Fussball: Ohne Angst ins Stadion gehen
publiziert: Dienstag, 23. Dez 2003 / 09:00 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 28. Dez 2003 / 00:30 Uhr

Das Verhalten der Schweizer Fussballfans bei Auswärtsspielen ist schlechter geworden. Das musste die Swiss Football League (SFL) zur Kenntnis nehmen und hat deshalb eine Task Force ins Leben gerufen.

Rolf Suter wünscht sich Fans, die ihre Mannschaft in einem fairen Rahmen an Spiele mitbegleiten.
Rolf Suter wünscht sich Fans, die ihre Mannschaft in einem fairen Rahmen an Spiele mitbegleiten.
Rolf Suter, Stellvertretender Direktor und Sicherheitsberater der SFL, ist Mitglied dieser Arbeitsgruppe. Er initiert ein zweigleisiges Vorgehen: präventiv und repressiv.

Die Situationseinschätzung des Stellvertreters von Edmond Isoz, Direktor der SFL, fällt nüchtern aber deswegen nicht weniger hart aus.

"Fussball ist das Spiegelbild der Gesellschaft und Spitzensport ist eine Plattform, um zerstörerische Tendenzen auszuleben." In der Hinrunde der Saison 2003/04 hat sich das vor allem bei Auswärtsspielen gezeigt.

GC-Antrag

Nun wurde, auf Antrag des Grasshopper-Club Zürich, die Task Force ins Leben gerufen. Sie steht unter der Leitung von Peter Stadelmann, Vizepräsident der SFL und Vorstandsmitglied beim FC St. Gallen, und hat den Auftrag das Reglement praxisbezogen zu überarbeiten, um diese negative Entwicklung zu stoppen.

Massgebend für das Verhalten der Fans ist "Artikel 18a des Sicherheitsreglements". Darin sind unter anderem die Pflichten des Gastclubs geregelt.

Wenn dieser "minimale Kriterien" nicht erfüllt, kann er bestraft werden. Allerdings bezahlt zur Zeit meist der Heimclub Bussen, selbst wenn die Organisation alles unternommen hat, um Fanprobleme zu verhindern.

Vorstoss des FCZ

Der Grund ist ein Vorstoss des FC Zürich. Das Fehlverhalten deren Fans in Luzern wurde mit einer Strafe von 3000 Franken geahndet und der Verein ging vor das Schiedsgericht. Dieses attestierte den Zürchern "beschränkte Einflussmöglichkeit in fremden Stadien" und hob die Busse auf.

Darüber hinaus argumentierten die Vertreter des FCZ: "Nicht jeder, der einen blau-weissen Schal trägt, ist Mitglied des Vereins und wir haften nur für Mitglieder." Genau hier liegt das Problem: Gästefans können sich auswärts schlechter benehmen als bei Heimspielen und ihr Verein kommt ohne Strafe davon.

Die Task Force hat sich als Ziel gesetzt, in den Stadien einen Standard einzuführen, damit sich Matchbesucher wieder sicher fühlen können. Dazu muss das Reglement angepasst werden und dieser Weg soll zweigleisig sein: "Wir wollen präventive und repressive Massnahmen einführen. Eine funktionierende Lösung gibt es nur, wenn diese Massnahmen harmonieren."

Mehrere Möglichkeiten

In der Praxis gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Kontakt zwischen Fans und Vereinen müsse verbessert werden, damit sie sich als Partner sehen, denn nach Ansicht Suters entstanden die inoffiziellen Fanclubs erst, als die Zeit der repressiven Politik begonnen hatte. Gleichzeitig könne die Videoüberwachung verbessert und gezielter als Instrument gegen Hooligans eingesetzt werden.

Als kurzfristige Massnahme kann sich Suter die Aufhebung verschiedener, praxisfremder Verbote auf Beginn der Rückrunde vorstellen. Nach dem Reglement sind Holz- und Metallstangen ab 50 Zentimeter untersagt, doch eigentlich seien gerade diese im Ernstfall handlicher und damit gefährlicher als die langen Stangen.

