Fussball: SFL gelangte an das Bundesgericht
publiziert: Donnerstag, 23. Okt 2003 / 20:30 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 23. Okt 2003 / 20:52 Uhr

Die Swiss Football League (SFL) gibt Sion (noch) kein grünes Licht für die Challenge League. Im Gegenteil: sie hat beim Bundesgericht ein Begehren um aufschiebende Wirkung der superprovisorischen Verfügung des Walliser Kantonsgerichts deponiert.

Darf der FC Sion in die Challenge League?
Darf der FC Sion in die Challenge League?
Parallel dazu ist eine weitere Rekurskommission eingesetzt worden, die bis am kommenden Dienstag, 28. Oktober, über die Vergabe einer Lizenz an den FC Sion entscheiden soll.

Hält diese Instanz, die von Beat Schnider (Grasshoppers) präsidiert wird und der auch Mathieu S. Jaus (FC Basel) sowie Enea Petrini angehören, dieses Datum ein und erteilt sie den Wallisern die Lizenz, kann der FC Sion am Tag darauf -- wie es die superprovisorische Verfügung fordert -- mit der Meisterschaft beginnen.

Eine ausserordentliche Generalversammlung, die für oder gegen Sions Teilnahme an der zweithöchsten Spielklasse entscheidet, wäre dann nicht einmal mehr nötig.

"Sion hätte in diesem Fall die beiden Voraussetzungen erfüllt, die es zur Spielberechtigung in der Challenge League braucht.

Die sportliche Voraussetzung haben sie Ende der letzten Saison geschafft (Sion spielte in der Auf-/Abstiegsrunde -- Red). Und die Lizenz hätten sie dann auch erhalten", erklärte Peter Stadelmann, der Vizepräsident der SFL.

Die 16 Vereine der Challenge League haben zudem bei einer Sitzung am Mittwochnachmittag ohnehin ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, Sion in die Liga zu integrieren.

Zwölf Partien bis Weihnachten

Einen entsprechenden Spielplan hat die SFL längst ausgearbeitet. Sion würde sein Pensum mit über dreimonatiger Verspätung mit dem Heimspiel gegen Challenge-League-Aufsteiger Bulle in Angriff nehmen. Bis zur Winterpause hätte der zweifache Schweizer Meister insgesamt zwölf Partien zu absolvieren.

Die Walliser würden Hin- und Rückspiele gegen Baden (3. und 26. November), Kriens (6. und 17. November), Luzern (9. und 12. November), Vaduz (3. und 10. Dezember) und Bellinzona (6./7. und 13./14. Dezember) austragen sowie je eine Partie gegen eben Bulle (29. Oktober) und Meyrin (20. November) absolvieren.

Lizenzerteilung hin oder her: Für Sions Präsident Christian Constantin ist klar, dass seine Equipe auf jeden Fall am kommenden Mittwoch das erste Spiel in der Challenge League absolviert. "Die superprovisorische Verfügung vom Walliser Kantonsgericht ist klar abgefasst. Am 29. Oktober spielen wir im Tourbillon gegen Bulle."

Anders sieht es Stadelmann. "Wenn das Bundesgericht betreffend der superprovisorischen Verfügung eine aufschiebende Wirkung gewährt, und Sion bis am 29. Oktober die Lizenz noch nicht oder nicht erhalten hat, wird im Wallis nicht gespielt." Ob das höchste nationale Gericht in Lausanne die aufschiebende Wirkung gewährt, wird man in Kürze erfahren. "Das Bundesgericht entscheidet jeweils in wenigen Tagen, manchmal sogar innert Stunden", sagte Stadelmann.

"Sion war nicht kooperativ"

Weniger schnell zu einem Entscheid gelangt jeweils die Rekursinstanz für Lizenzen -- dies jedenfalls hat der "Fall Sion" in den letzten Monaten gezeigt.

