G8-Kritiker, der Gipfel und die Medien
publiziert: Sonntag, 3. Jun 2007 / 11:29 Uhr

Berlin - Der Anteil der Berichte über protestierende NGOs umfasst nur rund fünf Prozent der gesamten G8-Berichterstattung in deutschen Qualitätszeitungen, wie eine Untersuchung des Instituts für Kommunikationswissenschaft der Universität München ergab.

Die Inhalte der G8 haben das Problem, medial nicht so interessant wie wütende Demonstranten im Kampf mit der Polizei zu sein.
Die Inhalte der G8 haben das Problem, medial nicht so interessant wie wütende Demonstranten im Kampf mit der Polizei zu sein.
Die globalisierungskritische Organisation Attac hat mit Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler einen wichtigen Mitstreiter gewonnen. Aber auch schon vor dem medienwirksamen Beitritt Geißlers waren die Sympathiewerte für die Globalisierungskritiker in den Medien im Steigen begriffen.

«Der Ton der Berichterstattung über Attac ist in der Tat besser geworden», bestätigt Peter Haric, Geschäftsführer des Medienforschungsunternehmens Mediatenor. Dennoch wird über die Protestbewegung nur marginal berichtet.

Die Bereitschaft in den Medien über Inhalte des G8-Treffens zu berichten sei größer geworden, stellt David Walch, Pressesprecher von Attac Österreich, fest. «Im Vergleich zu früher gehen die Medien differenzierter vor, wie man bei der Berichterstattung über die Polizei-Razzien sehen konnte», sagt Walch. Dennoch stünden die polizeilichen Vorbereitungen im Vordergrund und stellen die Inhalte in den Schatten.

Wo bleiben die Inhalte?

«Vor allem die Boulevardzeitungen spielen das Thema sehr stark», weiss Haric. Die Inhalte haben das Problem, medial nicht so interessant wie wütende Demonstranten im Kampf mit der Polizei zu sein. Naturgemäss nehme die Aufmerksamkeit für die Inhalte des Gipfels mit dessen Beginn zu, sagt der Medienexperte weiter.

Die Gründe für das verbesserte Bild der Protestbewegung in den Medien sind vielseitig. Zum einen gelingt es den NGOs ihre Themen besser in den Medien zu lancieren. Leider würden sie damit aber nicht immer verbunden, gibt Josef Seethaler von der Kommission für vergleichende Medienforschung an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu bedenken.

Um ihre Medienarbeit besser zu organisieren, haben sich freie Radios weltweit zusammengeschlossen, um zu den etablierten Medien eine alternative G8-Berichterstattung anzubieten. Aber auch das breite Bündnis des Protests, das von linken Gruppierungen über Gewerkschaften bis hin zu kirchlichen Organisationen reicht, hätte dazu geführt, erklärt Walch.

Für Empörung sorgte das Bundespresseamt (BPA), das einigen Journalisten die Akkreditierung «auf Empfehlung des BKA» für den Gipfel wieder entzog. Das Berliner Verwaltungsgericht erklärte den Bescheid des BPA mittlerweile aus formellen und materiellen Gründen für rechtswidrig.

Eindruck einer unterdrückten Berichterstattung

Da die betroffenen Journalisten keine Auskunft über die Erkenntnisse des BKA erhielten, drängte sich DJV-Vorsitzendem Michael Konken der Eindruck auf, dass kritische Berichterstattung über den G-8-Gipfel unterdrückt werden sollte. Nach Informationen der Deutschen Journalisten-Union (dju) handelte es sich um Journalisten, die im Vorfeld kritisch über den G8-Gipfel berichteten.

Beim G8-Gipfel treffen sich die Staats- und Regierungschefs der acht reichsten Industrienationen, um informell über globale Themen und Probleme zu diskutieren. Die Kritiker werfen der G8 vor, ein informeller und geschlossener Klub der reichsten Länder zu sein, die sich wie die «Herren der Welt» gebärden.

Kritisiert wird die Durchsetzung einer neoliberalen Politik, die nach Ansicht der Kritiker dazu führt, die Einkommensschere zu vergrössern, Arbeitsplätze zu vernichten und für den Klimawandel verantwortlich ist. Die deutschen NGOs rechnen mit 100'000 Demonstrationsteilnehmern.

«Wie die Berichterstattung letztendlich sein wird, hängt auch davon ab, was während des Gipfels und den Demonstrationen passieren wird», meint Walch.

(dl/pte)

 
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