Fussball: Das unerwünschte Freundschaftsspiel
publiziert: Dienstag, 29. Apr 2003 / 17:25 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 29. Apr 2003 / 17:52 Uhr

Das 55. Länderspiel zwischen der Schweiz und Italien hätte zu einem Fussballfest werden sollen. Das neue Stade de Genève ist seit Tagen ausverkauft, und die Fans freuten sich auf einen echten Test. Doch Italien rückt nur mit einem B-Team an.

Giovanni Trapattoni kommt nur mit einer B-Auswahl.
Giovanni Trapattoni kommt nur mit einer B-Auswahl.
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Die offizielle Einweihung der neuen Genfer Fussballarena in la Praille heute Abend um 20.45 Uhr betrachten die Azzurri lediglich als lästige Pflichtübung. Die Stars sagten Trainer Giovanni Trapattoni reihenweise ab; Vieri, Totti, Del Piero, Filippo Inzaghi, Nesta, Cannavaro, Zambrotta, Gattuso und zuletzt noch die beiden Torhüter Buffon und Toldo sagten "no". Sie führten Verletzungen und andere (fadenscheinige) Gründe an.

In Tat und Wahrheit hatten die hochbezahlten Stars keine Lust oder durften nicht mit der Nationalmannschaft spielen. Die Meisterschafts-Entscheidung in der Serie A und vor allem die Halbfinals in der Champions League mit Juventus, Inter und Milan haben absolute Priorität. Es geht um Millionen Franken und für einige Klubs auch um die Existenz.

Verschaukelte Fans

Nach dem Beginn des Vorverkaufs waren die 30 000 Eintrittskarten im neuen Stadion innert 48 Stunden weg. Statt Del Piero, Vieri, Totti, Nesta, Pippo und Co. sehen die einst erwartungsfrohen Fans nun lediglich Leute wie Abbiati, Ferrari, Grosso, Corradi und Legrottaglie. Auch sie spielen zwar in einer der stärksten Ligen der Welt und möchten sich zudem für das kommende EM-Ausscheidungsspiel am 11. Juni in Finnland empfehlen; aber sie sind eben nicht erste Wahl.

Die Zuschauer, die teures Eintrittsgeld, zahlten, sind verärgert. Der Besucher einer Oper will schliesslich auch nicht einen Stellvertreter für Luciano Pavarotti hören, selbst wenn er die selben Arien singt. Der Verzicht der Italo-Stars ist indes nicht ganz unverständlich. Ein Länderspiel kurz vor dem Ende einer langen, beschwerlichen Saison anzusetzen, war ungeschickt. Italiens Gazetten apostrophierten die Partie in Genf despektierlich als "das unnützeste Spiel des Jahrhunderts".

Alle folgten Kuhns Aufgebot

Seitens der Schweizer haben allerdings auch die Basler Spieler 50 Ernstkämpfe in den Beinen und sind trotzdem aber vollzählig erschienen. Nationalcoach Köbi Kuhn stellte erfreut fest, dass mit Ausnahme der tatsächlich verletzten Stéphane Henchoz, Raphaël Wicky und Remo Meyer alle Aufgebotenen seiner Einladung vorbehaltslos Folge leisteten. Das spricht für die Harmonie im Team.

"Ich werde Rücksicht auf die vielen Einsätze nehmen und einige Wechsel vornehmen", kündigte Kuhn an und warnt gleichzeitig: "Die Aufgabe wird für uns nicht leichter, wenn die Italiener nur mit einer zweiten Garnitur antreten. Sie verfügen über eine immense Auswahl von Klasseleuten." Kuhn hätte sogar lieber einige Stars auf dem Rasen gesehen, die ihre Kräfte schonen statt hungrige Spieler, die auf ihre Qualitäten aufmerksam machen wollen.

Seit sechs Spielen ungeschlagen

Die Schweizer Nationalmannschaft blieb in dieser Saison in sechs Spielen ungeschlagen. Sie führt mit acht Punkten aus vier Partien die Tabelle in ihrer EM-Qualifikationsgruppe an, und die Teilnahme an der Endrunde 2004 in Portugal ist nahe gerückt. Zudem überzeugte Kuhns Auswahl auch in den Testländerspielen gegen Österreich (3:2) und in Slowenien (5:1). "Die Mannschaft ist näher zusammengerückt, zeigt Willen und Einsatz und hat kontinuierlich spielerische Fortschritte gezeigt", lobt der Trainer, der seine Auswahl am langen Zügel führt. Kuhn: "Ich habe mich adaptiert, werde aber sofort wieder durchgreifen, wenn mein Vertrauen missbraucht werden sollte."

Dem Nationalcoach stehen im Gegensatz zum Spiel in Georgien wieder Torhüter Jörg Stiel und Verteidiger Ludovic Magnin zur Verfügung. Der Goalie von Mönchengladbach war beim 0:0 in Tiflis gesperrt, Magnin war verletzt und hat am Sonntag nach einer Pause von 105 Tagen wegen einer Knieentzündung mit Werder Bremen ein 15-minütiges Comeback gegeben.

"Meine Mannschaft steht bis auf zwei, drei Positionen", sagte Kuhn. Mehr wollte er am Dienstag noch nicht verraten. Offen ist wohl die Besetzung des Torhüterpostens. Pascal Zuberbühler vertrat Captain Stiel sowohl in Slowenien als auch in Georgien vorzüglich. Im Sturm ist der Servettien Léonard Thurre eine valable Alternative zu Stéphane Chapuisat und Alex Frei, der in Rennes nur sporadisch zum Einsatz gelangt. Schliesslich scheint ein Platz im Mittelfeld neben den gesetzten Ricardo Cabanas und Johann Vogel fraglich, zumal Raphaël Wicky fehlt. Kuhn wird wohl gleich zwei Möglichkeiten testen: Fabio Celestini (Marseille) und Mario Cantaluppi (Basel), eventuell kommt sogar der Grasshopper Christoph Spycher zu seinem Länderspiel-Debüt.

Viermal ohne Torerfolg

Die Bilanz der Schweiz gegen Italien ist schlecht. Acht Siegen und 19 Remis stehen 27 Niederlagen und ein negatives Torverhältnis von 64:103 in 54 Spielen gegenüber. In den letzten vier Duellen gegen die Squadra azzurra erzielte die Schweizer keinen einzigen Treffer. Zuletzt verscherzten sie sich die EM-Qualifikation im Juni 1999 unter Gilbert Gress mit dem 0:0 in Lausanne. Der letzte Erfolg liegt genau zehn Jahre zurück. Daran erinnert man sich aber gerne: Marc Hottiger markierte am 1. Mai 1993 den Treffer zum 1:0-Sieg in Bern und öffnete damit das Tor zur WM-Endrunde.

Vermutliche Startaufstellungen:

Schweiz: Stiel; Haas, Murat Yakin, Müller, Magnin; Cabanas, Vogel, Celestini/Cantaluppi; Hakan Yakin; Frei, Chapuisat.

Italien: Abbiati; Panucci, Ferrari, Legrottaglie, Grosso; Tommasi, Perrotta, Zanetti; Fiore/Di Natale; Corradi, Miccoli.

Schiedsrichter: Ledentu (Fr).

(Peter Wyrsch/Si)

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