Fussball: Lehrstunde vom Europameister
publiziert: Mittwoch, 20. Aug 2003 / 23:37 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 21. Aug 2003 / 21:00 Uhr

Das freundschaftliche Stelldichein mit Nachbar Frankreich verkam für die Schweizer Nationalmannschaft im ausverkauften Stade de Genève zur eindrücklichen Lehrstunde. Der Europameister begnügte sich indes mit einem knappen 2:0-Erfolg.

Ricardo Cabanas gegen Zinedine Zidane.
Ricardo Cabanas gegen Zinedine Zidane.
Die Gegentore durch den sehr starken Sylvain Wiltord (13.) und den nach der Pause eingewechselten Steve Marlet (55.) waren für die krass überlegenen Gäste eine zu magere Ausbeute.

"Les Bleus" beeindruckten in Genf durch ihre Spielfreude und die unglaubliche Leichtigkeit bei der Ballbehandlung. Sie waren stets einen Schritt schneller als die immer stärker verunsicherten Schweizer und waren ihnen auch in physischer Hinsicht deutlich überlegen.

Der Konföderationen-Cupsieger dieses Sommers demonstrierte auf eindrückliche Weise, weshalb er in seiner EM-Ausscheidungsgruppe in fünf Spielen noch keinen Punkt abgeben musste und nächsten Sommer in Portugal erster Anwärter auf den neuen Europameistertitel sein dürfte.

Aus Schweizer Sicht gab es in dieser einseitigen Partie lediglich zu loben, dass sich das Team von Köbi Kuhn nie aufgab und sich bis zum Schlusspfiff gegen eine höhere Niederlage stemmte.

Die durch das aggressive Forechecking der Franzosen konstant überlastete Schweizer Hintermannschaft sah sich ausserstande, auch noch ihren Anteil am Spielaufbau zu leisten. Dadurch hing das Schweizer Team in offensiver Hinsicht völlig in der Luft.

Drei gute Tormöglichkeiten waren die magere Ausbeute der Einheimischen: In der 41. Minute prüfte Murat Yakin, der sich zur Pause auswechseln liess, Goalie Fabien Barthez mit einem tückischen Freistoss aus 28 Metern. Nach 64 Minuten zischte ein Scharfschuss von Fabio Celestini knapp am Franzosen-Tor vorbei.

Die beste Aktion verzeichnete Debütant Benjamin Huggel sieben Minuten vor Schluss: Eine präzise Flanke von Milaim Rama, der ebenfalls seinen Einstand im Schweizer Team gab, schloss der Basler mit einer wuchtigen Direktabnahme aus sieben Metern ab. Barthez vermochte mit viel Mühe in Corner zu klären.

Hätten die Franzosen ihre Tormöglichkeiten alle verwertet, es hätte wohl eine höhere Niederlage abgesetzt als beim 0:4 vor über 26 Jahren am selben Ort.

Zum Glück zeigte sich der Gegner als anständiger Gast. Eine Kanterniederlage für die Schweiz wäre im Hinblick auf das EM-Qualifikationsspiel in drei Wochen in Moskau im dümmsten Moment gekommen.

Herausragender Zidane

Magistral gelenkt und geführt wurde der vor einem Jahr brutal entthronte Weltmeister vom herausragenden Zinedine Zidane.

Omnipräsent auf dem Platz, unnachahmlich in der Ballbehandlung und meisterlich in der Übersicht war der Superstar von Real Madrid vor allem in der ersten Halbzeit das Eintrittsgeld alleine wert.

Als Zidane im Laufe der zweiten Hälfte wie die meisten Topstars der Gäste vom Platz ging, wurde das Spiel der Franzosen weniger zwingend und häuften sich die Spielanteile der Schweizer, die nun vermehrt in der Platzhälfte des Gegners anzutreffen waren.

Stark neben Zidane waren auch Torschütze Wiltord, Patrick Vieira im defensiven Mittelfeld, der souveräne Rekord-Internationale Marcel Desailly sowie dessen Verteidigerkollegen Mikaël Silvestre und Bixente Lizarazu.

Celestini auf Yakin-Position

Das Spiel der Schweizer wurde nach der Pause besser: Trainer Kuhn hatte den vorher wirkungslosen Ricardo Cabanas aus dem Mittelfeld-Zentrum nach rechts aussen beordert und Fabio Celestini nach innen auf die Position des verletzten Hakan Yakin gewechselt.

