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Fussball: YB auf bestem Weg zu alten, erfolgreichen Zeiten
publiziert: Freitag, 31. Okt 2003 / 16:15 Uhr / aktualisiert: Samstag, 1. Nov 2003 / 16:26 Uhr

Vier Tage nach dem 193. Zürcher Derby zwischen dem FCZ und GC (0:2) steigt am Sonntag am Thunersee das 6. Berner Derby zwischen Thun und den Young Boys. YB ist als Tabellenzweiter Favorit und träumt wieder von alten, erfolgreichen Zeiten.

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"Ä rächte Bärner Giel, dä het zu YB", hiess einst der Song im ganzen Bernerland, als YB Ende der 50-er-Jahre die nationale Szene beherrschte und vier Titel in Serie sammelte. Aber seit seit dem 2. Platz in der Saison 1992/93 ging es mit dem Traditionsklub vom Wankdorf ständig bergab.

Siebenmal in Folge bestritt YB die Abstiegsrunde, zweimal musste sogar der bittere Gang in die Nationalliga B angetreten werden. Doch seit dem neuen Jahrtausend "geits wider d´Stäge uf". "Wir sind wieder wer auf Schweizer Fussballplätzen", stellt YB-Trainer Hans-Peter Zaugg fest. "Der momentane 2. Platz ist zwar auch für mich überraschend. Wir wollten diese Saison nur um die Ränge 3 bis 5 mitspielen. Gerne profitieren wir aber von der Schwäche von GC."

Gerne würde YB den 2. Platz verteidigen, der zur Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League berechtigt. "Er würde uns neue Perspektiven eröffnen und den notwendigen Kick geben, um in zwei Jahren im neuen Stadion wirklich Spitzenfussball zu spielen", ergänzt Zaugg.

Vier YB-Siege in Serie

Vor dem Gang zum Kantonsrivalen Thun, der den "grossen Bruder" vor fünf Monaten erstmals mit 4:2 bezwang, haben die Young Boys vier Siege in Serie errungen. "Unsere verbesserte Zusammenarbeit wird belohnt. Wir vermochten die Defensive zu stabilisieren und haben vor dem 5:3 am Mittwoch gegen Aarau in sechs Spielen nur drei Verlusttore einstecken müssen. Das verlieh uns Sicherheit. Und vorne ist unser Trio jederzeit für Tore gut."

Der Routinier des Sturmtrios ist der zehnfache Meisterschaftstorschütze Stéphane Chapuisat (34), der sich zum Abschluss seiner Karriere gerne mit einem Champions-League-Platz für YB und der EM-Teilnahme mit der Schweiz in Portugal verabschieden würde.

Der Zuzug des Brasilianers Leandro von Xamax erwies sich -- insbesondere zu Saisonbeginn -- als Glücksgriff. "Mit dem Zuzug von Giallanza sind wir noch unberechenbarer geworden", fährt der YB-Trainer fort, der nach 1 1/2 Jahren bei GC in Zürich (Meistertitel in seinem ersten Trainerjahr) und einer eher unglücklichen Saison in Luzern nach Bern wechseln durfte. "Chapuisat und Leandro sind ähnliche Stürmertypen. Sie haben den Ball gerne am Fuss. Giallanza ist aber ein Antreiber und Brecher. Mit ihm habe ich bessere Varianten."

YB (fast) ohne Ausländer

Der Aufschwung der Young Boys kommt umso überraschender, als der elffache Meister (zuletzt 1986) fast ohne Ausländer auskommt. Leandro war zuletzt lediglich Einwechselspieler, der Nigerianer Patrick ist weiterhin verletzt, und der Togolese Sadik Coubageat fasst erst jetzt allmählich Fuss.

Zaugg hält viel vom 21-jährigen Bruder des Servette-Goalgetters Mohammed Kader. "Er ist technisch stark, ballsicher, clever, und er kann das Spiel lesen. Von seinem Beinbruch hat er sich gut erholt. Letzte Saison hatte er kein einziges Spiel bestritten."

Noch einen Spieler hebt Zaugg aus seinem zusammengewachsenen Ensemble heraus: Nicolas Kehrli. Der 21-jährige Student, ein Bruder von Yverdons Stürmer Raphael Kehrli, hat sich enorm gesteigert. Er ist zu einer festen Grösse in der Berner Innenverteidigung geworden. "Er ist kopfball- und zweikampfstark, intelligent und für sein Alter sehr selbstsicher", rühmt ihn sein Trainer und sieht seine Ansicht in dessen Aufgebot für die Schweizer U20-Auswahl bestätigt.

"Ich möchte aber nicht einzelne Exponenten besonders hervorheben, für uns spricht das Kollektiv. Ich habe 15, 16 Mann, die zu unserem Stamm gehören. Und unsere Entwicklung ist nicht abgeschlossen. Wir müssen weiter hart an uns arbeiten und stets kämpfen. Obwohl wir in Thun Favorit sein werden, wird nur bedingungsloser Kampf zu Punkten führen. Derbys sind Derbys. Thun wird besonders motiviert sein, uns ein Bein zu stellen."

Bidu in Bern daheim

Der 52-jährige Hans-Peter Zaugg, den alle seit seiner Jugendzeit im Berner Tscharnergut in Bümpliz nur "Bidu" nennen, ist bei YB daheim. "In Bern fühle ich mich ausgesprochen wohl. Es war mein Bubentraum, als Berner einmal YB zu trainieren. Der Verein hat Tradition, treue Fans und Perspektiven. Diese bis zum Einzug ins neue Stadion im Jahr 2005 zu erfüllen, ist meine persönliche Zielsetzung."

Tabelle der Axpo Super League nach 15 Runden:

1. Basel 15 14 1 0 47:12 43 2. Young Boys 15 10 1 4 30:21 31 ----------------------------------------------- 3. Servette 15 8 4 3 31:24 28 ----------------------------------------------- 4. Aarau 15 5 5 5 25:26 20 5. St. Gallen 15 5 5 5 21:23 20 6. Grasshoppers 15 5 1 9 22:31 16 7. Neuchâtel Xamax 15 4 3 8 18:24 15 8. Thun 15 3 6 6 16:29 15 ----------------------------------------------- 9. FC Zürich 15 3 2 10 20:25 11 ----------------------------------------------- 10. Wil 15 2 4 9 18:33 10

(von Peter Wyrsch /Si)

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