Den Vorwurf, die SFL und die Rekursinstanz(en) hätten träge gehandelt oder sich sogar absichtlich passiv verhalten, wies Stadelmann vehement zurück. Sion wäre gemäss dem St. Galler Anwalt selber Schuld, sollte es zeitlich mit der Lizenzerteilung bis am 29. Oktober nicht reichen. "Sion hat gegen die Herren Schnider, Jaus und Petrini ein Ablehnungsbegehren gestellt. Dieses wurde zwar abgelehnt, hat die Sache aber auch verzögert." Sion habe sich einfach in einigen Situationen zu wenig kooperativ gezeigt und damit der eigenen Sache geschadet.

Materiell gibt Stadelmann den Wallisern indes gute Chancen, die Lizenz zu erhalten. "Es sieht so aus, als sei die vom 3. Schiedsgericht verlangte Bank-Garantie in der Höhe zwischen 500 000 und 700 000 Franken gewährleistet. Die Rekursinstanz weiss nun genau, worauf sie achten muss und was zu tun ist." Am 28. Oktober weiss man mehr, aber vielleicht noch immer nicht alles.

Die Berg- und Talfahrt des FC Sion

4. Juni 1997: Der FC Sion wird zum zweiten Mal Schweizer Meister und holt sich vier Tage später unter Trainer Alberto Bigon mit dem neunten Cupsieg sogar das Double.

Herbst 1997: Präsident Christian Constantin will in die Champions League und spielt "alles oder nichts". Es wird "nichts", denn Sion hat kein Losglück und scheitert in der Qualifikation an Galatasaray Istanbul. Der Spielbetrieb mit der teuren Mannschaft lässt sich ohne die budgetierten (!) Einnahmen aus der Königsklasse nicht finanzieren. Trainer Bigon wird im September entlassen, Constantin tritt per Ende 1997 ab und hinterlässt Schulden in der Höhe von rund 15 Millionen Franken.

1998: Der schwerwiegendste Sanierungsfall im Schweizer Sport wird durchgespielt. Sion rettet sich dank eines Nachlassvertrages.

1999: Die Saison endet mit einem sportlichen Desaster. Sion steigt überraschend in die Nationalliga B ab. Immerhin gibt es neben dem Platz Hoffnung. Der angeblich schwerreiche Kameruner Gilbert Kadji präsidiert Sion und bringt (viel) Geld und einige afrikanische Spieler ins Wallis.

2000: Es geht (sportlich) wieder aufwärts: Unter Henri Stambouli schafft Sion den sofortigen Wiederaufstieg und qualifiziert sich problemlos für die Finalrunde der NLA. Trotz des Engagements von Kadji bleibt aber die finanziellen Situation schlecht und wenig transparent.

2001: Kadjis Bemühungen, den Klub an einheimische Investoren zu übergeben, scheitern mehrmals. Unter Coach Laurent Roussey etabliert sich Sion in der nationalen Spitze und erreicht erneut ohne (sportliche) Sorgen die Finalrunde.

Frühjahr 2002: Kadji hat kein Geld mehr und Leistungsträger müssen verkauft werden. Sion holt in der Finalrunde lediglich vier Punkte. Der Tiefpunkt folgt im Juni. Während die Fussball-Welt nach Japan und Südkorea schaut, erhält Sion keine Lizenz für die NLA und wird zwangsrelegiert.

Herbst 2002: Trotz sehr kleinem Budget und der Qualifikation für die Auf-/Abstiegsrunde wird die erste Saisonhälfte defizitär. Jetzt kann offenbar nur noch einer Sion retten: Christian Constantin. Der ehemalige Präsident verschafft den Fans Gratiseintritt zu den beiden letzten Heimspielen. Gegen Lausanne strömen kurz vor Weihnachten über 10 000 Zuschauer ins Tourbillon.

Februar 2003: Constantin ist endgültig wieder der starke Mann bei Sion. Er gründet die "Olympique des Alpes SA", die für den Profibetrieb zuständig ist und schiesst mehrere hunderttausend Franken als Startkapital ein. Die Saläre der Spieler übernimmt ebenfalls Constantin.

