Fussball: Das wichtigste Spiel seit acht Jahren
publiziert: Donnerstag, 9. Okt 2003 / 17:43 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 9. Okt 2003 / 20:21 Uhr

Das 20. Länderspiel unter Köbi Kuhn hat finalen Charakter. In der wichtigsten Partie seit acht Jahren fällt am Samstag ab 17.30 Uhr im Basler St. Jakob-Park die Entscheidung, ob die Schweiz zur EM fährt, in die Barrage muss oder ausscheidet.

Nationaltrainer Köbi Kuhn weist seinen Spielern den Weg zum Erfolg im wichtigsten Spiel der Qualifikation.
Nationaltrainer Köbi Kuhn weist seinen Spielern den Weg zum Erfolg im wichtigsten Spiel der Qualifikation.
Ein Sieg gegen Irland bringt die Schweiz an die EM-Endrunde nach Portugal, ein Remis mit Sicherheit zu zwei Entscheidungsspielen gegen einen anderen Gruppenzweiten, der Spanien oder Holland, aber auch Schottland oder Slowenien heissen könnte. Eine Niederlage würde wohl Platz 3 und das Ausscheiden bedeuten.

Vor acht Jahren schaffte es die Schweizer Nationalmannschaft unter Roy Hodgson erstmals aus eigener Kraft; sie fertigte am 11. Oktober 1995 Ungarn in Zürich mit 3:0 ab und qualifizierte sich für die EM-Endrunde 1996 in England.

Eine ganze Nation steckte im Freudentaumel. Vier Jahre zuvor hatten der Schweiz unter Ulli Stielicke in Bukarest gegen Rumänien (0:1) 19 Minuten zum grossen Wurf gefehlt.

Zweiter Matchball

Vor dem letzten Spieltag führt die Schweiz in der Gruppe 10 der EM-Qualifikation. Die beiden Favoriten Russland und Irland, immerhin WM-Teilnehmer 2002, liegen um je einen Punkt zurück.

Die SFV-Auswahl hat es also vor eigenem Anhang in den Füssen, als Gruppensieger zur EM-Endrunde nach Portugal zu fahren. Dazu muss sie den zweiten Matchball verwerten. Den ersten hat sie am 10. September in Russland (1:4) leichtfertig verschossen.

Nach den Rückschlägen im Test gegen EM-Titelverteidiger Frankreich (0:2) und gegen Russland ist zwar die Zeit der Euphorie vorbei, das Klima im Umfeld der Nationalmannschaft etwas kühler geworden; verschiedene Aspekte verheissen jedoch neue Hoffnung.

Die Iren sind kein übermächtiger Gegner, obwohl sie seit dem Trainerwechsel von Mick McCarthy zu seinem ehemaligen Assistenten Brian Kerr in acht Spielen ungeschlagen sind. Die Schweiz hat Irland am 16. Oktober 2002 in Dublin durch Tore von Hakan Yakin und Fabio Celestini 2:1 bezwungen und berechtigte EM-Hoffnungen geweckt.

"Wir brauchen uns spielerisch und taktisch vor den Iren nicht zu verstecken", meint Köbi Kuhn zum grossen Showdown am Vortag seines 60. Geburtstags. "Wenn wir dem ´fighting spirit´ der Iren trotzen und mit genau so viel Einsatz, Stolz und Selbstbewusstsein um jeden Ball kämpfen, werden wir unseren grossen Traum erfüllen."

Rückkehrer und Kurskorrekturen

Anlass zu Optimismus gibt auch die wieder eingekehrte Ruhe in der Mannschaft. "Nur Bagatellen waren zu klären. Mich ärgerte einzig, dass diese an die Öffentlichkeit gerieten und derart aufgebauscht wurden", fand Kuhn. Er wird im entscheidenden Spiel wieder auf bewährte Kräfte zurückgreifen können, die in Russland fehlten.

Nach seinem Teilriss im Knie-Innenband wird Captain Jörg Stiel wieder zwischen den Pfosten stehen. Seinen verlängerten Arm zieht Kuhn dem Basler Pascal Zuberbühler vor. "Zubi" vermochte in Moskau nicht zu überzeugen. Bernt Haas, bei West Bromwich Albion Stammspieler, kehrt nach seiner Sperre auf die rechte Abwehrseite zurück.

