Fussball: EM-Qualifikation, Italien in Wales unter Druck
publiziert: Montag, 14. Okt 2002 / 17:38 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 15. Okt 2002 / 17:33 Uhr

Mit 18 Spielen wird die EM-Ausscheidung am Mittwoch fortgesetzt. Neben dem Abschneiden der Schweiz in Irland und Russland - Albanien in derselben Gruppe ist das Interesse am 3. Spieltag auf Österreich - Holland und Wales - Italien fokussiert.

Oliver Kahn im Training der Deutschen Nationalmannschaft.
Oliver Kahn im Training der Deutschen Nationalmannschaft.

Nach dem 4:2-Sieg im Startspiel gegen Irland treten die Russen am Mittwoch um 17 Uhr in Wolgograd gegen Albanien als Favoriten zu ihrem zweiten Heimspiel in der "Schweizer Gruppe" an. Obwohl Regisseur Jegor Titow und Marat Ismailow erneut verletzt ausfallen, würde alles andere als ein Heimsieg überraschen, ist Albanien auswärts doch deutlich schwächer einzustufen als vor dem fanatischen eigenen Anhang.

Klassesturm auch ohne van Nistelrooy

Seit dem 2:0 am Samstag in Minsk gegen Weissrussland ist das Selbstvertrauen von Österreichs Teamkickern beträchtlich gewachsen. Ob der "Höhenflug" der verlustpunktfreien Schützlinge von Hans Krankl allerdings auch gegen Holland anhalten wird, erscheint fraglich. Obwohl Bondscoach Dick Advocaat mit Manchester Uniteds Torjäger Ruud van Nistelrooy (Oberschenkelblessur) ein Starstürmer fehlt, verfügen die Holländer zusammen mit Brasilien und Europameister Frankreich über das grösste Offensivpotenzial. Mit Patrick Kluivert (Barcelona), dem nach 35 Länderspiel-Toren nur noch zwei Treffer zur Einstellung des Rekords von Dennis Bergkamp fehlen, Jimmy Floyd Hasselbaink (Chelsea), Roy Makaay (La Coruña) und dem nachnominierten Pierre van Hooijdonk (Feyenoord) sind noch genügend Klassestürmer vorhanden.

Die Holländer geben sich im Vorfeld sehr arrogant: "Man braucht nur auf unsere Namen zu sehen, um zu erkennen, dass wir ein Topteam sind", meinte etwa Ronald de Boer. Der Konter von Österreichs Mittelfeldspieler Markus Schopp liess allerdings nicht allzu lange auf sich warten: "Diese Namen waren auch bei der WM-Qualifikation dabei." Die Oranjes fehlten bekanntlich bei der Endrunde in Südkorea und Japan.

Der italienische Spitzenref Pierluigi Collina pfeift das Spitzenspiel im mit 46 300 Zuschauern seit Tagen ausverkauften Ernst-Happel-Stadion. "Wenn da der Funke überspringt, ist auch gegen den übermächtigen Gegner einiges möglich", hofft Teamchef Krankl. Wie immer lässt er sich über eventuelle Änderungen der Aufstellung nicht in die Karten blicken. Ob Andreas Herzog vom Anpfiff weg dabei ist oder auch zu seinem 99. Länderspiel eingewechselt wird, liess der Teamchef offen.

Deutschland wieder mit Ballack

WM-Finalist Deutschland wird mit dem wieder genesenen Michael Ballack in Hannover gegen die Färöer-Inseln antreten. "Michael ist einer unserer wichtigsten Spieler. Er ist wieder in guter Verfassung und einsatzbereit", verriet Teamchef Rudi Völler. Nach seiner auskurierten Grippe soll Deutschlands "Fussballer des Jahres" ebenso wie seine Mittelfeldkollegen Dietmar Hamann und Bernd Schneider nach der miserablen Vorstellung der deutschen Auswahl am Freitag in Bosnien-Herzegowina (1:1) wieder für frischen Wind sorgen. Auch Christian Wörns, der in Sarajevo die Rote Karte gesehen hatte, wird in der Anfangsformation stehen, da er seine Sperre lediglich in einem Freundschaftsspiel (am 20. November gegen Holland) absitzen muss.

Italien und "Trap" unter Druck

Nach dem 1:1 gegen Jugoslawien sind die Rücktrittsforderungen an die Adresse von Italiens Nationaltrainer Giovanni Trapattoni wieder lauter geworden. "Als ich 40 war, habe ich auf Ergebnisse unterschiedlich reagiert. Heute bin ich ruhig. Ich schlafe nachts und sehe keine Gespenster", erklärte der frühere Meister-Coach von Bayern München vor dem Gruppenspiel der "Squadra Azzurra" in Wales. Der 63-Jährige fühlt sich auch der Rückendeckung seiner Spieler sicher: "Entweder sind sie alle Lügner oder fürchten die Konfrontation mit mir, oder aber sie haben wirklich keine Probleme."

Die Forderung nach seiner Ablösung durch seinen Vorgänger Dino Zoff bezeichnete Trapattoni als gezielte Stimmungsmache der Medien: "Die Wahrheit ist, dass die Journalisten am liebsten alle zwei Monate den Trainer wechseln würden." Italiens Sturmproblem ist mit dem Ausfall von Pippo Inzaghi (Fussverletzung) noch grösser geworden. Nach Christian Vieri und Francesco Totti fällt nun auch der Milan-Goalgetter in Cardiff aus.

Wales ist seit sechs Spielen ungeschlagen, hat u.a. auch Deutschland bezwungen (1:0), mit Argentinien remisiert (1:1) und sein Startspiel zur EM-Ausscheidung in Finnland mit 2:0 gewonnen. Mittelfeldspieler Robbie Savage spricht vom besten Wales seit der WM 1958, als die Viertelfinals erreicht wurden, und Manchesters Flügel Ryan Giggs spricht dem Team von Mark Hughes "Winnermentalität" zu.

(mk/sda)

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