30. April 2003: Die Lizenzkommission verweigert Sion die Lizenz zur zweithöchsten Spielklasse. Die Walliser rekurrieren gegen den Entscheid, den (noch) niemanden in Sion beunruhigt.

15. Mai 2003: Die ausserordentliche Generalversammlung bestätigt die Macht Constantins und der "Olympique des Alpes SA". Der Regent aus Martigny zeigt sich zum Kompromiss bereit: vorläufig soll der Klub den Namen "FC Sion" behalten und die Heimspiele in der Hauptstadt, im Stade de Tourbillon, austragen -- sofern die Stadt die Kosten übernimmt.

> 28. Mai 2003: Die Stadt Sion weist die Unterstützungsforderungen von Constantin zurück. Von Interesse ist im Wallis indes vorerst vor allem der bevorstehende Entscheid der Rekurskommission.

4. Juni 2003: Die Rekursinstanz bestätigt den Lizenz-Entscheid der Lizenzkommission. Sion droht den Kommissionsrichtern mit einer Strafklage.

11. Juli 2003: Das SFV-Schiedsgericht hebt den Entscheid der Rekurskommission wegen formellen Mängeln auf.

17. Juli 2003: Constantin übernimmt im Sittener Konkursbüro einen Schuldschein von über 600 000 Franken für lediglich 50 000 Franken. Gläubiger soll ex-Präsident Gilbert Kadji gewesen sein. Durch diesen Schachzug Constantins sinken die Schulden des FC Sion markant; Constantin ist zuversichtlich, dass die Neubeurteilung der "Akte Sion" nun positiv ausfällt.

28. Juli 2003: Trotz des juristischen Winkelzuges von Constantin: die Rekursinstanz urteilt wieder gegen Sion und verweigert den Wallisern die Lizenz zum zweiten Mal. Constantin kündigt darauf an, seine Mannschaft weder in der 1. Liga noch im Cup antreten zu lassen.

29. August 2003: Das 2. SFV-Schiedsgericht hebt den 2. Entscheid der Rekursinstanz nicht auf, denn es befindet, die Rekursinstanz unter dem Präsidium von Eugen Mätzler sei in der Sache nicht befangen gewesen.

30. September 2003: Das Walliser Kantonsgericht lehnt das Begehren Sions nach einer superprovisorischen Verfügung zur sofortigen Teilnahme an der Challenge League ab.

3. Oktober 2003: Das 3. SFV-Schiedsgericht hebt den Entscheid der Rekursinstanz vom 28. Juli auf. Verfahrensregeln seien nicht eingehalten worden. Zudem habe die Rekursinstanz den ihr zustehenden Ermessensspielraum bei der Festsetzung der zu leistenden Garantiesumme für die Lizenzerteilung überschritten. Die Hoffnung in Sion lebt wieder.

10. Oktober 2003: Durch den Entscheid des 3. SFV-Schiedsgerichts hat sich die Ausgangslage für Sion positiv verändert. Constantin zieht den Fall erneut vor das kantonale Gericht und will wieder eine superprovisorische Verfügung erlangen.

21. Oktober 2003: Das kantonale Gericht hat das zweite Gesuch Sions zur Integration in die Challenge League gutgeheissen. Das Gericht bewertete das abwartende Verhalten der Swiss Football League (SFL) als Missbrauch des Kartellgesetzes und forderte die SFL mit einer superprovisorischen Verfügung auf, bis spätestens am 29. Oktober alle Massnahmen zu treffen, um Sion provisorisch für die Meisterschaft zuzulassen.

23. Oktober 2003: Die SFL gibt bekannt, dass sie an das Bundesgericht gelangt ist, um aufschiebende Wirkung der superprovisorischen Verfügung des Walliser Kantonsgerichtes zu erlangen. Bis am 28. Oktober soll die 3. Rekursinstanz unter dem Vorsitz von Beat Schnider über die Lizenzerteilung Sions entscheiden.

(von Stefan Wyss, Bern/Si)

 
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