Fussball: Lizenz für Wil, Sion zwangsrelegiert
publiziert: Mittwoch, 4. Jun 2003 / 16:45 Uhr

Die Rekursinstanz hat entschieden: Wil erhält die NLA-Lizenz, Baden und Winterthur wurde in zweiter Instanz die NLB-Lizenz zugesprochen, Sion hingegen wird in die 1. Liga relegiert.

Dr. Eugen Mätzler: Präsident der Rekurskommission.
Dr. Eugen Mätzler: Präsident der Rekurskommission.
Die Walliser, die vor einem Jahr zusammen mit Lugano und Lausanne bereits in die Nationalliga B zwangsrelegiert worden waren, steigen wegen unklarer finanzieller Situation und deutlicher Überschuldung in die 1. Liga ab. La Chaux-de-Fonds profitiert vom Zwangabstieg Sions und steigt als knappster Verlierer der 1.-Liga-Finals in die zweithöchste Spielklasse auf.

Rekurskommission bedroht

Die Rekursinstanz für die Lizenzen ist vom FC Sion bedroht worden. Präsident Eugen Mätzler sagte an der Medienorientierung in Bern: "In einem Brief, unterzeichnet von Sions Präsident Jean-Michel Bianchi, sind uns Konsequenzen in Form einer Strafklage angedroht worden, falls Sion die Lizenz nicht erhält." Ein Anwalt soll nun gegen die vier Kommissionsrichter (drei West- und ein Deutschweizer) rechtliche Schritte auf privater Basis einleiten.

Wil erhielt die Lizenz mit der Auflage, bis am 31. Dezember 2003 nicht mehr Schulden als 500 000 Franken aufzuweisen. Die Überschuldung am 30. Juni 2003 beträgt 375 000 Franken. Sämtliche Saläre, Restanzen an andere Klubs sowie soziale Abgaben wurden beglichen.

Wil konnte alle benötigten Dokumente für die Lizenzerteilung unterbreiten und leistete sämtliche geforderten Zahlungen oder unterbreitete Garantien. Das Budget von 4,2 Millionen für die nächste Saison scheint realistisch.

Die Einnahmen konnten um rund zwei Millionen gesteigert, die Ausgaben dafür um 1,5 Millionen verringert werden. Mätzler: "Vor allem die Kosten für die erste Mannschaft wurden deutlich reduziert. Zudem haben wir die Liquidität geprüft und auch Einsicht in Verträge genommen."

UBS-Verzichte entscheidend

Entscheidend war wohl die doppelte Verzichtserklärung der UBS nach den von Ex-Präsident veruntreuten 10,5 Millionen Franken, die in den FC Wil flossen. Eugen Mätzler erklärte, dass die Grossbank auf alle Gelder seit der Bekanntgabe der Unterschlagungen von Andreas Hafen am 15. November 2002 verzichte.

Zudem konnte Wil ein Schreiben vorlegen, dass garantiert, dass die UBS für die Saison 2003/2004 keinen Regress fordert. Somit bleibt Luzern in der Nationalliga B und steigt nicht wieder, wie im Vorjahr, am "Grünen Tisch" auf.

Baden und Winterthur wurde die NLB-Lizenz ohne Auflagen erteilt. Geschützt wurde zudem der Rekurs des FC St. Gallen gegen eine Auflage in der bereits in erster Instanz gewährten NLA-Lizenz. Die Ostschweizer dürfen nun bei ihrem Sitzplatzverkauf fürs neue, geplante Stadion 250 000 Franken mehr budgetieren.

Die Beschlüsse der Lizenzkommission für die Saison 2003/2004 unter der Leitung des St. Gallers Eugen Mätzler sind endgültig. Während die Rekurskommission im Vorjahr 12 Lizenzfälle in zweiter Instanz zu beurteilen hatte, lagen nun lediglich deren vier vor.

Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass endlich rigoros durchgegriffen wird. Dass Wil in der vergangenen Saison aber erstinstanzlich eine Lizenz erhielt, bleibt ein Skandal, lagen doch damals wesentliche Unterlagen nicht vor.

Sion trafs zum zweiten Mal

In der Geschichte des Schweizer Fussballs wurden vor einem Jahr erstmals Nationalliga-A-Vereine zwangsrelegiert. Sion ist nun der sechste NLB-Verein, der zurückgestuft wurde.

1995 wurden Bellinzona und Grenchen zurückversetzt, 1992 der SC Zug und Malley, und ein Jahr zuvor Montreux. Der FC Lugano und Lausanne-Sports sind in dieser Saison Konkurs gegangen, Wettingen ging zehn Jahre zuvor Bankrott und unternahm in der 5. Liga einen Neubeginn.

Gesamtbild als Entscheidungsgrundlage

Eugen Mätzler betonte, dass das Gesamtbild für die Lizenzvergabe entscheidend gewesen sei und bei einer ausgewiesenen Überschuldung ein Ermessensspielraum bestehe. Zwischen Basel mit einem 50-Millionen-Budget und Thun mit einem Drei-Millionen-Etat muss unterschieden werden. Drei Bücherexperten und fünf Juristen haben die Rekurse eingehend geprüft. Im Wesentlichen wurden folgende Punkte im Detail untersucht: Unbezahlte Spielersaläre, AHV- und BVG-Beiträge, Überschuldung, Budgets und Liquidität.

Sions mangelnde Transparenz

Sion wurde die Lizenz wegen unklarer Situation und mangelnder Transparenz verweigert. Niemand konnte feststellen, wie hoch die Verschuldung tatsächlich ist. Am 31. März betrug der Verlust angeblich 500 000 Fr., Ende Saison jedoch bereits über eine Million. Zwei Verlustscheine von je 150 000 Fr. liegen vor, Forderungen an die AG in der Höhe von 628 000 Fr., das Transfergeld von 300 000 Fr. an Kriens für den Wechsel von Maurizio Melina usw. Mätzler: "Sion konnte einfach den Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nicht erbringen. Es fehlten Sicherheit und Garantien."

Diese konnten Baden und Winterthur erbringen. Die Aargauer reduzierten ihr Soll unter 100 000 Franken und haben acht von neun Betreibungen bezahlt. Zudem wurde das Budget nochmals reduziert. Winterthur wies wie letztes Jahr eine Überschuldung von 2,5 Mio. auf, wird aber Ende Juni nach bestätigtem Nachlassvertrag schuldenfrei sein, was glaubhaft versichert wurde. Mätzler: "Winterthur hat deshalb 700 000 Franken hinterlegt und ein Fehlbetrag von 400 000 Franken fürs Budget der nächsten Saison wurde bei der Nationalliga deponiert."

Lizenz ab 2006 nur noch an schuldenfreie Vereine

Ab 2006, so versicherte Natinalliga-Direktor Edmond Isoz, wird keine Überschuldung mehr toleriert. Letztmals hat die unabhängige Rekurskommission unter dem Vorsitz von Eugen Mätzler, der in den "Fällen" von Wil und St. Gallen in den Ausstand trat, gewirkt. Künftig wird eine Expertengruppe innerhalb der Nationalliga das Lizenzierungsverfahren führen und nicht nur finanzielle, sondern auch infrastrukturelle Kriterien nach UEFA-Vorschriften prüfen.

(bsk/Si)

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