Fussball: Tschechiens einsilbiger Coach
publiziert: Montag, 28. Jun 2004 / 17:32 Uhr

Karel Brückner trainiert die begeisterndste Mannschaft der EM und lässt sie spektakulären Offensiv-Fussball spielen. Auf dem medialen Parcours geht der Coach der Tschechen jedoch nie zum Angriff über. Er diktiert den Journalisten ausschliesslich Einsilbiges in die Notizblöcke.

Die Versuche Brückner zum Reden zu bringen sind fehlgeschlagen.
Die Versuche Brückner zum Reden zu bringen sind fehlgeschlagen.
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Die Tschechen haben sich in Portugal das Image von Langsamstartern zugelegt. Nie lagen sie schon zur Pause in Führung; acht der zehn Tore fielen in der zweiten Halbzeit. Brückner wendet derweil diese Taktik im Interviewraum nicht an. Der 64-jährige Liebhaber klassischer Musik bleibt dem Adagio stets treu, so auch nach dem 3:0 im Viertelfinal am Sonntagabend gegen Dänemark. Eindrücke aus einer Pressekonferenz im Stakkato, und von Versuchen, Brückner zum Reden zu bringen.

Versuch I: Brückner soll sich als 3:0-Sieger zum Thema "Weshalb haben wir gewonnen?" in eine redseelige Laune sprechen.

Herr Brückner, Ihre Mannschaft hat erneut eine Partie erst nach der Pause entschieden. Ist das Taktik oder Zufall?

Karel Brückner. "Ich sage den Spielern immer ´ihr müsst nicht am Anfang gut sein. Wichtig ist, dass ihr am Schluss noch genügend Kraft habt.´"

Aber ist es so einfach? Gibt es nicht auch andere Gründe? Heute war Ihr Team auch spielerisch gut.

Brückner: "Ja, heute war weniger die Kraft entscheidend. Wir waren wirklich gut."

Können sie ein bisschen mehr ins Detail gehen. Was waren die Ursachen für den klaren Erfolg?

Brückner: "Es geht im Fussball nicht darum, was die Ursache für ein Resultat war. Entscheidend ist, ob das Resultat stimmt oder nicht. Wenn wir gewinnen, ist das ein Triumph. Wenn wir verlieren, ist es eine Tragödie. Es geht darum, ob ich im Himmel oder in der Hölle bin."

Die grosse Differenz zu Dänemark hat trotz allem erstaunt...

Brückner: "Die Differenz war heute gross. Das könnte morgen schon anders sein."

Was wollen Sie damit sagen?

Brückner: "Jede Partie ist anders. Wenn man zweimal gegen den gleichen Gegner spielt, gibt es nicht zweimal das gleiche Spiel."

Versuch I fehlgeschlagen. 1:0 für Brückner.

Die Partie gegen Dänemark ist Vergangenheit. Aber vielleicht hat Brückner über die Zukunft etwas zu sagen.

Versuch II: Über den nächsten Gegner Griechenland hat Brückner sicher viel zu erzählen.

Herr Brückner, was wissen Sie über den Halbfinal-Gegner Griechenland?

Brückner: "Die Griechen haben eine gute Verteidigung."

Kennen Sie einige Spieler der Griechen? Ist Ihnen einer an diesem Turnier speziell aufgefallen?

Brückner: "Ich kenne einige Spieler aus meiner Zeit, als ich die tschechische U21-Mannschaft betreut habe. Da haben wir mal gegen die Griechen gespielt."

An wen erinnern Sie sich besonders?

Brückner: "..."

Versuch II fehlgeschlagen. 2:0 für Brückner.

Brückner liebt also weder die Spielanalyse, noch die Beurteilung des nächsten Gegners.

Versuch III: Für den Mann des Abends, Doppeltorschütze Milan Baros, hat Brückner sicher ein Loblied parat.

Herr Brückner, Milan Baros spielt eine hervorragende EM. Bisher hat nur Michel Platini an einer Endrunde mehr Tore erzielt als er. Was sagen Sie über ihn?

Brückner: "Ich schaue von Spiel zu Spiel. Daher interessieren mich nur seine Tore am heutigen Abend. Diese waren sehr wichtig für uns."

Überrascht es Sie, dass er nach der langen Verletzung jetzt so gut in Form ist?

Brückner: "Nein, das überrascht mich nicht."

Versuch III fehlgeschlagen. 3:0 für Brückner.

Und jetzt, schon nach wenigen Minuten, nimmt die Pressekonferenz ein sehr schnelles Ende. Der Medienchef wendet sich an die Journalisten: "Hat jemand noch Fragen an Herrn Brückner?" Betretenes Schweigen. Brückner steht auf und verlässt schmunzelnd den Saal. Auch dieses (Nach-)Spiel hat er gewonnen.

(bert/Si)

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