Für Suter ist zudem denkbar, dass vor dem Spiel wieder ein kontrolliertes Abbrennen von Feuerwerk erlaubt wird. Selbst die Aufhebung des Megaphon-Verbotes hält er für möglich. Allerdings nur unter der Bedingung, dass der Einsatz kontrolliert geschieht.

Gesetzverschärfung

Sollten diese Erleichterungen die Situation nicht verbessern, hätte Suter keine Probleme mit einer Verschärfung der Gesetze gegen Hooligans.

Die ist aus Gründen des Datenschutzes jedoch umstritten. "Eine Lockerung würden helfen Stadionverbote in die Praxis umzusetzen", argumentiert der Sicherheitsbeauftragte der SFL.

Dieser Aspekt müsse ebenfalls hinsichtlich des Internetmissbrauchs beachtet werden. "Fanclubs" vereinbaren nämlich ihre "Treffs" häufig über das Internet.

Deshalb appelliert Suter an Politik und Datenschützer, bei ihren Überlegungen auch die Interessen des Fussballs zu berücksichtigen.

Massnahmen wie sie in England und Frankreich angewendet werden, gehen Suter allerdings zu weit. Wer in England Stadionverbot hat, muss sich vor dem Spiel bei der Polizei melden und während des Spiels auf der Wache bleiben.

Drakonische Strafen

In Frankreich können Fans, welche den Rasen betreten oder beim Abspielen von Nationalhymnen pfeifen mit einer Busse oder mehreren Monaten Gefängnis bestraft werden. Hinsichtlich der Euro 2008 befürwortet Suter allerdings das in England ebenfalls bekannte Reiseverbot für Hooligans.

Doch eigentlich spricht Suter ungern über Kontrolle und Strafen. Er sähe es lieber, wenn sich die Fans in Eigenverantwortung dafür einsetzen, dass ihr Ruf sich verbessert.

"Die Vereine müssen mehr mit den Fanclubs reden und sie in die Organisation einbinden", fordert der Sicherheitsverantwortliche. "Fanwesen und Sicherheit auf dem Platz lassen sich nicht trennen!"

Er würde er es gerne sehen, wenn bei den Clubs eine qualifizierte Person speziell dafür geschult und eingesetzt würde. Um das Argument "so etwas kostet Geld" erst gar nicht aufkommen zu lassen, wäre es für Suter denkbar, diese Ausbildungen mit den Bussen jener Vereine zu finanzieren, deren Fans weiter für negative Schlagzeilen sorgen.

Sollte es so weitergehen, wäre das auch kein Problem. In der Saison 2001/02 kamen nämlich über 200 000 Franken in die Kasse der SFL und das meist durch Gastvereine.

Erste Arbeits-Ergebnisse der Task Force erwartet Suter nach der Sitzung Ende Januar. Dann sollen konkrete Massnahmen beschlossen werden. Allerdings können Änderungen am Reglement nur an der Generalversammlung der SFL vorgenommen werden.

Um über Korrekturen zu entscheiden gibt es jedoch ein zweites Szenario: Die Vereinen führen eine schriftliche Abstimmung durch. Das ginge erheblich schneller und würde dem Ernst der Lage gerecht werden.

Mitglieder der Task Force "Sicherheit":

Robert Breiter (Schweiz. Fussballverband), Odilo Bürgy (Präsident der Disziplinarkommission Swiss Football League), Peter Landolt (Event-Manager Grasshopper-Club Zürich), Markus Laub (Geschäftsstellenleiter FC Basel), Christian Python (Sicherheitsbeauftragter "Stade de Genève"), Urs Scherrer (Vizepräsident FC Zürich), Michel Schmid (Sekretär FC Sion), Peter Stadelmann (Vizepräsident Swiss Football League und Vorsitzender der Task Force), Rolf Suter (Stellvertretender Direktor/Sicherheitsbeauftragter Swiss Football League), Hanspeter Vetsch (FC Thun),Christoph Vögeli (Leiter der Schweizerischen Zentralstelle Hooliganismus), Siegfried Wagner (Securitas AG), Urs Wyss (CEO Grasshopper-Club Zürich), Josef Zindel (Medienbeauftragter FC Basel)

(tr/fussball.ch)

 
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