Fussball: Zauberer trifft auf Ikone
publiziert: Donnerstag, 10. Jun 2004 / 23:31 Uhr

"Becks" und "Zizou" -- David Beckham und Zinedine Zidane sind die berühmtesten und bekanntesten Fussballer der Gegenwart. Am Sonntagabend kommt es im Estadio da Luz in Lissabon zum Duell der beiden Lichtgestalten von England und Frankreich.

Die beiden Giganten, beide Mittelfeldspieler und Klubkollegen bei Real Madrid, ziehen die Massen wie Magnete an. Auch für die Schweizer Fussballer wird es eine besondere Ehre sein, diesen beiden Superstars in den EM-Gruppenspielen gegenüberzustehen.

Ikone Beckham

David Beckham, 29, und seit 1997 verheiratet mit Victoria Adams von der ehemaligen weltberühmten Popgruppe "Spice Girls", ist als erster Fussballer zum globalen Popstar aufgestiegen. Er spielt spätestens seit seinem Transfer im Sommer 2003 für rund 55 Millionen Franken von Manchester United zu den "Königlichen" von Real Madrid in einer Liga mit Ikonen wie Marylin Monroe oder Charlie Chaplin.

Mit einem Jahreseinkommen von 35 Millionen Franken, inklusive aller Werbeeinnahmen, ist der exzellente Flankengott und Freistoss-Spezialist der bestverdienende Fussballer der Welt. Der Krösus unter den Balltretern ist aber auch wegen seiner privaten Liaison und Eskapaden zum berühmtsten Sportler der Welt geworden, den jedes Kind auf dem gesamten Erdball erkennt und der in Asien in Tempeln verehrt wird. Ohne Bodyguards und sonstige Sicherheitsvorkehrungen kann sich Beckham nirgends wohin bewegen.

Aufgewachsen in einem kleinen Reihenhaus in einem Vorort in den nördlichen Siedlungsausläufen von London, interessierte sich Klein-Becks für die Schule nicht. Seine Welt war der Fussball.

Unermüdliches Training

Unermüdliches Training mit seinem geliebten Ball zeichnete ihn früh aus und machte ihn zu einem, vielleicht sogar zum besten Rechtsfüsser der Welt. Mit 16 zog der Sohn einer Coiffeuse und eines Monteurs für Einbauküchen zu Manchester United, wo man den fröhlichen und offenherzigen Teenager schnell akzeptierte und förderte.

Inzwischen hat seine Laufbahn allerhand Kapriolen geschlagen. Noch nie hat "Becks" ein erfolgreiches Endrunden-Turnier bestritten. In der Heimat wurde er an der WM 1998 für seinen bösen Tritt gegen den Argentinier Diego Simeone und für die berechtigt eingehandelte Rote Karte an den Pranger gestellt und als Verräter getadelt.

Zwei Jahre später an der EURO 2000 konnte er das vorzeitige Aus Englands nach den Gruppenspielen nicht verhindern. An der WM 2002 scheiterten die Briten im Viertelfinal an Brasilien. Beckham vermochte erneut keine Glanzlichter zu setzen, weil er offensichtlich nicht ganz fit war. Jetzt hat er sich eine Zyste im Rücken entfernen lassen und soll alle Kritiker und Neider Lügen strafen.

Wie der beste Werbeträger und Verkäufer der Fussballbranche mit dem Druck fertig wird, der tonnenschwer auf ihm lastet, ist bewundernswert. "Und", so bemerkte sein Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson, "Becks ist viel flinker als viele meinen und läuft unheimlich viel. Er führt sich nicht als Superstar auf und stellt seine Fähigkeiten in den Dienst des Kollektivs. Er ist ein totaler Profi und sich nicht zu gut, auch mal schmutzig zu werden."

Zauberer Zidane

Nein, er heisst nicht David Copperfield, sondern Zinedine Zidane, ist Franzose, nicht Amerikaner und liebt Glamour wenig. Am 23. Juni, zwei Tage nach dem Gruppenspiel zwischen der Schweiz und Frankreich in Coimbra, wird der in Marseille geborene Sohn algerischer Einwanderer 32-jährig. Zidanes Karriere neigt sich dem Ende entgegen.

Den Rücktritt aus dem Nationalteam, des EM-Titelverteigers hat er schon angekündigt. Zidane, die Spielerpersönlichkeit im Mittelfeld schlechthin, lebt weit weniger exzentrisch als Beckham. Seine immense Popularität hat er sich als genialer und bescheidener Ballzauberer verdient.

Zidane ist am Ball ein Phänomen. Er scheint mit ihm zu kokettieren, ihn mit dem Fuss, dem Körper oder dem Kopf zu streicheln, zu liebkosen und tanzt seine Gegner mit seinen Tricks und seiner Leichtfüssigkeit aus. Der dreifache Weltfussballer, in der Weltrangliste der Einkommensskala hinter Beckham und Ronaldo mit 22 Millionen Franken pro Jahr "nur" als Nummer 3 geführt, geniesst im französischen Team auf den Flanken alle Freiheiten, um seine Inspiration einfliessen zu lassen und Angriffszüge zu inszenieren.

Selbst auf engstem Raum findet er noch Zeit, den öffnenden, genialen letzten Pass zu spielen oder für entscheidende Tore wie im WM-Final 1998 gegen Brasilien zu sorgen. Zidane macht Fussball zum Kunstwerk. Er ist Artist, Ballvirtuose. Seine Werke sind Kunst und Kult. Und auch er ist sich nicht zu schade, hart zu fighten, Abwehraufgaben zu übernehmen und sich ins Teamgefüge einzugliedern.

(von Peter Wyrsch, Lissabon/Si)

 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich -2°C 3°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Basel -3°C 8°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen -1°C 7°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Bern -3°C 3°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Luzern -2°C 4°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt
Genf 0°C 4°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wolkig, aber kaum Regen
Lugano 1°C 7°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wolkig, wenig Schnee
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten