G8: Nahost-Krise stiehlt Putin die Show
publiziert: Montag, 17. Jul 2006 / 10:42 Uhr

St. Petersburg - Das hatte sich Wladimir Putin anders vorgestellt. Der G8-Gipfel in St. Petersburg sollte die Krönung seines politischen Werks werden, die weltweit sichtbare Rückkehr seines Landes in den Kreis der mächtigsten Länder der Erde.

Putin organsierte ein potemkinsches Dorf.
Putin organsierte ein potemkinsches Dorf.
11 Meldungen im Zusammenhang
Symbolträchtig hatten die Russen das Reiterstandbild von Peter dem Grossen aus der Zeit des russischen Weltruhms zum Emblem des Gipfels gewählt. Doch dann überschlugen sich die negativen Neuigkeiten: Kein WTO-Abkommen mit den USA, ein kühles Treffen mit US-Präsident George W. Bush und die Eskalation der Gewalt in Nahost, die Putins sorgfältig geplantes Gipfelprogramm störte und stattdessen die Konfliktlinien zwischen den G8-Partnern hervortreten liess.

Dabei hatte der russische Präsident alles tadellos vorbereitet. Die Strassen, über die die Delegationen vom Flughafen Pulkowo zum Tagungsgelände rauschten, waren von jedem Verkehr befreit. Windschiefe Datschen sowie Industriebrachen waren hinter grünen Bauzäunen versteckt worden.

Doch schon der Auftakt am Samstagabend mutete wenig heimelig an: Zwar waren die Ehepartner der Gipfelteilnehmer zum Dinner eingeladen, doch mussten die Gäste einen langen Fussweg bis zur Eingangstür des Peterhofs zurücklegen. Putin liess seine Besucher förmlich aufmarschieren.

Viele Unstimmigkeiten

Die Dissonanzen setzten sich fort. So gelang keine gemeinsame Haltung zum Thema Atomkraft. Ausdrücklich musste in den Beschlüssen anerkannt werden, dass die Mitgliedstaaten «verschiedene Wege» bei der Energieversorgung verfolgten und nicht alle auf Nuklearenergie setzen.

Eigentlich heisst das, dass einzig Deutschland in der G8 nicht bei der ölpreisbedingten Renaissance der Atomkraft mitmachen will, beziehungsweise kann. Denn der Koalitionsvertrag bindet die durchaus nuklearfreundliche Kanzlerin Angela Merkel an den Atomausstieg. Darüber hinaus erklärte Russland sich nicht bereit dazu, die in der Energiecharta festgelegten Spielregeln für das internationalen Energiegeschäft einzuhalten. Zudem scheiterten ein WTO-Abkommen zwischen Moskau und Washington und eine Vereinbarung über Hilfen bei der Entwicklung von Impfstoffen.

Und Putin musste - mal humorvoll mal scharf - immer wieder Antworten finden auf die stets geäusserte Sorge um die demokratischen Zustände in Russland.

Dauerthema Nahost

Vor allem aber bestimmte die Lage im Nahen Osten den Gipfel. Die Angriffe Israels auf Libanon und die kriegsähnlichen Zustände in beiden Ländern machten aus dem Gipfelgeschehen eher eine Krisensitzung als ein ausgeruhtes Arbeitstreffen.

Immer wieder standen die Teilnehmer in Zweiergruppen zusammen und kannten dabei eigentlich nur ein Thema: Den Nahen Osten. Und auch hier schien es schwierig, eine gemeinsame Sprache zu finden.

Denn während allen voran die USA sich dicht hinter ihren israelischen Verbündeten stellen wollen, warf Russland Israel vor, bei den Luftangriffen auch andere Ziele als nur die Befreiung der entführten Soldaten und den Schutz der eigenen Landsleute zu verfolgen. «Wir bedauern es sehr, dass sich die Lage während unseres Treffens so zugespitzt hat», seufzte Putin gegen Schluss des Treffens.

(Von Ellen Hasenkamp, AFP/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Beirut - Die kriegerischen ... mehr lesen
Ehud Olmert will die Hisbollah ausschalten.
Die Regierungschefs sind nun optimistischer.
St. Petersburg - Auch die wirtschaftlich aufstrebenden Staaten in Asien, Afrika und Südamerika wollen - wie die G8 - einen raschen Durchbruch in der festgefahrenen Welthandelsrunde. mehr lesen
Haifa - Auf die israelische Hafenstadt ... mehr lesen
Verteidigungsminister Amir Peretz.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Eine Bohrinsel in der Nordsee.
London - Die Krise im Nahen Osten ... mehr lesen
Beirut - Israelische Kampfflugzeuge ... mehr lesen
Die Zahl der Todesopfer in Libanon erhöht sich auf 165.
Die Beratungen sollten nach Rückkehr der derzeitigen Sicherheitsratsmission beginnen.
St. Petersburg - Der Sicherheitsrat ... mehr lesen
Vladimir Putin, Jacques Chirac, Tony Blair and Stephen Harper, der kanadische Premierminister, heute beim offiziellen Foto-Shooting.
St. Petersburg - Bis Mitte August ... mehr lesen
St. Petersburg - Die sieben führenden Industriestaaten und Russland (G8) tun sich schwer damit, eine gemeinsame ... mehr lesen
Bush und Putin können sich nicht einigen, trotz der zur Schau getragenen guten Laune.
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 1°C 5°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Basel 2°C 7°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 0°C 4°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wolkig, aber kaum Regen
Bern 0°C 5°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt
Luzern 0°C 6°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wechselnd bewölkt
Genf 0°C 7°C starker Schneeregenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 4°C 6°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten