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Fussball: Hoppers wankten, stürzten aber nicht
publiziert: Sonntag, 25. Mai 2003 / 17:22 Uhr

Derweil Basel in Genf problemlos 4:0 siegte, nahm GC im eigenen Stadion gegen Wil einen sehr langen Anlauf zum budgetierten Erfolg. Dank Richard Nuñez, der prägenden Figur der spektakulären zweiten Hälfte, liegen die minimen Vorteile weiterhin in den Händen der Stadtzürcher.

Richard Nunez beim Abschluss.
Richard Nunez beim Abschluss.
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Marcel Koller beschrieb den Verlauf der unerwartet schwierigen Heimpartie treffend als "Tal- und Bergfahrt". Bis zur 52. Minute und dem 0:2 hatte sich der Meisteranwärter in der Tat vollends in ein dunkles Tal manövriert. "Weil wir bis dahin unglaubliche Fehler begangen haben. Fehler, die wir in der gesamten Saison nicht gemacht haben", forschte Koller nach dem Grund für den (temporären) Absturz. Den Ort der Fehlerquelle mochte er nicht beim Namen nennen -- erst wolle er das Video studieren, erklärte Koller.

Zum Vorteil Kollers und seiner Equipe endete die Fahrt ins Bodenlose nach Bruno Sutters zweitem Treffer dann allerdings. Nicht weil die Wiler sich nun plötzlich in trügerischer Sicherheit wähnten, sondern weil Mladen Petric endlich ins Spielgeschehen eingreifen durfte. Den Kroaten auf der Bank zu belassen und stattdessen auf die Wucht Barijhos zu setzen, war gewiss ein Fehler. Strafraumszenen hatte sich Koller vom ungelenken Argentinier erhofft. Zu sehen bekam er einen Spieler, der kaum einen Ball kontrollieren konnte. Voll von Willen zwar, aber technisch auf diesem Niveau schlicht ungenügend.

Für "Szenen" sorgte ein anderer: Richard Nuñez, der Künstler, der Skorer, der Mann der entscheidenden GC-Tore. Den Ausgleich besorgte der Uruguayer im Alleingang, nach Petrics siegbringendem 3:2 krönte er seine One-Man-Show mit dem 4:2. Er, Petric und der brasilianische Flügelsprinter Eduardo waren die Autoren der Wende zum Guten. Sie verhinderten einen veritablen Bergsturz der GC-Seilschaft, sorgten mit ihrem Genie dafür, dass die Gipfelspitze wieder in Sichtweite rückte.

GC-Sportchef Mathias Walther will in der Art und Weise des späten Umschwungs gar "den entscheidenden Kick im Meisterendspurt" wahrgenommen haben. "Wir haben nach einer unbrauchbaren ersten Hälfte Stärke bewiesen und werden in Bern nun mit noch mehr Selbstvertrauen den Titel anpeilen", präsentierte sich Walther siegesgewiss. Wer mochte es ihm verargen. GC hatte zwar bedrohlich gewankt, vom obersten Podium sind die Zürcher gleichwohl auch in der 35. Runde nicht gefallen.

"...jetzt wird es interessant"

Die "Tal- und Bergfahrt" der Grasshoppers hat beim Konkurrenten FCB 300 Kilometer westlich im Stade de Genève erstaunlich wenige emotionale Schwankungen verursacht. Trainer Christian Gross war schon vor der Partie sicher, der Umschwung im Titelkampf würde zu Gunsten seiner Equipe allenfalls in der letzten Runde herbeigeführt werden. Der Zürcher traute seinem Ex-Verein Wil offensichtlich bei seinem Ex-Verein GC keinen Punktgewinn zu. "Als es dann 2:0 für Wil stand, dachte ich für kurze Zeit aber doch: jetzt wird es interessant", sagte Gross hinterher mit einem Schmunzeln.

Wie es seine Art ist, sprach Gross aber lieber über seine eigene Mannschaft, die konzentriert, engagiert und toll gespielt und deswegen das Championat bis zur letzten Runde offen gehalten habe. "Jetzt kommt es zum grossen Showdown in den letzten 90 Minuten einer langen Saison. Und das haben sich doch alle so gewünscht." Die grossen Emotionen sparten sich die Bebbi also für den nächsten Samstag auf; dann werden beim FCB im Heimspiel gegen Xamax mit Sicherheit auch die Zwischenstände von der GC-Partie in Bern für einige Gefühlseruptionen sorgen.

von Sven Schoch und Stefan Wyss

(bert/Si)

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