Der Captain von Marseille gewann dadurch merklich an Einfluss auf das Schweizer Spiel und hätte mit seinem Scharfschuss (64.) beinahe Erfolg gehabt. Eine ansprechende Leistung zeigten Lyon-Verteidiger Patrick Müller, Liverpool-Söldner Stéphane Henchoz und der in der zweiten Halbzeit für Jörg Stiel eingewechselte Patrick Zuberbühler.

Gegen den flachen Direktschuss von Fulham-Stürmer Marlet zehn Minuten nach dessen Einwechslung vermochte aber auch "Zubi" nichts auszurichten.

Etwas unglücklicher hatte sein Vorgänger beim ersten Gegentor von Wiltord ausgesehen: Stiel war dem heranbrausenden Wiltord nach einem Zidane-Steilpass entgegengeeilt, verpasste aber den Ball, weil der Arsenal-Stürmer ihn mit seinem gestreckten Bein täuschte.

Stiel vermochte den Ball auch im zweiten Versuch -- am Boden liegend -- nicht zu behändigen und musste danach machtlos zusehen, wie Wiltord ihn aus sieben Metern ins leere Tor schoss.

Stimmen zum Spiel

Köbi Kuhn (Schweizer Nationalcoach): "Wir haben nicht auf dem höchsten Niveau gespielt. Aber gegen eine der besten und technisch versiertesten Mannschaften war es schwierig.

Frankreich hat gross aufgespielt. Unsere Niederlage ist aber nicht so schlimm. Wir sind insgesamt besser gestanden als zum Beispiel in der EM-Qualifikation gegen Russland oder Albanien.

Aber es ist klar, wir müssen noch besser werden. Cabanas hatte es nicht einfach, die Rolle von Hakan Yakin zu übernehmen. Ich bin mit ihm zufrieden, aber er kann es sicher noch besser. Auch mit Remo Meyer auf der rechten Seite bin ich vor allem in der zweiten Halbzeit sehr zufrieden. "

Zinedine Zidane (Frankreich): "Für uns war es ein gutes Spiel, wir können zufrieden sein. Die Leute hatten Freude am Spiel. Ich persönlich habe mich heute erstmals seit langem in der Nationalmannschaft wieder in Form gefühlt.

Das Wichtigste war aber, dass sich die Mannschaft gut gefühlt hat. Die Schweizer haben bis am Schluss gekämpft und gut gespielt. Aber sie hätten manchmal etwas mehr für das Spiel machen können."

Jacques Santini (Trainer Frankreich): "Ich weiss diesen Erfolg gegen eine Schweizer Equipe, die defensiv über eine sehr gute Ordnung verfügte, zu würdigen. Mein Team hat einige interessante Spielzüge in der Offensive gezeigt. Ich habe auch die Gewissheit, dass ich im Moment über ein breites Kader verfüge und nicht nur über elf konkurrenzfähige Spieler. Das ist günstig im Hinblick auf die EM-Qualifikations-Spiele."

Schweiz - Frankreich 0:2 (0:1)

Stade de Genève. -- 30 000 Zuschauer (ausverkauft). -- SR Allaerts (Be). -- Tore: 13. Wiltord 0:1. 55. Marlet 0:2.

Schweiz: Stiel (46. Zuberbühler); Meyer, Henchoz, Murat Yakin (46. Zwyssig), Berner; Celestini (77. Wicki), Vogel (86. Cantaluppi), Müller (77. Huggel); Cabanas; Frei, Chapuisat (46. Rama).

Frankreich: Barthez; Thuram (61. Sagnol), Desailly (77. Boumsong), Silvestre, Lizarazu; Vieira (46. Pedretti), Dacourt (84. Dabo); Wiltord (69. Cissé), Zidane (69. Giuly); Trezeguet (61. Pires), Henry (46. Marlet).

Bemerkungen: Schweiz ohne Hakan Yakin und Magnin (beide verletzt); Frankreich ohne Mexès (verletzt) und Makelele (Verzicht). Nicht eingesetzte Schweizer: Haas, Huggel, Cantaluppi, Wicky. Nationalmannschafts-Debüts von Milaim Rama (Thun) und Benjamin Huggel (Basel). Celestini nach der Pause auf der Position von Cabanas. 76. Zuberbühler lenkt Schuss von Pedretti an die Latte.

(von René Baumann, Genf /Si)

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