
    Kirchliche Kreise . . . . . . hatten schon immer ein "spezielles" Verhältnis zu ... Do, 09.06.16 08:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • Pacino aus Brittnau 731
    Demokratie quo vadis? Wenn die Demokratie den Stacheldraht in Osteuropa-, einen Wahlsieg von ... Mo, 06.06.16 07:55
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... muss darum gehen, die Kompetenz der Kleinbauern zu stärken. Das sorgt ... Do, 02.06.16 13:07
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Kindeswohl egal! Es geht doch vor allem um die eigenen Kinder der Betroffenen. Die ... Do, 02.06.16 08:10
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Verlust der Solidarität: Verlust der Demokratie! Vollständig und widerspruchsfrei beantworten lässt sich das wohl nicht. ... Mi, 01.06.16 00:18
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Unterstützung "Deshalb sind für die Sozialhilfe 267 Millionen Franken mehr und für ... Di, 31.05.16 10:38
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 0°C 2°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
Basel -2°C 3°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt freundlich
St. Gallen -2°C 0°C immer wieder Schneeleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, wenig Schnee freundlich
Bern -1°C 2°C Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich freundlich
Luzern -2°C 3°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, wenig Schnee freundlich
Genf -1°C 3°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer recht sonnig
Lugano 0°C 8°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten