G-8 - Gegengipfel in der Sahelzone: Kein Strom und Wasser zeigt reale Armut
publiziert: Freitag, 30. Mai 2003 / 09:18 Uhr / aktualisiert: Freitag, 30. Mai 2003 / 12:33 Uhr

Bamako - Die Organisatoren des "Gipfels der Armen" haben sich ihren Versammlungsort ganz bewusst ausgesucht. In Siby, einem Dorf ohne Infrastruktur im westafrikanischen Mali, treffen sich ab dem kommenden Wochenende rund 400 Verfechter einer gerechteren Weltordnung.

Impression aus der Sahelzone.
Impression aus der Sahelzone.
50 Kilometer von der malischen Hauptstadt Bamako entfernt wollen die Delegierten aus Westafrika und Haiti ein Signal nach Evian senden, wo sich von Sonntag bis Mittwoch die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industriestaaten und Russlands treffen. Welcher Ort könnte dafür besser geeignet sein, als dieses Dorf, in dem es weder Strom, noch Telefon, noch Zugang zu Trinkwasser gibt?

Auf Einladung von Jubilee

Auf Einladung des malischen Zweigs der weltweiten Initiative Jubilee 2000 kommen Akademiker, Bauern und Vertreter von Reformbewegungen am Samstag nach Siby, um über einen Ausweg aus der Armut zu beraten. Die Entschuldung armer Länder, die Verbesserung der Ernährungslage, die neoliberale Weltwirtschaftsordnung und die Beteiligung der Menschen an politischen Entscheidungen sind einige der Themen, um die sich die Debatten auf dem Gipfel drehen werden. Siby, wo im 12. Jahrhundert die erste westafrikanische Verfassung verabschiedet wurde, ist schon zum zweiten Mal Gastgeber des "Gipfels der Armen". Erstmals trafen sich dort im vergangenen Jahr 200 Menschen parallel zum G-8-Gipfel im kanadischen Kananaskis.

NEPAD im Brennpunkt

Besonders kritisch werden sich die Delegierten mit dem NEPAD-Programm auseinandersetzen, mit dem die G-8-Staaten gerne ihr Engagement in Afrika herausstellen und das auch in Evian beleuchtet werden soll. Die Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD) ist eine Art "Marshall-Plan" für den Kontinent, der von der Afrikanischen Union verabschiedet wurde und dem die G-8-Staaten in Kananaskis ihre Unterstützung zusagten. In Evian soll nun überprüft werden, ob Afrika die dafür notwendigen Fortschritte gemacht hat.

Lieber Süd-Süd-Zusammenarbeit

Makanfing Konaté fragt lieber nach den Fortschritten der G-8-Staaten: "Letztes Jahr wurde von allen Dächern gerufen, dass die G-8-Staaten Afrika helfen wollen. Und wo sind wir heute?", fragt das "Jubilee-2000"-Mitglied. Statt dieser durch die NEPAD erneut geschaffenen Kontrolle und Abhängigkeit vom Norden wäre den Teilnehmern des Armutsgipfels eine Stärkung der Süd-Süd-Zusammenarbeit lieber. Die hohen Auslandsschulden der Entwicklungsländer sind nach Ansicht der Vorsitzenden der malischen Sektion von "Jubilee 2000", Barry Aminata Touré, ein entscheidender Grund für die Spirale der Armut: "Wie soll sich ein Land wie Mali, das Gesamtschulden in Höhe von 3,5 Milliarden Euro hat, entwickeln?", fragt sie.

Zerstörerische Agrarsubventionen

Um die Folgen von Agrarsubventionen zu demonstrieren, haben die Veranstalter Bauern aus der Region zu einem "Markt der Völker" eingeladen, auf dem diese ihre spärlichen Ernten ausstellen können. Die Subventionierung von Agrarprodukten aus Industriestaaten zerstöre die Landwirtschaft in den armen Ländern, meinen die Veranstalter. Auch wenn Siby längst nicht mit der Grossveranstaltung Weltsozialforum mithalten kann, das stets zeitgleich zum Davoser Weltwirtschaftsforum stattfindet, so stösst die aussergewöhnliche Veranstaltung in Mali immerhin auf ein gewisses Medieninteresse.

(Serge Daniel/afp)

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