Fussball: Die Juve und ein mögliches Double
publiziert: Montag, 26. Mai 2003 / 18:11 Uhr

Manchester ist am Mittwochabend gleichermassen Zentrum der europäischen wie der italienischen Fussball-Elite: Juve und Milan, die erfolgreichsten Serie-A-Vereine der letzten zwanzig Jahre, kämpfen um den Gewinn der Champions League.

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Auf nationaler Ebene schuf Juventus eine mehr als deutliche Differenz zum Herausforderer aus Mailand. Elf Punkte betrug der Vorsprung des mittlerweile 27-fachen Meisters am Ende. Wenigstens im Direktvergleich revanchierte sich die AC mit einem 2:1-Erfolg für das 1:2 in der Vorrunde. Eine zweite, ungleich wichtigere Revanche planen die Rossoneri im Nordwesten Englands.

Im Stadion Old Trafford, von den ManU-Anhängern gerne als "Theatre of Dreams" bezeichnet und von den italienischen Medien kurzerhand zur "Casa nostra" umbenannt, will die Mannschaft von Trainer Carlo Ancelotti die begehrteste Trophäe im Klubfussball zum sechsten Mal gewinnen. Den letzten ihrer bislang acht Finals verloren die Mailänder 1995 in Wien gegen Ajax, nachdem sie im Frühsommer zuvor den FC Barcelona 4:0 deklassiert hatten.

Der europäische Glanz ist seither - auf hohem Niveau allerdings - etwas verblasst, zumal mit Juve zwischen 1996 und 1998 ausgerechnet der schärfste Rivale aus dem eigenen Land dauerhaft ins Rampenlicht der Champions League drängte. Deshalb überraschte der Klubpräsident Silvio Berlusconi eigentlich niemanden, als er im letzten Sommer nach der spektakulären Verpflichtung von Weltmeister Rivaldo die Devise ausgab, dem Europacup die höhere Priorität als der Serie A beizumessen.

Berlusconi machte nie einen Hehl daraus, dass er sich lieber in internationalen Erfolgen sonnt. Gleichwohl forderte er von seinem hochdotierten Personal aber auch Siege im Championat. Und der Gewinn der weltweit beachteten Champions League würde dem italienischen Ministerpräsidenten gegenwärtig speziell zupass kommen. Seit Wochen ist der in der Regierung stark umstrittene Berlusconi in einen Prozess wegen Richterbestechung verwickelt - ein sportlicher Befreiungsschlag würde ihm fraglos gut ins Programm passen.

Ohne Herzstück Pavel Nedved

Im Drehbuch von Juventus-Regisseur Marcello Lippi ist logischerweise ein anderer Ausgang des Finals vorgesehen. Der Meistermacher, der sich zum Lachen ins Tiefgeschoss zurückzieht, führte die Bianconeri als grosser Stratege auf schmalem Grat zwischen Campionato und Europacup zum Treffen der Giganten nach Manchester. Sollte die Juve Milan in dieser Saison ein zweites Mal schlagen, gewänne der Verein aus dem Piemont erstmals das "grosse Double", den Meistertitel und den Europacup der Champions.

Einer kann zur Vollendung der Märchenstory keinen Beitrag mehr leisten: Pavel Nedved. Der tschechische Powerman fehlt beim Saisonhöhepunkt wegen einer Gelbsperre. Nedved fabrizierte Sturmläufe en masse, trieb Ball und Mitspieler an und unterstützte die Defensivabteilung wie kaum ein zweiter "Offensiver". Kurzum: Juve muss in England auf höchstmöglichem Niveau ohne sein Herzstück auskommen.

Gelingt es Lippi, ohne den im Prinzip unersetzlichen Tschechen den dritten Triumph zu realisieren, müssten sie ihrem Coach in Turin ein Monument in Stein meisseln. Dann erst wären die erfolgsverwöhnten Anhänger der Schwarzweissen zufriedengestellt. Der Gewinn der Meisterschaft lockt die Juve-Tifosi nämlich längst nicht mehr aus den Reserven. Nach knapp zwei Stunden verstummte der Meisterjubel in der Stadt bereits wieder.

Weit mehr bewegte in und ums Delle Alpi der grandiose Auftritt im zweiten Halbfinal gegen Real Madrid (3:1). In jener Partie erbrachte Juventus endgültig den Nachweis, Real ablösen zu können. Alessandro Del Piero und David Trezeguet sind Offensivkünstler von Traumformat, dahinter sind Spieler wie Davids, Tacchinardi, Zambrotta, Thuram und Birindelli, um nur einige aufzuzählen, Garant für Wucht und Präzision im gleichen Masse.

Demgegenüber steht ein Milan mit ähnlichen Vorzügen. Pippo Inzaghi, der vier Jahre lang in Turin stürmte, schoss inklusive der Qualifikation schon zwölf Tore, sein Pendant, der launische Ukrainer Andrej Schewtschenko, kann sich ebenso gegen jeden Verteidiger der Welt durchsetzen. Gennaro Gattuso setzt allein schon mit seinem unbändigen Siegeswillen Akzente. Und die Abwehr-Viererkette mit Kakhaber Kaladse, Captain Paolo Maldini, Alessandro Nesta und Billy Costacurta ist von einmaliger Qualität.

Kein Favorit eruierbar

Am Reissbrett lässt sich bei zwei Teams, die in den letzten zwanzig Jahren zwölfmal den Landestitel gewannen, ohnehin kein Favorit eruieren. Man kennt sich beidseits bestens. Geheimnisse gäbe es in der Tat keine mehr, den Gegner brauchten sie nicht mehr zu studieren, erklärte Lippi. Die Physis und die Verfassung im psychischen Bereich sei ausschlaggebend. Ancelotti, im Januar 1999 als Nachfolger Lippis nach Turin berufen, teilte diese Einschätzung. Kleine Fehler würden entscheiden.

Beide Coaches sind sich einig, dass sie mit diesem italienischen Klassiker in europäischem Rahmen nachhaltige Werbung für den Calcio betreiben können. Früher als erwartet erhält Fussball-Italien die Chance, den immensen WM-Frust aktiv zu bewältigen. Eine Million Fans wollten die Vergangenheitsbewältigung live vor Ort erleben. Bis zu 3500 Euro wurden für einen der 62 295 Plätze geboten.

Alle Finals seit Einführung der Champions League in der Saison 1992/1993:

1993, in München: OLYMPIQUE MARSEILLE - Milan 1:0. 1994, in Athen: MILAN - Barcelona 4:0. 1995, in Wien: AJAX AMSTERDAM - Milan 1:0. 1996, in Rom: JUVENTUS - Ajax Amsterdam 1:1 n.V., 4:2 n.P. 1997, in München: BORUSSIA DORTMUND - Juventus 3:1. 1998, in Amsterdam: REAL MADRID - Juventus 1:0. 1999, in Barcelona: MANCHESTER UNITED - Bayern München 2:1. 2000, in Paris: REAL MADRID - Valencia 3:0. 2001, in Mailand: BAYERN MÜNCHEN - Valencia 1:1 n.V., 5:4 n.P. 2002, in Glasgow: REAL MADRID - Bayer Leverkusen 2:1. 2003, in Manchester: Juventus - Milan.

(pt/Si)

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