Fussball: Wenn Dominatoren leiden und Underdogs feiern
publiziert: Donnerstag, 18. Mrz 2004 / 15:43 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 18. Mrz 2004 / 20:23 Uhr

Zürich eins, Basel null. Zum ersten Mal konnte am Mittwochabend in der Super League ein so genannter "Kleiner" dem FCB ein Bein. Nicht nur auf dem Rasen wurde um Sieg und Niederlage gekämpft: Auf der Tribüne trat der FCZ-Underdog-Fan gegen den FCB-Dominator-Fan an.

Suter ist keiner der Verbissenen mehr. Sicher, früher, da stand er jeweils in der Muttenzerkurve und hat sich die Seele aus dem Leib geschrieen, wenn der Schiedsrichter gegen "seinen" FC Basel entschied. Heute hat er immer noch seine Saisonkarte. Aber nun sitzt er auf der Haupttribüne. Er hat sich ja schliesslich auch weiter entwickelt.

Trotzdem ist er auf dem Letzigrund, als der FC Zürich den FC Basel empfängt. Beruflich verbringt er sowieso mehr Zeit an der Limmat als am Rhein, da kann er seinen Geschäftsabend gut einmal im Stadion beschliessen. Dass seine Arbeitskollegen Notz und Huber unverbesserliche FCZ-Nostalgiker sind, macht es ihm noch einfacher. Er hofft, die beiden mit ein paar hämischen Bemerkungen ärgern zu können.

Irritierende Underdog-Fans

So sitzt Suter also auf den alten Holzbänken und muss mit ansehen, wie die Rotblauen unten auf dem grünen Rasen gegen die Blauweissen den Kürzeren ziehen. Leicht irritiert bemerkt er, wie Notz und Huber in den letzten Minuten keine Sticheleien mehr von sich geben, sondern nur noch mit ihrem Team mitfiebern, schreien, leiden und sich schliesslich mit dem Abpfiff in den Armen liegen.

Und während sich die Stimme des Speakers ob dem "historischen Sieg über den zukünftigen Meister" überschlägt, kommt Suter plötzlich ins Grübeln. Wann hatte er sich zuletzt so über einen Sieg in einem ganz normalen Saisonspiel gefreut? Ein 1:0 über den FCZ, das wäre in Basel doch das Normalste der Welt.

Dabei kannte er die Gefühle seiner Kollegen, die nun trotz Krawatte und Anzug völlig euphorisiert in der Flachpass-Bar "ihren" Lucien Favre hochleben liessen – den Trainer, der im Winter kurz vor der Entlassung gestanden war. Suter erinnerte sich, wie einst ein Kopfball Marco Walkers in der 90. Minute zum 1:0-Sieg über GC das alte Joggeli zum Kochen gebracht hatte.

Wer wenig hat, darf feiern

Wer wenig hat, der darf sich eben umso mehr darüber freuen, einem Grossen eins ausgewischt zu haben. Und die FCZ-Fans feierten gerade das Zusammenfallen von Ostern und Weihnachten. GC geschlagen, den FCB besiegt und das innerhalb von vier Tagen!

In Basel dagegen sind die Zeiten als Underdog vorbei. Ein 2:2 gegen die Grasshoppers wird als Ärgernis empfunden, ein 1:1 gegen Thun als Beleidigung. Auch wenn der St. Jakob-Park immer voll war – für eine derart unbändige Freude, wie er sie im Letzigrund rund um sich sehen konnte, war doch mehr nötig, als ein 1:0. Um Siege wird nicht mehr gebangt, sie sind alltäglich geworden und werden schlicht erwartet. Cupfeiern, Meistertitel sind Pflicht.

Wehmut des Dominator-Fans

Beinahe wäre Suter ein bisschen wehmütig geworden, während Notz und Huber den Abstand des FCZ zum Uefa-Cup-Platz ausrechneten. Aber dann durchzuckte ihn ein tröstender Gedanke. In der nächsten Saison wartet ja wieder die Champions League auf den FC Basel. Und da kann sie auch der FCB ausleben, diese Freude, als Nobody den Übermächtigen ein Bein zu stellen.

Gelöst lächelnd stiess Suter mit Zürchern auf deren Sieg an: Ihm die Champagnerlaune in der Champions League und ihnen die einfachen Bierfreuden des Underdogs. Die Welt war für Suter wieder in Ordnung.

(von Florian Raz, Sportredakteur Baslerstab/news.ch)

 
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