Fussball-EM04: Prso - Vom Hallodri zum Helden
publiziert: Donnerstag, 10. Jun 2004 / 16:40 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 10. Jun 2004 / 23:35 Uhr

Er soff, paffte, frass. Seine grossen Auftritte hatte er eher in Nachtklubs als auf dem Fussballplatz. Doch für den ehemaligen Automechaniker Dado Prso gab es eine unglaubliche Wende. Er wurde vom Hallodri zum Fussball-Helden Kroatiens.

Prso erlebte bei Monaco einen kometenhaften Aufstieg.
Prso erlebte bei Monaco einen kometenhaften Aufstieg.
Mit knapp 30 Jahren hat der bullige Goalgetter von Kroatien als Spätzünder den Gipfel des Ruhms erklommen. Den Durchbruch schaffte der Mittelstürmer mit der Ponyfrisur just an seinem 29. Geburtstag.

Der kopfballstarke Sohn eines Taxifahrers schoss vier Tore für die AS Monaco im Champions-League-Gruppenspiel gegen Deportivo La Coruña. Ganz Europa wurde hellhörig auf den ballgewandten und torgefährlichen Mann aus dem Steuerparadies an der Côte d´Azur.

Und als dem beweglichen und beidfüssigen Prso auch in der EM-Barrage gegen Slowenien das entscheidende 1:0 in Ljubljana glückte, lag ihm ganz Kroatien zu Füssen.

Dado Prso, der einst vertriebene, verschmähte und als untauglich abqualifizierte Fussballer wurde zum Liebling in der Mannschaft des Schweizer Startgegners.

Kroatien hatte den "neuen Suker", den Nachfolger des WM-Helden von 1998, gefunden und das Vakuum in der Angriffssmitte gelöst.

Dem Alkohol verfallen

Als Dado Prso als 19-jähriger mit seiner Familie die Heimat wegen den politischen Unruhen im ehemaligen Jugoslawien verliess und in Frankreich eine neue Bleibe suchte und auch fand, hatte er einen dürftigen Karrierenstart im Jugendbereich hinter sich.

Als Junior wurde er bei Hajduk Split als unweglich und untalentiert beurteilt und in die Provinz Istriens zu Pazinka Pazin abgeschoben. "Damals war ich fett wie eine Schwein", blickt Prso auf seine Anfänge zurück.

Als seine Familie floh und er in der Normandie bei Rouen in der zweiten französischen Liga anheuerte, spülte sich der junge Prso seinen Frust mit Alkohol herunter und rauchte pro Tag zwei Pakete Zigaretten.

"Er wog um 100 kg, hatte keine Freundin und ging jeden Abend mit Freunden bis zum Morgengrauen aus", erinnert sich Daniel Zorzetto, sein damaliger Trainer in Rouen. Nach einer halben Stunde auf dem Rasen ging Prso die Puste aus, was angesichts seines Fitnesszustandes nicht verwunderte.

Der Wandel mit Carole

In Rouen veränderte sich aber das Leben des Luftibus. Prso fand mit seiner heutigen Gattin Carole die Frau fürs Leben. "Seither ging es im Priavtleben bergauf", erzählt er und weist stolz auf seine Tochter Nicoline (5) und seinen Sohn Lorenzo (3) hin.

Prso wagte mit der starken Frau an seiner Seite einen Neubeginn, der sich als die Rettung seiner Karriere erweisen sollte. Der Kroate dislozierte, zog ans Mittelmeer nach St.

Raphaël, wo sonst Touristen dem Müssigang frönen, verdingte sich beim dortigen Viertligisten und arbeitete nebenbei für einige Stunden in seinem erlernten Beruf als Automechaniker.

Dado, bis dato kein Kostverächter, wurde solide, speckte über 20 kg ab und trainierte fortan vorbildlich. Seine Ballfertigkeit und Schusstechnik, seine Schlitzohrigkeit und sein Torriecher blieben den Spähern von Monaco nicht verborgen. Sie lotsten ihn 1997 zu den Monegassen.

Hinter David Trezeguet und Thierry Henry war er aber - natürlich - zweite Wahl und wurde deshalb zur Reife an Ajaccio ausgeliehen, das er mit 21 Toren in 53 Spielen in die zweite Liga schoss. 1999 durfte Prso nach Monaco zurückkehren.

Der verletzungsbedingte Rückschritt

Doch der 187 cm grosse Mittelstürmer musste nochmals untendurch. Diemal aber unverschuldet und schicksalshaft. Monatelang klage er über Knieschmerzen, bis die Klubärzte im März 2002 eine Fehlstellung im rechten Bein zwischen Unter- und Oberschenkelknochen feststellten. Die Unterschenkelknochen mussten bei der Operation gebrochen werden.

"Die Chirurgen haben mir ein neues Bein geschaffen", bemerkt Prso heute mit einem Lächeln. "Ich musste zwar erst wieder lernen zu gehen und mich zu bewegen. Nun bin ich aber wieder gesund. Auch die leichte Knieverletzung, die mich in den letzten Wochen behinderte, ist bis Sonntag, bis zum Start gegen die Schweiz, ausgeheilt."

Die Zukunft in Glasgow

Inzwischen hat der Goalgetter, der sieben Tore in der "Königsliga" erzielte, die französische Staatsbürgerschaft erlangt, den Champions-League-Finalisten Monaco aber verlassen.

Trotz Top-Angeboten aus der Türkei (Galatasaray und Besiktas), zwei Spitzenklubs in Deutschland (Stuttgart, Leverkusen?) und einer neuen Zweijahres-Offerte von Monaco hat Prso den Monegassen den Rücken gekehrt.

Er unterschrieb einen millionenschweren Vertrag bis 2007 bei den Glasgow Rangers und geht nun in der schottischen Liga und weiter im Nationalteam Kroatiens auf Torjagd.

(von Peter Wyrsch/Si)

 
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