Im Zentrum verteidigt Abwehrchef Murat Yakin mit Patrick Müller, mit dem er sich besser ergänzt als mit Stéphane Henchoz. Der Verteidiger von Liverpool hat zudem seit dem Spiel in Russland keinen Ernstkampf mehr bestritten.

Im Mittelfeld zeichnen sich zwei Änderungen ab. Raphaël Wicky vom Hamburger SV kehrt auf der linken Flanke ins Team zurück. Rechts wird Kuhn wohl erstmals von Beginn weg auf den Basler Benjamin Huggel setzen, der sich mit konstant starken Leistungen als Ersatz für den gesperrten Ricardo Cabanas aufgedrängt hat.

Huggel ist auch von seiner Statur und seinem Laufvermögen her prädestiniert, den kampfstarken Athleten von der Grünen Insel entgegen zu halten. Im defensiven Zentrum scheint Johann Vogel gesetzt, obwohl Fabio Celestini sicher eine Alternative wäre. Celestini wird aber auch als Reservist für Hakan Yakin gebraucht.

Im Sturm wird Kuhn mit Rennes´ Edelreservist Alex Frei, dem Goalgetter im Nationalteam (13 Tore in 21 Länderspielen), und mit Routinier Stéphane Chapuisat (21 Tore in 95 Länderspielen) beginnen. Als Joker hält Kuhn den Basler Shooting-Star und Nati-Neuling Marco Streller, den nationalen Torschützenleader, in der Hinterhand.

Zwei offene Fragen

Zwei personelle Fragen stellen sich dennoch: Wer verteidigt nach Ludovic Magnins verletzungsbedingtem Forfait (Muskelfaserriss) hinten links, und wird Spielgestalter Hakan Yakin, der Mann mit dem starken linken Fuss und dem oft genialen letzten Pass, rechtzeitig wieder einsatzfähig?

In der Verteidigung wird Kuhn wohl Bruno Berner dem Grasshopper Christophe Spycher vorziehen. Obwohl zuletzt wenig überzeugend und beim SC Freiburg nur mehr Einwechselspieler, scheint Kuhn dem Zürcher eher als am Rist lädierten Berner zu vertrauen.

Über Hakan Yakins Teileinsatz wird am Freitag nach der ersten Vollbelastung nach seinem Kapselbänderriss vor einer Woche entschieden. Kuhn und Yakin geben sich hoffnungsvoll, dass ein Start verantwortbar ist. "Entgegen ersten Prognosen rechne ich mit Hakan. Ich bin überzeugt, dass er spielen kann. Er setzt auch alles daran, dabei zu sein."

Die Frage wird sein, ob ein lädierter Hakan Yakin dem Schweizer Spiel die entscheidenden Offensivimpulse verleihen kann und wie lange sein verletzter und bandagierter linker Fuss die hohe Belastung aushält.

Aufgepaast auf Keane und Dunn

Die Iren sind bekannt für ihre Kampfkraft. Drei WM- und zwei EM-Teilnahme in jüngerer Vergangenheit sowie Platz 14 im FIFA-Ranking gegenüber Rang 44 der Schweiz zeugen dafür.

Die Stars im Team von Brian Kerr sind Tottenhams Stürmer Robbie Keane und Chelseas offensiver Aufbauer Damian Duff, der auch beim 1:1 Irlands gegen Russland der überragende Mann war. Robbie Keane ist nach einer im August erlittenen Knöchelverletzung rechtzeitig wieder zurückgekehrt. Eine leichte Blessur in der Kniekehle wird ihn nicht vom Comeback abhalten.

Fehlen werden der gesperrte Innenverteidiger Kenny Cunningham und Mittelfeldakteur Richard Dunne. Coach Kerr selbst, von einer leichten Grippe geschwächt, macht sich aber Sorgen über eine eventuelle Nominierung seines Sturm-Jokers Gary Doherty von Tottenham, der als Vorsichtsmassnahme wegen einer Blutinfektion für drei Tage in Spitalobhut weilte.

(von Peter Wyrsch, Feusisberg /Si)

 
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