Fussball: Frischlinge verdrängen die schlappen Stars
publiziert: Montag, 28. Jun 2004 / 15:33 Uhr

David Beckham hat "bye bye" sagen müssen, Raul "adios", Zinedine Zidane und Thierry Henry "adieu", für Alessandro Del Piero, Francesco Totti und Christian Vieri sind "vacanze" angesagt. Die EM ist spektakulär und spannend, aber nicht das Turnier der Stars, die es prägen sollten und wollten.

In Portugal steht die Jugend im Rampenlicht. Weniger bekannte oder neue Leute, unverbraucht, unbekümmert, bisweilen erholt von einer Saison auf der Ersatzbank in ihren Klubs, prägen das Geschehen. Waren die Stars überfordert, dem Druck nicht gewachsen?

Auch, aber nicht nur, sagt Franz Beckenbauer. Es sei kein Zufall, dass die Mannschaften mit den vermeintlichen Helden bereits ausgeschieden sind, glaubt er. "Die Stars sind doch schon müde zur EM gekommen", stellte der "Kaiser" fest, und machte dafür die Dauer und die Intensität der abgelaufenen Saison verantwortlich: "Die machen ja 80 Spiele pro Saison."

Nur noch wenige Stars im Turnier

Vielleicht waren es nicht ganz so viele; aber Meisterschaft, Cup, Champions League und Nationalmannschaft - das zehrt. Die einzigen Hochkaräter, die ihre vaterländischen Pflichten noch erfüllen, sind Ruud van Nistelrooy, Pavel Nedved und mit Einschränkungen Luis Figo.

Der Holländer trug vier Tore zum Erreichen des Halbfinals bei, Europas Fussballer des Jahres führte Tschechien mit viel Power und Einsatz in die Runde der letzten Vier. Die Portugiesen nutzen offensichtlich den Heimvorteil, und bei den Griechen ist ohnehin das Team der Star, höchstens noch überstrahlt von Trainer Otto Rehhagel.

Figo gedemütigt

Cristiano Ronaldo, Baros, Arjen Robben: Ihr gemeinsamer (und kurioser) Vorteil ist es, im Klub keinen Stammplatz zu besitzen. Der Portugiese Ronaldo, 19 Jahre alt, trickreich, flink, ist ohne Mammutprogramm in den Knochen zur Euro gekommen. Bei Manchester United sass er oft auf der Bank; jetzt ist der schmächtige Jüngling mit den goldenen Schuhen noch frisch genug, um die müden Stars alt aussehen zu lassen.

Ronaldos Mannschaftskollege Luis Figo musste sich derweil demütigen lassen. Er wurde gegen England in der wichtigsten Phase der Partie ausgewechselt. Der für ihn aufs Feld gekommene Spieler schoss das eine Tor, und der Mann, der die Rolle als Inspirator übernahm, das andere. Figo, 31 Jahre alt, aber mit dem Gesichtsausdruck eines 40-Jährigen, bestritt für Real Madrid und Portugal in der abgelaufenen Saison 57 Spiele. Raul kam auf 55 Einsätze für Real und Spanien.

Knöchelbruch als Glücksfall

Für frischen Wind, spektakuläre Auftritte und entscheidende Tore sorgen in Portugal andere. Allen voran Baros (Tsch), 23 Jahre alt und beim FC Liverpool nur in 13 Partien in der Premier League eingesetzt. Grund war ein Knöchelbruch, der mit Verspätung zum Glücksfall wird: "Für uns ist es gut, dass er so wenig gespielt hat. Jetzt ist er wenigstens fit und nicht so müde wie ich", sagte Teamkollege Tomas Rosicky.

Arjen Robben, 20 Jahre alt und Hollands neuer Liebling neben van Nistelrooy, bestritt mit PSV Eindhoven nur 25 Meisterschafts-Partien und rannte auch in der zweiten Verlängerung gegen Schweden noch wie aufgezogen über den Platz.

Robbens Schweizer Vereinskollege Johan Volanthen, 18 Jahre alt und vier Tage nach Englands "Teenager-Sensation" Wayne Rooney der jüngste Euro-Torschütze aller Zeiten mit seinem Treffer gegen die Franzosen, wurde im PSV-Team 19-mal eingewechselt.

Noch unverbraucht

Angelos Charisteas, der Griechenland in den Halbfinal schoss, war bei Werder Bremen ebenfalls nicht überbeschäftigt: 24 Einsätze in der Bundesliga, wovon 17-mal eingewechselt.

Die einen sind frisch und unverbraucht, andere schienen gerädert und dem Zusammenbruch nahe angesichts des grossen Erwartungsdrucks. Beckham? Popstar, als Captain überfordert und Penalty-Versager bei den Engländern. Rooney? Vier Treffer, 18 Jahre alt, unbekümmert, seinen Insinkten gehorchend, noch unverbraucht. Noch.

(rp/Si)

 
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